Freitag, 31. Oktober 2008

Krankenbesuch in Mumbai


Donnerstag, 23:45 Uhr, Der A-747 der Fluglinie AirFrance setzt zur Landung an - Nachdem ich das Flugzeug verlassen hatte und ich auf umständliche Art und Weise endlich den Ausgang des nach Gips riechenden Flughafengebäudes erreichte, erblickte ich zuerst eine fuer dieses Land typische unueberschaubare Menschenmenge. Da ich sofort von zwei Aufsehern in Gewahrsam genommen wurde, hatte ich überhaupt gar keine Zeit nach einer "gewissen" Person Ausschau zu halten. Freundlich wurde ich von einem der watchmen in Kenntnis gesetzt, dass es zur Zeit in Mumbai ein wenig gefährlich sei, da ein Politiker letzte Woche verhaftet wurde und ich besser die Innenstadt meiden sollte. Daraufhin gab ich ihm zu verstehen, dass ich bereits davon wüsste und ich von jemanden erwartet werde. Von Krawallen merkte ich in den nächsten 3 Tagen jedenfalls nichts mehr. Nachdem ich "die Vicky" endlich erblickte, bestellte sie und ersteinmal ein Taxi, das uns zu einem Hotel in der Nähe des AirPorts. Dort angekommen hatten wir uns ersteinmal viel zu erzählen, so dass wir auch erst um 04 00 einschliefen. Als wir dann mittags, von Krähen geweckt, aufstanden, begaben wir uns ersteinmal zu einem nahegelegenen Markt wo wir "leckere" Früchte (u.a. Sitafal) einkauften. Nach dem Einkauf gingen wir wieder zurück zu unserem Hotel, um mit dem dort deponierten Messer die Früchte zum Verzehr zuzubereiten. Auf dem Weg dorthin begegneten uns ein Junge mir seinen 3 Geschwistern, die uns baten, für sie Milchpulver zu kaufen, das stolze 4 Euro kostete. (Nicht alles in Indien ist billig...) Nach einigem Hin und Her willigte Vicky ein und kaufte ihnen das Milchpulver.

Nachdem wir dann die Früchte zu uns genommen hatten, begaben wir uns mittels Taxi, Zug und Rikshaw zum Hare Krishna Hare Ram - Tempel, der zu Vicky's Bedauern leider etwas voll und damit nicht so entspannend beim letzten Besuch war.
Auf dem Weg nach Hause plagte uns dann irgendwann der Hunger und wir entschlossen uns, in einem Restaurant zu speisen. Speisen ist das richtige Wort, denn das Restaurant schien zu einem der besseren zu gehören. Der Service war meiner Meinung nach etwas zuuu übertrieben, aber das ist man als erfahrener Italien-Urlauber ja gewohnt. (Selber tanken is nich drin)
Als wir mit dem Essen fertig waren gönnte sich jeder von uns noch einen erfrischenden Cocktail und dann verließen wir gutgelaunt das Lokal und traten unsere Reise ins Bett an.
Der zweite Tag begann wie der erste... Krähen saßen vor unserem Fenster und taten das, was Krähen nunmal machen... LÄRM!!! Da ich am Vortag schon den Wunsch geäußert hatte, Elephanta-Island zu besichtigen, gingen wir gleich nach dem Aufstehen, mit kurzem Abstecher zu einem der an jeder Strassenecke anzufindenen Obsthaendler, zum nahegelegenen Hafen. Kurz vor Abfahrt ließen uns dann auch die letzten eisernen CHIPSVERKÄUFER in Ruhe und wir schipperten in Gesellschaft von miesgelaunten Franzosen, geröteten Engländern und einigen Indern auf die 10 Kilometer vom Gateway of India entfernte Insel. Nachdem wir den Kahn verlassen hatten, traten wir unsere Reise, vorbei an Maiskolbenständen und tausenden anderen Ramschläden, zum Gipfel an. Dort angekommen erzählte mir meine Begleiterin etwas über die Gottheiten, die dort aus dem Stein gehauen wurden und zeigte mir einen Shiva darstellenden "lingam" (Steinpenis), der als solcher nicht zu erkennen war.. aber ein paar Affen sollten dafür sorgen, dass wir noch welche zu Gesicht bekommen würden. Da der Aufstieg uns ein wenig geschafft hatte und die Temperaturen uns zusätzlich schwächten, entschlossen wir uns zu einem Frühstück in einer Höhle, wo scheinbar keine Affen waren, da zuvor schon eine dieser Kreaturen sehr gierig geschaut hatte. So saßen wir also in einer schattenbringenden Höhle und zerschnitten eine Zitronen-Orange (sweet lime) und dann kam auch schon das Unheil... Wir schrieen und stampften aber es half alles nichts.. nicht mal die professionelle Imitation von Donald-Geraeuschen jagten dem unser Frühstück verzehrenden Rhesusaffen Angst ein. Irgendwann gaben wir Klein bei, weil mein Taschenmesser in Reichweite des Affen lag und dieser damit eindeutig im Vorteil war - weiß Gott, zu was dieser Fellbollen bereit ist!!!
Aber seht selbst...

