Samstag, 6. September 2008

Sauberkeit Gesundheit Hygiene


Aufgrund einer Anregung meiner werten Leserin C.V. aus S. werde ich heute mal mein bisher gesammeltes Wissen zu diesem Themenkomplex niederschreiben.
Also wenn man sich hier mal umguckt und vor allem auch umriecht, dann fragt man sich eigentlich, wie die Leute hier halbwegs gesund ueber die Runden kommen und vor allem wie die im indischen Vergleich dritthoechste Lebenserwartung von 63 Jahren in Maharastha zustande kommt..
Eine Kanalisation ist in den normalen Wohngebieten vorhanden, es sind Wassergraeben, die von Hand ausgehoben werden und mit Betonplatten abgedeckt sind (ab und zu sind auch mal welche lose oder fehlen.. gefaehrlich fuer Verkehrsteilnehmer). Einmal in der Woche wird in jedem Viertel ein Pestizid da reingesprueht, sieht recht gespenstisch aus, wenn das dann aus saemtlichen Oeffnungen hervorschwebt wie dichter Nebel.. und unangenehm riechen tut es auch, ich nehme mal an, dass es nicht nur fuer Malariamuecken und andere stoerende Tierchen ungesund ist, sondern auch fuer den Menschen. Wo wir schon bei allen moeglichen Plagegeistern sind.. es gibt hier wirklich jede Menge Mitbewohner. Selbst in unserem sehr sauberen Haus, das taeglich mindestens einmal geputzt wird, gibt es winzige Ameisen, Wuermer, Moskitos, haarige Tausendfuessler, Maeuse (in der Kueche und unter meinem Sofa) und Geckos.. mehr hab ich bisher noch nicht gesehn.. draussen teilen sich abgemagerte und schorfige Strassenhunde mit raeudigen Katzen und Ratten ihr Revier.. die letzteren sind sowas von dreist! Sitzen einfach rum und lassen sich sogar fotografieren.. und sind sowas von dick und gross, eklig! Ach, ne Schabe hab ich auch mal rumkrabbeln sehen..
In dem Slums gibt es aber selbstverstaendlich keine Kanalisation.. ist ja kein Bauland oder so, sondern eine nach und nach entstandene Ansammlung von Wellblechhuetten und Zelten.. da gibt es glaub ich nicht mal richtige Wege dazwischen.. wie bereits erwaehnt, gehen die Bewohner zum Waschen eben ein Stueckchen, um irgendwo Platz zu finden.. an Bahngleisen, auf brachliegenden Wiesen, aus Muellkippen, an stinkenden Tuempeln (siehe Bild). Und woher das Wasser kommt, mit dem sie sich da waschen, ist auch fraglich.. Ansonsten ist alles mit Muell und Essensresten voll, ausserdem spucken die Inder gern und oft auf den Boden, was auch nicht unbedingt zur Ansehnlichkeit der Strassen beitraegt.. weil sie nicht nur Rotz, sondern auch roten Betelnusssaft ueberall verteilen und sich damit Krankheiten wie zB Tuberkulose leicht verbreiten koennen. Unter solchen Umstaenden entstehen natuerlich viele Krankheiten, so gut wie alle der Slumbewohner scheinen unter Husten zu leiden und heute hab ich ein Maedchen gesehen, das mit ihrem duennen kleinen Bruder auf dem Arm betteln gegagen ist, das Baby hatte eine Art Pilz auf dem Kopf..war sehr eklig. Was die gesundheitliche Versorgung betrifft, ist die fuer die Slummenschen wahrscheinlich sehr unrealistisch.. also es gibt kein staatliches Versicherungssystem und kaum jemand ist ueberhaupt versichert, da die privaten Anbieter teuer sind und Arztrechnungen (ein Besuch kostet um die 100 Rupien) und Medikamente ueberhaupt nicht uebernimmt, Krankenhausaufenthalte zu Bruchteilen. Herr Chowdhary hatte im Februar irgendeine Krankheit und seine Behandlung hat 15 Lakh (also 150.000) Rupien gekostet und gerademal 2 Lakh wurden von der Versicherung uebernommen! Auch sonst kommt der Staat meiner Wahrnehmung nach seinen Pflichten nicht sonderlich effektiv nach.. hab neulich irgendwo die Praeambel der indischen Verfassung gelesen.. das uebliche Gerede vom freien Leben und Chancengleichheit und so.. allerdings sind diese Versprechungen in der indischen Demokratie noch weitaus weniger Wirklichkeit geworden, als beispielsweise bei uns.
Der werte Abonnent C.S. aus O. erzaehlte mir von einem Artikel, den er ueber die Ausmasse der Bestechung in Indien gelesen hatte.. er nannte das Beispiel von 100 Rupien, die fliessen, wenn ein Rikshafahrer mit defektem Blinker erwischt wird.. ich jedoch kann nur vermuten, dass dieser Artikel auf die deutschen / europaeischen Verhaeltnisse angeglichen wurde, da ich mir nicht vorstellen kann, dass auch nur irgendein Polizist wirklich Probleme mit einem defekten Blinker haette. Abgesehen davon, dass ich hier doch tatsaechlich doch noch keinen einzigen Polizisten gesehen habe.. und er irgendwie auch keine Autoritaet haette, irgendwelche Forderungen dieser Art durchzusetzen, finde ich.. der Staat tut ja schliesslich auch nicht das,was er soll.. er kann keine permanente Versorgung mit Wasser, geschweige denn sauberem Wasser, oder mit Strom gewaehrleisten, es gibt kein Sozialsicherungssystem.. und so weiter. Irgendwie find ichs auch komisch,was man in den Zeitungen hier von den Regierungsaktivitaeten liest..wenn ueberhaupt mal was ueber Politik berichtet wird (neben 20 Seiten Sportteil und 25 Seiten “Alles ueber Bollywood’s Stars”), dann sind es merkwuerdige neue “Gesetze” wie etwa das von der Stadtverwaltung Mumbai erlassene, welches jedem, der der Stadt ein Schlagloch meldet und dafuer fuer die Ausbesserung der Strasse sorgt, eine Zahlung von 1000 Rupien verspricht.. wo ist da der Sinn? Die Strassen bestehen hier sozusagen NUR aus Schlagloechern, ich glaub da werden die Bauarbeiter auch so genuegend Beschaeftigung finden.. naja.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

hast du eigentlich dein moskitonetz in benutzung??