
Gestern hab ich mit Chotto, Gori und Usha Samosa zubereitet.. das ist ein sehr beliebter indischer Snack.. man nehme Kartoffeln, schneide sie klein und frittiere sie, mische sie mit einer recht fettigen Erbsensauce und Zwiebeln, stopfe das Ganze dann in Teigtaschen, die auf eine ganz besondere Weise gerollt werden muessen (ich durfte die Technik vom Grossmeister selbst erlernen :)) und frittiere diese erneut.. heraus kommt.. ein oeliges kleines Paeckchen. Hab ein Stueckchen probiert.. aber naja, das triefte richtig.. egal, das Zubereiten hat Spass gemacht, auch wenn es 5 Stunden gedauert hat, weil Usha ja (sozusagen) einen Catering-Service betreibt und wir 170 dieser Dinger herstellen mussten. Dieses Catering-Unternehmen laeuft in letzter Zeit uebrigens sehr schlecht, da durch die enorme Inflation (30% in 2 Monaten! Der Preis fuer 1 kg Reis ist von 18 Rupien im Juli auf 24 im September gestiegen!) alles teurer wird.. Usha aber ihre Kunden verliert,wenn sie ihre Angebote auch teurer macht..also macht sie im Moment eigentlich Miese, da sie weiterhin billig verkauft.. hm. Ich hab die Chowdharys gefragt, was die Regierung denn dagegen tut, also gegen diese Teuerung. Und wie denn die Leute, die vorher schon kaum ueber die Runden kamen, jetzt leben. “I don’t understand how people can still afford to live..” Die einzige Antwort, die ich bekam: “They just can’t.” Als ich dann weitergefragt habe, ob denn die Slumbewohner eigentlich eine Chance oder zumindest die Hoffnung haben, aus diesen Lebensverhaeltnissen zu entkommen, meinte Sharad: “How can they know something about such things?” Ja gut.. naja, immerhin von meiner Yogalehrerin bekam ich ausfuehrlich Auskunft.. so ausfuehrlich sogar, dass wir die kompletten 1,5 Stunden verlabert haben. Sie hat mir Geschichten erzaehlt, von Slumbewohnern, die den Weg in ein besseres Leben geschafft haben.. zB von einem Maedchen, das auf der Strasse vor ihrem Haus Gemuese verkauft hat. Und immer, wenn es nichts zu tun hatte, hat es im Schein der Strassenlaterne in ihren Buechern gelesen und gelernt.. mittlerweile studiert sie mit einem Stipendium am College. Laut Frau Doktor Sharma braucht man zwei Dinge, wenn man den Slum verlassen will: Intelligenz und harte Arbeit, nur eines von beidem reicht nicht aus. Sie sagte auch,dass die Eltern der Slumkinder sich dessen bewusst sind, dass sie selbst auch durch die groesste Anstrengung kaum eine Chance haben.. und deshalb legen (zumindest manche von ihnen) grossen Wert auf die Ausbildung ihrer Kinder.. schicken sie regelmaessig in die Schule und so weiter. Denn die Kinder haben eher die Moeglichkeit, etwas zu aendern.. sollten sie einen guten Job bekommen, dann hilft das der ganzen Familie, die dann durch das Geld, das das Kind verdient, in eine richtige Wohnung ziehen kann.. uebrigens haben beispielsweise 2/3 aller Bewohner Kalkuttas keine santiaeren Einrichtungen in ihrer Behausung,wie auch immer diese geartet sei. Und das Atmen der Luft in Mumbai waehrend 24 Stunden entspricht dem Rauchen von 15 Zigaretten..
Insgesamt war ich in den letzten Tagen ziemlich schlecht drauf. Irgendwie kommt mir grad alles ziemlich sinnlos vor.. aber naja, mittlerweile bin ich zu der Ueberzeugung gekommen, dass es ja nur besser werden kann, durch das was ich tue.. als tu ich’s auch. Aber es macht einen schon ziemlich fertig, wenn man dauernd fast nackte Menschen im Muell wuehlen sieht.. oder verfilzte Maedchen, die ihre kleinen Geschwister lausen.. oder Familien, die jeden Tag am gleichen Ort sitzen und Loecher in die Luft starren.. ich frag mich echt, wie diese Leute die Zeit ueberhaupt rumkriegen.. und wie sie weiterleben koennen.. wozu..
3 Kommentare:
... das essen scheint ja wirklich recht fettig zu sein.. ist es denn allgemein so, dass besser gestellte leute rumprassen und dann auch trotz vegetarischer ernährung fett werden? und alle anderen haben nicht genug, für die ist das fette essen vielleicht notwendig, damit sie überhaupt genug kalorien bekommen.
deine yogalehrerin scheint mir sehr interessant zu sein. hat sich dich nicht auch eingeladen? die einladung würde ich an deiner stelle annehmen. lernst du sicher einiges über indien von ihr.
hat each-one-teach-one nicht auch das ziel, leute aus den slums zu holen, indem es bildung vermittelt? jedenfalls war das der tenor in der website.
gruß von mama
Lernen und hart arbeiten als einzige Chance, dem Slum zu entkommen? Vor diesem Hintergrund werden wohl manche Probleme und Problemchen, die die Schüler und Studenten in Deutschland haben, eher zu Luxusproblemen. Sei froh, dass Du die Indien-Erfahrung machen kannst, auch wenn Dir nicht alle Tage gefallen.
Beste Grüsse aus Rosswag
Bernd
denk auch, dass deine yogalehrerin ein e sehr weise frau zu sein shceint ^^. was ich noch fragen wollte. was für leute gehen in so nen kurs. sind das dann auch so reichere? sowas können sich ja auch nicht alle leisten, oder?
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