Nach dem wir also unser ganzes Essen diesen Affen überlassen musste, machten wir kehrt und fuhren mit dem nächsten Schiff wieder zum Land. Von dort aus begaben wir uns dann auf bestem Wege zum Einkaufszentrum wo wir ersteinmal ein Eis verputzen und dann noch eine etwas "pikantere" Mahlzeit zu uns nahmen. Gesättigt besuchten wir einen Laden wo ich ein paar Salwar Kemeez für Männer anprobierte... leider gab es eines nicht in meiner Größe, sonst hätte ich es gekauft, aber ich werd ja noch genug Zeit haben mir 1 oder 2 zu besorgen. Als wir das breuningerähnliche Einkaufszentrum verließen, war es schon dunkel geworden... Zeit für die Falle.

Der dritte Tag begann auch nicht anders als die Tage davor... Nach dem Aufstehen begaben wir uns ins Cafe Leopold wo wir eigentlich einen Chai oder besser gesagt einen Masala Chai süffeln wollten, komischerweise konnte man dort keinen bestellen... (Meiner Meinung nach ist Chai vergleichbar mit Bier.. nennt mir eine Kneipe in Deutschland wo man kein Bier bekommt ô.O!) Nach dieser Enttäuschung gingen wir einfach ins nächste Cafe..nämlich ins Cafe GAYLORD! Also falls irgendjemand mal nach Mumbai kommen sollte, dort bekommt ihr einen erstklassigen Service zu normalen Preisen und ein desweiteren ist es sehr schattig und mit Pflanzen umgeben. Von dort aus gings wieder auf Achse... diesmal zu den Wäscherein die ja schon in diesem Blog erwähnt wurden. Dann besuchten wir noch eine Moschee und einen Tempel. Danach mussten wir leider wieder zum Hotel und die Rücksäcke abholen. Da das Taxi schon bereit stand konnten wir auch sofort zum Airport. Nach einigen Stunden Konversation verabschiedeten wir uns wieder voneinander und jeder ging seinen Weg.....*heul* Und wenn sie nicht gestorben sind dann liegen sie sich am 06. Dezember wieder in den Armen!!! :) (Übrigens der Rückflug war sehr angenehm... da ca. 1 Fluggast auf 3 Plätze kahm ;) d.h. man konnte sich schön hinlegen... achso und mit den Sicherheitsvorschriften nehmens die Franzosen auch nicht so... trotz gelegentlicher "Anschnallpflicht" hat es niemanden gejuckt wenn da ein paar noch rumlagen.. unter anderem ich..) Jetzt noch ein Paar Bilder... -cs.

