Freitag, 22. August 2008

mein erster Arbeitstag

Irgendwie weiss ich gar nicht, wo ich anfangen soll, zu erzaehlen, bzw. was ich schreiben soll, da ich Stunden damit zubringen koennte, hier alles zu beschreiben.
Gestern Abend hatten wir alle zusammen Abendessen, also Saloni (die ist 17 und studiert hier in Mumbai Architektur am Junior College), Mr Chowdary (hab seinen Vornamen vergessen.. ich kann die mir alle nicht merken! bis jetzt kann ich nur Usha und Saloni..) und Usha. Das Essen war sehr lecker und bis jetzt hab ich nur tolle Sachen probiert, wobei ich heut schon gemerkt hab, dass die ihr Versprechen wahr machen – die wollen mich langsam ans scharfe Essen heranfuehren :) auf jeden Fall hat hier irgendwie alles im Vergleich zu europaeischem Essen einen ganz individuellen, intensiven Geschmack. Ausserdem hab ich gleich angefangen, mit den Haenden zu essen (obwohl man mir auch nen Loeffel angeboten hat). Gestern war ich noch sehr ungeschickt und hab dauernd die Haelfte auf dem Weg zum Mund verloren, heute gings tatsaechlich schon viel besser (kommt immer drauf an, wieviel Sauce man mit dem Reis mischt.. je trockener, desto einfacher). Allerdings wird es mir noch zugestanden, die linke Hand gelegentlich mitzubenutzen.. zum Beispiel gibt es hier immer so Pfannkuchen und mir ist raetselhaft, wie man das mit einer Hand zerreissen soll.
Die Preise fuer Essen sind hier auch erstaunlich. Ein Kilo Aepfel kostet 120 Rupien, ein Kilo Bananen oder Papayas nur 20 Rupien! Ein Kilo Huhn ebenfalls 20 Rupien! (ok, die leben hier auch im Strassengraben, das heist in Muell und Dreck, und sehen sehr gerupft aus.. ich werd eh keine essen, da meine Familie vegetarisch lebt) Umgerechnet entsprechen uebrigens etwa 60 Rupien einem Euro.

Ausserdem bin ich gestern noch ein bisschen rumgelaufen und heut Morgen auch und es ist echt erstaunlich und sehr sehr unangenehm, dass mich alle anstarren.. sogar von hinten scheinen die mich als fremd zu erkennen, teilweise verdrehen die Autofahrer die Koepfe nach mir und alles.. dabei bin ich gar nicht sooo weiss.. also rothaarige Sommersprossentraeger (hey, Nickl!) oder blondgelockte Blauaeuigige (hallo Carsten) sind hier wahrscheinlich die Megasensation.. Aufgrund der ganzen Aufmerksamkeit trau ich mich kaum, Dinge genauer anzugucken oder zu fotografieren.. naja, das sollte ich wohl noch ueberwinden.
Eine meiner vielen Beobachtungen war uebrigens, dass Frauen und Maenner hier eigentlich echt nie gemeinsam angetroffen werden koennen. Und wenn sie mal zusammen unterwegs sind, beruehren sie sich nicht. Das geht sogar so weit, dass Frauen sich nicht an Maennern festhalten, wenn sie zusammen Motorradfahren (was bei den hiesigen Verkehrsverhaeltnissen meiner Meinung nach mehr als mutig ist).

Um 12 Uhr bin ich heute zum ersten Mal zur Charkop Municipal School gefahren. Eigentlich haette mich eine der beiden Each One Teach One Lehrerinnen abholen sollen, jedoch kam die nicht (hm.. Usha hat sich aufgeregt.. vielleicht ist es ja echt unueblich). So nahm ich dann, zusammen mit einem der Hauselfen (vergess auch deren Namen dauernd, aber besonders einer von denen ist sehr nett.. leider sprechen die kein Englisch), eine Autoriksha.. keine Ahnung wo die das Fahren gelernt haben aber naja.. hupen moegen sie auch gern. Die Schule ist huebsch, ein grosser Schulhof mit Gebaeuden rundum, in denen die Klassenzimmer sind. Jeder Jahrgang besteht aus einer Klasse von etwa 20-30 Kindern und hat ein eigenes Zimmer, wo er von erwachsenen Lehrerinnen unterrichtet wird. EOTO hat ein extra Zimmer, wo immer abwechselnd eine der Klassen von 2 etwa 20jaehrigen Inderinnen (Namen: vergessen) betreut wird. Als ich da aufgekreuzt bin, wurde ich gleich von allen umringt und aus jedem Klassenzimmer (Klassen 1-7) haben sie rausgewunken, dass ich in ihre Klasse kommen soll. Naja… zu allererst hatte ich dann eine 4. Klasse. Dachte erst, das waeren Erstklaessler, weil die so klein waren und das Alphabet lernten, aber die konnten dann doch schon ein ganz kleines bisschen Englisch.. ich hab mich mit “Mera naam Vicky he” vorgestellt und dafuer schon Begeisterung geerntet. Danach hat jeder seinen Namen genannt und dann sollte ich eigentlich mit einer Unit aus ihrem Buch anfangen, waehrend die Lehrerinnen am Rand sassen. Allerdings hatte ich keine Ahnung,was ich tun sollte und es wurde auch nicht ruhig,wei die so aufgeregt waren.. und ich dachte nur noch “Na toll”. Dann hat eine der Lehrerinnen angefangen, zu unterrichten und ich sass am Rand. Als ich danach rumlief, um Aufgaben zu verbessern, entwickelte es sich, dass ich mit etwa 10 der kleinen Jungs Saetze bildete – Schwierigkeitsgrad “A dog runs to a road.” Oder “Rain on a tree.” Die waren sowas von begierig, mitzumachen.. haben sich gegenseitig die Stifte aus der Hand gerissen, mir Hefte unter die Nase gehalten und als ich immer “very good” gesagt und geklatscht hab, haben sie begeistert mitgemacht. Freu mich schon sehr aufs naechste Mal bei denen :) Im Anschluss hatten wir eine erste Klasse, die konnten nur etwa 3 Worte Englisch.. war recht schwierig, mit ihnen zu kommunizieren, aber mit Haenden und Fuessen ging’s.

Am Wochenende werd ich voraussichtlich mit Herr C. zu seinem Klamottenladen gehen, ausserdem will man mir ein grosses Kaufhaus zeigen, wo man nen halben Tag mit gucken zubringen kann. Am Sonntag krieg ich Besuch von einer Experiment-Frau und ausserdem ist Krishnas Geburtstag :)

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Hallo! das ist ja wirklich sehr interessant. Vicky isst Blumenkohl! Es freut mich, dass du es mit USHA und ihrer Familie offenbar gut getroffen hast. Habe festgestellt, die Fotos kann man prima anklicken und groß anschauen. Freu mich für dich und wünsche dir viele schöne Eindrücke und Erlebnisse.