Am Mittwoch war ich auf einem Kurzfilmfestvial der Alliance française de Mumbai.. wie ich erwartet hatte, waren ausser mir und Aayu ungefaehr 5 andere Zuschauer anwesend. Die Filme waren teils in Hindi mit Franzoesischen Untertiteln, teils in Englisch und hatten das Alltagsleben in verschiedenen Slums Mumbais zum Thema. Einer der Slums heisst Dharavi und ist mit 1,75 Quadratkilometern Flaeche und ueber einer Million Einwohnern der groesste Slum Asiens. Es war richtig interessant, mal einen Einblick in das Alltagsleben in so einer Shanty Town zu bekommen. Das Ganze hat mich irgendwie an ein Bienennest erinnert, alles ganz eng beieinander und ein geschaeftiges Treiben. Und die Bewohner solcher Slums sind auch keinesfalls alle kriminell oder arbeitslos, im Dharavi-Slum gibt es ueber 10.000 Kleinunternehmen, die sich beispielsweise auf Rohstoffwiedergewinnung (durch Einschmelzen von Plastik etc.) spezialisiert haben. Auch eine Baeckerei wurde gezeigt, die Kekse baeckt, die in der gesamten Stadt verkauft werden.. aeh hust. Einzelne Bewohner wurden interviewt und erzaehlten aus ihrem Leben, z.B. Frauen, die 16 Stunden taeglich Hausarbeit bei reicheren Familien machen, um ihre Kinder ernaehren zu koennen. Oder ein Mann, der schon seit 17 Jahren als temporary worker in einer Schneiderei arbeitet und jedesmal fuer 3 Tage entlassen wird, bevor er seine 240 Arbeitstage komplettieren kann, wodurch er zu einem festangestellten Arbeiter aufsteigen wuerde. Eine Frau erzaehlte, dass es an der oeffentlichen Wasserstelle schon seit drei Tagen kein Wasser gegeben habe und sie und viele andere deshalb grosse Steine vors Rathaus geschleppt haetten, genau wie sie sonst ihre Wasserkruege auf dem Kopf transportieren, um damit ihrer Wut Ausdruck zu verleihen. Eine Familie, die allerdings im sogenannten Jari Mari - Slum lebt, der direkt an den Flughafen angrenzt, hat sich dort in jahrelanger Arbeit ein richtiges kleines Haus gebaut und erzaehlte von ihrer Angst, das Haus bald zu verlieren, da das gesamte Jari Mari - Gebiet niedergewalzt werden soll, um Platz fuer den Flughafenausbau zu schaffen. Die Frau regte sich auf, dass es Leute gaebe, die sagen "In Mumbai soll es keinen einzigen Slum geben.", gleichzeitig aber von den billigen Arbeitskraeften abhaengig sind, die ihnen die Kueche machen, die Schuhe putzen und das Gemuese nach Hause liefern.Der grosse Zufall war, dass ich in dem Film ueber Dharavi eine gewisse Moschee wiedererkannt hab, die direkt an den von mir vielbereisten Bahngleisen liegt und dort aus einem Slum herausragt. Da ich mich dort sowieso schon umgucken wollte und nun auch noch erfahren hatte, dass es sich bei dem Slum um den groessten Asiens handeln soll, bin ich heute dort hingefahren. Die Moschee seht ihr auf dem Foto..
2 Kommentare:
Und die Moschee steht wirklich mittendrin? Stand sie schon da, bevor sich das Slum drumherum gebildet hat?
Was ist das denn für ein dickes Rohr, das da durchs Bild geht. Und ist das ein Müllhaufen darauf/daran? Oder wird das von den Leuten da noch verwertet?
Hi Vikcy, wollte Dir zu den Slumbildern einen "Riesenkommentar" reinstellen, den hat mir der PC jetzt schon zum wiederholten Male eliminiert! Kann ich hier nur kurze Kommentare abgeben? - Jedenfalls sind die Slumbilder erschütternd. Und dass diese Leute sich in diese Lebensumständen arrangiert haben, muß ja nicht unbedingt heißen, daß sie damit glücklich sind - oder? Wie heißt es doch?: Herr gib mir die Kraft, das zu ändern, was ich ändern kann ... und die Klugheit, das hinzunehmen (vorläufig), was ich nicht ändern kann - und gib mir die Weisheit, das eine vom andern zu unterscheiden! Vielleicht solltes Du uns viel mehr solcher Slumbilder posten, damit wir zu unterscheiden lernen und die Kraft finden, in unserem Luxus-Wohlfahrtsstaat einiges zu ändern?!! Viele liebe Grüße CV
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