Donnerstag, 30. Oktober 2008

Tradition und Moderne

Da prallen Welten aufeinander!
Die Kleidung ist schaetzungsweise typisch fuer Rajasthan (ein noerdlich von Mumbai gelegener Wuestenstaat, der stark von der Kultur muslimischer Eroberer gepraegt wurde), ich bin mir aber nicht 100%ig sicher. Und im Hintergrund seht ihr einen der typischen kleinen Laeden, die hier in der Vorstadt fast jede Strasse saeumen.. da gibt es wirklich fast ALLES! Egal was man braucht, aus irgendeiner Ecke wird es hervorgekramt. Momentan machen solche privaten "groceries" oder "general stores" unglaubliche 95% des Marktes aus, das heisst nur 5% aller Lebensmittel und Haushaltswaren werden in Shopping Malls oder Supermaerkten (="organised retail") umgesetzt! Bis 2015 soll dieser Anteil aber auf 18% steigen..
In den etwa 100 Jahre alten Stadtteilen, die sich weiter im Sueden befinden (z.B. Mahalaxmi), laesst sich schon heute sozusagen ein Strukturwandel beobachten. Eigentlich leben dort einfache Arbeiter, wie z.B. Waescher oder Stahlarbeiter und es gibt viele Muehlen und Handwerksbetriebe. Diese Viertel zeichnen sich durch kleine Haeuser aus und die Strassen sind sehr belebt und ueberall gibt es Maerkte und Tempel. Jedoch werden diese eingesessenen Bewohner von Immobilienmaklern, die grosse Flaechen an Land aufkaufen, aus ihren Haeusern vertrieben, weil die recht zentral gelegenen Gebiete "aufgewertet" werden sollen. Man merkt also, dass mehr moderne Gebaeude in den Himmel wachsen, Shopping Malls die Waeschereiviertel ersetzen und die ueberwiegend aus Maharasthra stammenden Bewohner notgedrungen in die aermeren, noerdlicheren Gebiete (wie z.B. Kandivali) ziehen muessen. Stattdessen ziehen wohlhabendere Menschen in die neuen Haeuser, viele Jains (historisch bedingt eher obere Gesellschaftsschicht) oder reiche Hindus aus Gujarat. Diese veraenderten Verhaeltnisse lassen sich ganz konkret feststellen, wenn z.B. vermehrt Gujarati im ehemals vom Marathi beherrschten Viertel gesprochen wird. Auch die Essverhaeltnisse der Bewohner aendern sich.. die einfachen Arbeiter essen viel Huhn, daher gab es immer viele Gefluegelhaendler (hier im Norden findet man die auch ueberall), die jetzt aber mehr und mehr verschwinden, da die Angehoerigen der oberen Kasten aus religioesen Gruenden kein Fleisch und keine Eier essen. In "Timeout Mumbai", einem tollen Magazin, das ich erst kuerzlich entdeckt habe, war ein Artikel darueber, dass Mumbai versucht, mit anderen Riesenstaedten wie New York, London oder Paris gleichzuziehen, was Exklusivitaet und Moderne und so betrifft und dabei aber mehr und mehr eine Zweiklassengesellschaft schafft. Im Sueden der Stadt wird modernisiert und die Infrastruktur verbessert, aber das kann nur auf Kosten der Aermeren passieren, da die Infrastruktur des Nordens durch die "Fluechtlinge" noch mehr belastet wird. Deutlich wird der Trend der sozialen Spaltung auch an den Preisen fuer die Vorortzuege.. die Tickets erster Klasse sind 10mal teurer als die der zweiten! Eine "maid" (Hausangestellte, die z.B. die Kueche und die Waesche macht) wird fuer ihre taegliche Arbeit mit 1000 Rupien im Monat (17 Euro) bezahlt, das entspricht zwei Abenden in einer angesagten Diskothek oder 4 Glaesern Bier in einer besseren Bar.. es gibt einfach riesige Unterschiede zwischen Arm und Reich hier.. zwar haben die meisten genug, um irgendwie zu ueberleben, sind damit aber gleichzeitig unendlich weit entfernt vom Leben und Luxus der Oberschicht.

