Dienstag, 9. September 2008

frag Vicky :)

Hallo.. ich werd hier mal einige Fragen beantworten.. (ein ganz besonderes Willkommen gilt an dieser Stelle Linda, die alles und jeden kommentiert.. nehmt euch ein Beispiel an ihr :) )!
Also.. zunaechst mal zur Frage, wie ich die Leute so wahrnehme.. fatalistisch wuerde ich die nicht nennen.. eher .. weiss nicht.. ich glaub sie akzeptieren es, sind aber nicht.. hoffnungslos (das wuerde ich mit Fatalismus in Verbindung bringen..oder?).. kaempfen halt weiter ums Ueberleben bzw es geht ihnen ja gar nicht soo schlecht..also die meisten haben immerhin eine Huette, Betten drin.. Essen, ein Dach ueber dem Kopf.. es gibt ja schlimmeres. Leute, die komplett verdreckt jeden Tag am gleichen Fleck am Bahnhof sitzen und apathisch in die Luft starren.. Leute, die von Fliegen ueberdeckt im Strassengraben schlafen (oder sind die schon tot?).. die wuerde ich schon als.. abgestumpft und komplett resigniert bezeichnen, ich glaub die wollen nicht mehr viel.. aber das ist ja die Ausnahme, nur ganz ganz wenige leben so.. die anderen fuehren halt das Leben,das sie kennen.. ich will uebrigens auch mal rausfinden, wie gut eigentlich die "Aufstiegschancen" aus dem Slum sind.. hab gestern von meiner Yogalehrerin (hab ich das eigentlich schon erzaehlt, dass ich hier nen Yogakurs mach? ..sehr.. aeh.. interessant.. vor allem ist es jedenfalls toll, mit der Aerztin Zeit zu verbringen, die weiss viel und hat vor allem ein gutes Englisch und fragt dauernd, ob ich mit ihrer Familie Ausfluege machen will oder auf den Workshop komm und hierhin mitwill und so weiter..) erfahren, dass ihre Familie in der 3. Generation in Mumbai lebt und ihre Vorfahren als vor einer Duerreperiode in Rajasthan fliehende Bauern hierher gewandert sind.. ich weiss zwar nicht, ob diese Vorfahren dann komplett arm waren, aber sie hat’s ja offensichtlich ziemlich gut.. ich frag mal nach.
Und ob ich mehr angebettelt werd,weil ich weiss bin.. ja und nein. Wenn zB manche durch die Menge laufen, und einzelne nach Geld fragen, dann sprechen mich bestimmt viele an, weil die sich ja auch denken koennen “Die hat genug Geld, um sich nen Flug leisten zu koennen, bei der muss ja was zu holen sein.” Oder von Strassenhaendlern werd ich zB ausnahmslos immer, wenn ich vorbeikomm, mit “Yes M’am” angelabert, oder “Have a look..”. Andererseits gibt’s auch manche, die sich nicht richtig trauen, mich anzureden.. wegen Aussehen oder Sprachbarrieren, ich weiss es nicht.. die gucken aber sagen nix. Aber zB Strassenkinder kleben immer ganz hartnaeckig an mir, zB an Ampeln, wo sie zwischen den Autos rumlaufen.. manche verkaufen nen ganzen Strauss Rosen fuer 10 Cent, andere betteln. Ich hab mir vorgenommen, ab jetzt immer Kekse und Bananen dabeizuhaben, da kann ich denen dann was geben.. weil Geld.. weiss nicht, will ich denen nicht so gerne geben. Hab auch gelesen, dass manche Kinderbanden richtig organisiert arbeiten und Geld sammeln muessen, dass sie dann aber bei irgendwelchen Typen abliefern muessen..

5 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Danke!

linda hat gesagt…

wie bei oliver twist mit nur mit betteln statt klauen.

wird eig viel geklaut da wo du bist?

und des mit den bananen oder keksen oder so dabeio haben is ne sehr gute idee

Anonym hat gesagt…

Hallo,
auf die gefahr hin, daß ich es jetzt zum dritten mal versendet habe, weil die ersten 2 nicht sichtbar ankamen...
ich denke, daß in indien das leben und die einstellung dazu doch sicher sehr stark auch vom glauben geprägt sind. und vielleicht rührt daher auch eine gewisse akzeptanz (u stellenweise auch ignoranz?) gegenüber den umständen. denn anders als bei uns,wo ja überwiegend nur an dieses eine, diesseitige leben geglaubt wird, und da sollte dann das maximal mögliche daraus gemacht werden, glauben die hindus doch an den ewigen kreislauf von leben sterben wiedergeburt. mit der möglichkeit, auc als tier, gott od. in der hölle wiedergeboren zu werden (deswegen auch vegetarismus und verehrung allen lebens/Tiere, versch. götter). durch anhäufung von gutem karma (durch gutes/richtiges verhalten auch was die regeln der eigenen kaste betrifft, auch yoga, askese und was weiß ich) kann man diesen ewigen kreislauf bis zur erlösung eventuell verkürzen. durch schlechtes karma andersrum beeinflussen.
meines wissens wird man doch in eine kaste geboren und kann diese auch nicht verlassen, oder? und gibt es nicht auch die unantastbaren (sind das parias?), sind das dann die, die du die "resignierten" genannt hast?
bei deinem yoga wäre ich auch total gern dabei, super. macht bestimmt spaß. ist doch toll, wenn du die hilfsbereite und gebildete frau getroffen hast, ist doch eine schöne chance für dich, mehr zu erfahren. oder ist dir das zuviel?
lg annette

Anonym hat gesagt…

Das Leben im so nennbaren christlichen Abendland ist auch sehr stark vom Glauben gepraegt, bis hin zu den Verfassungen der abendländischen Staaten usw. Gerade dass Mensch aus seinem diesseitigen Leben das 'Maximale' machen will und duerfen soll, ruehrt ja vom Glauben her. Ist dieses Leben doch nach juedischem, christlichem und dem islamischen Glauben ein Geschenk Gottes. Und es ist das einzige Leben, das man hat. Was danach kommt, ist das juengste Gericht, bei dem Mensch fuer dieses eine Leben Rechenschaft ablegt und dann, nach christlichem Glauben ewiges und von allem "Trennenden" befreites Leben im Angesicht Gottes hat. Ein Christ weiss schon im Diesseits, dass Jesus Christus ihn einst ueber diese trennende Bruecke zu Gott zurueckfuehrt. Es ist gar nicht sooooo weit dahin und man muss nicht handeln und mit Verdiensten und Vergehen handeln und schachern.
Und es ist schon hier ein befreiender Gedanke.
Gruss und fmfmfmfmf, Doro

Anonym hat gesagt…

Hallo Vicky, das mit den Bananen und Keksen würde ich einfach mal ausprobieren. Bei Kindern kommt das vielleicht noch gut an. Hier in D hab ich z. B. schon Obachlosen oder Alkis angeboten, ihnen ein Brötchen und einen Kaffee beim Bäcker zu holen - die haben das abgelehnt! Hierbei weiß man jedoch nie, ob die Geld wollen für ihre nächste Suchtbefriedigung oder ob deren Magen und Gedärme so in Mitleidenschaft gezogen ist, daß sie ein normales Frühstück gar nicht mehr verdauen können. Es wäre doch einmal interessant, ob die Armut in einer indischen Großstadt in dieser Hinsicht anders aussieht, als in einer deutschen, sprich: Ob man dort mit Essbarem hilft oder ob die nur auf Geld aus sind.
Außerdem mußt Du finanziell noch bis Dezember durchhalten und Geld rinnt einem manchmal sehr schnell durch die Finger.
CV aus S