[Auf der Fahrt, kurz hinter der Grenze nach Tamil Nadu, wurde endlich ein lange gehegter Traum wahr: Wir aßen von Bananenblättern.. und dazu noch mit bandagierten Händen, welche möglichst wenig mit Daal, Chaawal, Sambar und Sabzi in Berühung kommten sollten..]
Nachdem wir nachts in Bangalore angekommen waren, begaben wir uns am nächsten Morgen erstmal zum Arzt, um nach unseren Wunden sehen zu lassen. Wie ich die ganze Zeit vermutet hatte, ist es eigentlich weniger schlau, offene Wunden mit Verband zu bedecken, da die Bandage ja mit dem feuchten Gewebe verwächst.. als der gute Onkel Doktor uns dies nun erklärte, dämmerte mir Ungutes. Unbarmherzig wurden kurz darauf sämtliche Verbände abgerissen, sodass unser rosiges Fleisch wieder zutage trat.. alle Wunden pochten furchtbar! Am Boden zerstört humpelten wir aus dem Krankenhaus. Die Aussicht, einen Tag im trüben Hotelzimmer zu verbringen, schien unerträglich. So entschieden wir uns, den Stadtpalast anzuschauen. Vermutlich lagerten sich etliche Gramm Straßenstaub auf unseren Verletzungen ab, während wir mit der Riksha durch die heißen Straßen tuckerten..
Der Palast war vermutlich auch nicht gerade der beste Ort, um unsere Laune zu bessern. Mit verkniffenen Gesichtern schlurften wir durch dunkle Galerien und opulent dekorierte Hallen, welche mit Elefantenbeinhockern und ähnlichen Geschmacklosigkeiten dekoriert war. Anhand ganze Wände bedeckender Ahnentafeln und mittels eines Audioguides konnte man erfahren, dass die adelige Familie schon früh erkannte, wofür es zu leben lohnt. Neben Elefanten- und Tigerjagden wurde vor allem dem Rauchen von Zigaretten, der Musik und der Wollust gefrönt – letztere wurde klassisch und ganz stilvoll durch allerhand Aktportraits, welche in jedem einzelnen Raum die Wände schmückten, verbildlicht. Einige der Werke sahen nach original Playboy-Postern aus. Je weiter wir in der chronologisch dem geschichtlichen Zeitstrahl folgenden Ausstellung vordrangen, desto kontemporärer wurden die Fotos der Fürsten. Der aktuelle Kronprinz ist ein übergewichtiger 50jähriger, der sich mit Rauschebart und Ray-Ban-Sonnenbrille vor seinem glänzenden BMW ablichten lassen hat.
Am Abend trafen wir eine Hand voll ehemaliger Kommilitonen Sanyats, die allesamt in der IT-Branche Bangalores beschäftigt und neureich sind. Am folgenden Morgen flogen wir nach Jaipur, von wo aus Sanyat sich ins heimatliche Jodhpur begab und ich ins weniger heimatliche Delhi weiterreiste.
4 Kommentare:
Puk-die Stubenfliege....dein Bericht wirkt ein wenig lustlos; oder auch frustriert?!?
Kopf hoch - das wird schon wieder ;)
Und warum könnt ihr denn nicht offiziell gemeinsam reisen? Das ist aber schade, entsprichst du nicht dem erwarteten Bild und sind die Söhne dort noch nicht emanzipiert genug oder ist das eben der bequemste Weg so?
Wünsch euch trotzdem noch eine glückliche Zeit miteinander..lG Annette
Tja, Vicky, das von Dir geschilderte Ende wirkt momentan wohl nicht so sehr rühmlich. Und ich muß Annette auch Recht geben: Warum kann denn der junge Mann und Dein Begleiter Eure Unternehmungen nicht vor seiner Familie offen vertreten? Dadurch wirst Du zu einem "wenig geduldeten Fremdkörper" in dieser Familie - ist das richtig so für Dich? Ich würde das Ganze mal auf offizielle und mit Selbstbewußtsein vertretene Beine stellen - so wie sich das gehört für Leute mit gesundem Selbstwertgefühl. Schließlich begehst Du doch keine Verbrechen! Oder bist Du für diese Familie nicht gut genug? Im Übrigen werdet Ihr ja Eure Verletzungen dann irgendwie erklären müssen - und dann? Übrigens die Brille sieht in Deinem Gesicht so was von grottenfalsch aus, wie ein Insekt von einem fremden Stern! Beim nächsten Bericht siehst Du hoffentlich wieder etwas entspannter, zuversichtlicher und einfach irgendwie wahrhaftiger aus !!!!!! Tausend Grüße - die olle Tante aus Stuttgart
Liebe Vicky
Im Prinzip schließe ich mich den Kommentaren meiner Schwestern an. Allerdings gebe ich zu bedenken, dass wir von hier aus kaum einen Einblick haben. Liege ich mit meiner Vermutung richtig, dass wir uns im liberalen Westen gar nicht vorstellen können, wie hart die Konsequenzen für Sanyat wären, wenn er mit seinen Eltern 'bräche'? Deshalb glaube ich, dass Ihr Fakten erst schaffen solltet, nachdem Du erst mal wieder in Deutschland warst und alles mit Abstand sorgfältig geprüft hast ... und er in Indien. Wenn's dann immer noch stimmt, dann gilt's, sich durchzusetzen. LG au so a alde Schachdel, D.
Ähm, ich wollte eigentlich auch keine Diskussion darüber vom Zaun, brechen, zumal mir das Forum hier dafür reichlich unpassend erscheint.
Es fiel mir halt nur auf.
Könnte mir eh vorstellen, daß du/ihr dir/euch sicher selber Gedanken macht und auf alle gutgemeinte Tipps aus der Ferne verzichten kannst/könnt ?!?
Manches provoziert halt gelegentlich zu "Anteilnahmen"...;)
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