Jewish Cemetery

Gestern war ich zum ersten Mal in meinem Leben auf einem juedischen Friedhof. Das Ganze kam so.. ich bin zum ersten Mal mit einem der Vorstadtzuege der Central Railways gefahren (normal fahr ich immer mit denen, die im Westen der Stadt verlaufen). Nahe der Station Chinchpokli (lustiger Name..) sah ich aus dem Fenster einen grossen, verwucherten Friedhof.. also stieg ich aus und suchte mir meinen Weg dorthin. Ich kam an einem Slumgebiet vorbei und machte auch Bilder von einigen Wellblechhuetten – wobei ich von einer Frau ueberrascht wurde, die mir lachend mit einer Plastikflasche auf den Allerwertesten schlug und mit dem Zeigefinger drohte. Schliesslich kam ich an ein grosses Tor mit einem Schild: “Jewish Cemetery”. Leider war das Tor verschlossen und nachdem ich vergeblich daran geruettelt hatte, wollte ich schon weitergehen. Doch direkt neben dem Tor war eine Huette, vor welcher ein Kaefig mit einem gruenen Papagei hing. Und unter dem Kaefig sass ein Junge, der “eek minute” (also “einen Moment”) zu mir sagte und irgendwas rief und dann oeffnete sich doch tatsaechlich das Tor und ich durfte mir den verwucherten Friedhof angucken :) Manche der Grabaufschriften waren sehr exotisch und als ich sie gelesen hab, kam ich mir so weit weg von daheim vor, wie bisher selten. Manche machen auch deutlich, zu welchem Mass sich hier in Indien und speziell natuerlich in einer grossen Hafen- und Handelsstadt wie Mumabi die unterschiedlichsten Kulturen vermischen.. zum Beispiel diese:

In ever loving memory of
Aadam Meyer Aadam
born in Baghdad
departed this life on
9th July 1954
aged 81 years.
Deeply mourned by his sorrowful children,
relatives & grandchildren.
May his soul rest in peace.
Amen.

Vicky im Sari!

NAMASTE! :)
(das ist bei uns auf der Terrasse..)

Diwali

Am Dienstag war wie gesagt Diwali. Es kann mit Weihnachten verglichen werden und die ueberall aufgehaengten Lichterketten waren sogar auch irgendwie .. weihnachtlich. Ausserdem ist der Feiertag ungefaehr genauso kommerzialisiert wie unserer.. was aber auch damit zusammenhaengt, dass Lakshmi, die Goettin des Reichtums, verehrt wird.
Wir haben um 19 Uhr Puja abgehalten, dazu wurden alle moeglichen Silbermuenzen mit Milch ueberschuettet und Lakshmi wurde symbolisch Essen angeboten. Ich fand das Ritual allerdings ziemlich oberflaechlich, da die ganzen Gesten alle irgendwie nur hohl ausgefuehrt wurden, Usha und Sharad sich nebenher sogar unterhalten haben und es an der Tuer geklingelt hat. Insgesamt war der Fernseher sowieso nur fuer 30 Minuten aus, weil Sharad direkt nach der Zeremonie die Liveuebertragung eines Cricketspiels weitergucken wollte.. da konnte gar keine Festtagsstimmung aufkommen. Das Fest ist zwar wichtig, aber wird gar nicht richtig von allen gefeiert. Viele mussten arbeiten, die ganzen kleinen Laeden und Kiosks bei uns in der Strasse hatten bis 23 Uhr auf und die Cricketspieler konnten den Abend offensichtlich auch nicht mir ihren Familien verbringen. Und bei mir hat sich halt auch keine Vorfreude auf das Fest entwickelt, weil ich es nicht traditionell gewohnt bin wie z.B. Weihnachten.. daher ist es wie gesagt ein bisschen an mir vorbeigegangen. Aber es gibt auch ein paar tolle Seiten.. das Essen beispielsweise :) Sehr lecker.. aber sehr schwer verdaulich. Und ausserdem werden vor alle Haeuser und auf die Strassen und in den Bueros und Supermaerkten auf den Boden bunte Mandalas und Symbole gemalt (auf dem Bild ist das vor unserer Tuer zu sehen) und die Lampions und Lichterketten sind auch schoen.

Nachts um 1 Uhr kam dann ein Bekannter der Familie, der sowas wie Priester von Beruf ist und nochmal eine einstuendige Puja abgehalten hat. Allerdings war er unter Zeitdruck, weil er seinen Zug erwischen musste, und hat das Ganze total hektisch abgezogen, allein wie schnell der geredet hat! Wie ein Rapper seine Lyrics hat der die Mantras runtergespult und somit das Ritual von eigentlich 2 Stunden auf 1 Stunde Dauer komprimiert! Naja..

Montag, 27. Oktober 2008

Haider, Sitars, Kulfi, Raj Thackeray.. Happy Diwali

Hallo werte Leser.. ich werde hier nun mal die eingegangenen Kommentare aeh..kommentieren. Und morgen kommt bestimmt ein Post (immer dienstags..? irgendwie schon..).
bzgl des indischen Tempeltanzes.. der ist wirklich sehr ungewohnt, aber der Rhythmus ist eigentlich recht vertraut, nur die Bewegungen sind..asiatischer :) die Musik ist toll, voll.. klimperig hihi.. mit Sitar und Trommel.. mag ich lieber als das moderne Bollywoodzeug, really. und ja, der Bharatnatyam erzaehlt eine Geschichte.. und es gibt 27 Hand-Mudras (also "Haltungen"), die dann, je nachdem wie man die Arme bewegt, viele Dinge bedeuten koennen.. zb die Stellung Kartarimukha (Schere) kann entweder das lockige Haar Shivas symbolisieren oder den Qualm einer Opferflamme etc.. des werd ich mir nieee alles merken koennen! ..am Wochenende hab ich unter nem krassen Muskelkater gelitten.. und ja, ich hab voraussichtlich Einzelunterricht, die naechsten 2 Wochen geht aber Aayu Sharma mit mir hin, weil die grad Ferien hat..
und hey Alex, wegen deiner unterpunkteten Klausuren.. mach dir keine zuuu grossen Sorgen, die meisten haben in den ersten paar bisschen "abgekackt", man muss sich doch immer erst an die Lehrer und Anforderungen gewoehnen.. :) wen hast du denn in Mathe?? vielleicht liegts ja einfach am Lehrer? :D
bzgl des Resochins (das ist uebrigens ein Medikament, das ich in Deutschland verschrieben bekommen hab, Andi..also es liegt nicht an minderwertiger indischer Qualitaet :) leider..).. es gibt kein weniger "krasses" Mittel und nachdem Mamas Zahnaerztin und Dr Sharma mir vom Konsum weiterer netter Tabletten abgeraten haben und ich das Zeug abgesetzt hab, gehts mir mittlerweile gut.. trotz einiger Restaurantbesuche! juhu!
Juli: Kulfirezept schon aufgeschrieben :) auch wenn ich mich leider vorerst dran ueberfressen hab.. aber des is echt toll und ich schreib auch ganz viele andere Dinge auf.. Dattelchutney und Linsensuppe und Milchreis mit Pistazien und Orangen und Kartoffelbaellchen und Tomaten-Erbsen-Gemuese.. und dass Joerg Haider tot ist hab ich auf der GMX-Startseite auch gelernt.. musste an Falco denken.. was den Raj Thackeray betrifft, ist er leider auf Kaution wieder auf freiem Fuss, obwohl er eigentlich schon im Januar auf Kaution aus U-Haft entlassen worden ist.. wie das jetzt funktioniert und einer doppelt auf Kaution (sogar fuer das gleiche Vergehen, naemlich hetzerische Reden und Anstiften von Aufstaenden) frei sein kann, ist mir schleierhaft.. bis morgen, alle zusammen! :) und.. HAPPY DIWALI AND A PROSPEROUS NEW YEAR, ENJOY SHOPPING.. (ach is des alles kommerziell hier.. genau wie Weihnachten.. sogar mit Lichterketten und manche haengen sich weissbaertige Coca-Cola-Weihnachtsmaenner an die Tuer)!

Dienstag, 21. Oktober 2008

die neusten Entwicklungen hier

Hallo! Es gibt viel zu erzaehlen..
Da ich zur Zeit (mal wieder) Ferien habe, diesmal wegen des naechste Woche stattfindenden Lichterfests (Diwali), verbring ich grad sehr viel Zeit bei meiner Yogalehrerin und deren Familie, am Samstag war ich den ganzen Tag mit denen unterwegs.. auf einem Yogaworkshop, danach essen in der Kantine der "Times of India" (einen riesigen Tali (also.. Teller mit Gemuese, Reis, Linsen und Rhotee) fuer 6 Cent!!) und dann waren wir noch bei Freunden der Sharmas (so heisst meine Yogalehrerin), wo extra fuer mich was Europaeisches gekocht wurde und ich anschliessend mit zwei Megaportionen Kulfi (indisches Eis ohne Eier und mit tollen Geschmacksrichtungen.. Safran, Rose..) gemaestet wurde. Am naechsten Tag war ich dann leider mal wieder sehr krank.. es ist so zum Verzweifeln, ich bin richtig deprimiert, egal ob ich mit dem essen aufpass oder nicht, 1mal die Woche werd ich krank.. aaaber gestern erreichte mich ein Anruf vom werten Herrn C.S., der mich so uuuuunendlich erleichtert hat!! Er meinte naemlich, dass sein Arzt ihm davon abraet, das Malariaprophylaxe-Mittel Resochin einzunehmen, aufgrund der starken Nebenwirkungen.. neben einer haeufig auftretenden Netzhauttruebung mit Gesichtsfeldausfaellen (ja aber hallo, da kommt Freude auf!!) kommt es zu (ich zitiere die Packungsbeilage) "Stoerungen des Magen-Darm-Traktes wie Appetitlosigkeit (ja), Magenschmerzen (ja), Uebelkeit (ja), Erbrechen (ja), und Durchfaelle mit Gewichtsverlust (ja)." Die Tatsache, dass ich meistens mittwochs (also an dem Tag, an dem ich Resochin schlucke) oder donnerstags krank geworden bin, macht mir Hoffnung, dass ich nach Abesetzen dieses Zeugs vielleicht endlich wieder froehlich leben kann! :)
Gestern war ich mit Aayu Sharma, der Tochter der Yogalehrerin, bei dieser Freundin der Familie (ihr Name ist Pratiksha), die eine bekannte Taenzerin ist. Bei der werd ich jetzt 3mal die Woche Unterricht haben und die erste Stunde war richtig toll, des macht voll Spass.. der Stil heisst Bharatnatyam und stammt aus Suedindien, Tamil Nadu. Zuerst haben wir ein paar Grundschritte gelernt (der Muskelkater muesste bald einsetzen) und den Namaskar, das ist eine traditionelle Begruessung.. man holt damit den Segen der Goetter, dem Guruji (Lehrer) und vom Publikum zu Beginn einer Darbietung ein und fragt Mutter Erde sozusagen um Erlaubnis, auf ihr "stampfen" zu duerfen.. sehr cool :) zu sehen ist der Namaskar hier. Das eigentliche Tanzen ist dann sehr.. stampfig, ein bisschen wie steppen. Dazu traegt man Fussketten mit Glocken.. des is echt richtig toll :)
Damit leite ich jetzt mal zu einem anderen Thema ueber.. also, der Tanz hat in Indien eine sehr religioese Dimension, so gut wie alle Tanzstile dienen der Verehrung der Goetter.. auf dem Kala Ghoda Festival, das ich besucht habe, gab es zB einen Tanz zu Ehren des Gottes der Richtungen und einen fuer Rama und einen fuer Shiva.. naja, irgendwie macht das, finde ich, deutlich, was fuer eine Rolle die Religion hier spielt.. auch Popsongs, die sich im westlichen Kulturkreis wahrscheinlich zu 90% um Liebe und Liebeskummer etc. drehen, haben hier oft Religion zum Thema! Da gibt es HipHop-Remixe von "Hare Krishna, Hare Ram" und "Om Shantih Om" (also ein Mantra).. und ich hab halt irgendwie ueberlegt, und das auch mit Dr. Sharma diskutiert, ob dieses Verbannen von Themen wie Liebe und Sex aus allen Bereichen des Lebens, inklusive Kunst und Film, teilweise dazu fuehren koennte, dass es hier, wegen dieser verklemmten Einstellung und Sexmoral, weitaus haeufiger zu "sexuellen Belaestigungen" kommt, als bei uns. Ich wurde hier schon 4mal mehr oder weniger "Opfer" irgendwelcher aufdringlichen Menschen und hab schon einige dumme Anmachen erlebt und Dr. Sharma hat mir erzaehlt, dass sie frueher immer einen Regenschirm zur Selbstverteidigung dabeihatte.. ich mein, in einem Land wo Kussszenen im Fernsehen undenkbar sind und sogar Haendchenhalten in der Oeffentlichkeit nicht schicklich ist, braucht man sich nicht wundern, dass manche Leute oefters mal durchdrehen.. keine Ahnung, ist so meine Vermutung.
Wo wir grad beim Thema sind.. heut war wieder ein grosser Artikel ueber die aktuelle Diskussion ueber Homosexualitaet in der Zeitung. Das Delhi High Court und die indische Zentralregierung streiten ueber die Legalisierung von gleichgeschlechtlichen Beziehungen: "The government claimed: Gay sex is immoral and a reflection of a perverse mind and its decriminalisation would lead to moral degradation of society. Homosexuality is a social vice and the state has the power to contain it. If it was allowed then the evils of AIDS and HIV would spread and harm the people. It would degrade moral values of society. Gay sex is against the order of the nature. Legalising homosexuality would further divide the country. People on the streets would start indulging in such practises saying that the high court has given approval for it." Sehr krass.. die Regierung hat sogar verschiedene religioese Texte zitiert, um ihre Behauptungen zu "belegen", diese wurden allerdings vom Gericht mit dem Hinweis auf die Saekularitaet Indiens abgewiesen..
So, und heute bin ich mal wieder ans Haus gefesselt.. Grund: Heute morgen wurde Raj Thackeray, der Fuehrer der nationalistischen Partei MNS (Maharashtra Navnirman Sena), festgenommen und jetzt kommt im Fernsehen ein Brennpunkt nach dem anderen, mit Bildern von brennenden Bushaltestellen und eingeschlagenen Schaufenstern.. die Strassen sind sogar hier in Charkop geradezu "ausgestorben" fuer Mumbai-Verhaeltnisse.. kaum Rikshas und Taxis unterwegs, die meisten Laeden geschlossen, selbst das Internetcafe hat den Rollladen halb unten, um im Notfall sofort dichtmachen zu koennen. Hintergrund sind gewaltvolle Uebergriffe der MNS-Mitglieder auf Nordinder, die gestern nach Mumbai gekommen sind, um sich fuer Jobs bei der Bahn zu bewerben, die hier ausgeschrieben sind.. und diese Nationalisten wollen, dass die Jobs nur fuer Buerger Maharashtras reserviert werden. Dahinter steckt natuerlich das Bestreben, Waehler zu gewinnen, welche aufgrund der wirtschaftlichen Schwierigkeiten (Inflation und daraus resultierende Teurung, dauernde Stromausfaelle etc) verunsichert sind und zu extremen Ansichten neigen. Und eine Folge dieser Uebergriffe, die nicht die ersten ihrer Art sind, ist jetzt, dass vor allem die Menschen, die aus Nordindien (Bihar und Uttar Pradesh, den beiden aermsten Bundesstaaten) kommen, Angst vor mehr Gewalt haben. Und da vor allem die Riksha- und Taxifahrer aus dem Norden stammen, sind die Strassen sehr sehr leer. Echt.. krass hier! Das Leben in Indien ist nicht langweilig..