Ich vermute, es ist ungut, den ersten Post aus Indien in der Stimmung zu verfassen, in der ich mich gerade befinde.. ich frage mich nämlich, wie ich hier bloß jemals meine Zeit verbringen soll.. alles ist so.. anstrengend, nichts funktioniert.. allerdings hatte ich heute auch schon Phasen, in denen ich zuversichtlicher war.. also.. vermutlich werde ich die nötige Kraft doch noch zusammenkratzen.. ich erzähle mal, was ich bisher erlebt hab. Der Flug war ganz nett, ich war der einzige Passagier, neben dem ein Sitz frei war.. hatte also viel Platz. Diese komfortable Geräumigkeit wurde ein wenig durch den dicken Jungen gemindert, der hinter mir saß und gefühlte drei Stunden lang gegen meinen Rücken kickte. Insgesamt hatte ich so zwei Stunden Schlaf.. morgens um halb acht bin ich Delhi gelandet und wurde – anders als das letzte Mal – sehr herzlich empfangen von meinen beiden Mitbewohnerinnen Amélie und Helen. Mit dem Taxi fuhren wir eine dreiviertel Stunde lang nach North Delhi, genauer Kingsway Camp, unser Viertel. Ist ne sehr angenehme Gegend, kleine Läden und auch das übliche Riksha-Gehupe, aber meiner Einschätzung nach doch weniger crowded als das durchschnittliche Wohngebiet.. und die Häuser sind sehr schön gepflegt, unseres auch.. und die Wohnung ist der Hit, alles schön sauber und groß und geräumig.. bis auf mein Zimmer -.- diese Helen, die Amélie und ich noch angeworben haben, nachdem Amélie auf der Wohnungssuche festgestellt hat, dass es fast nur Wohnungen mit drei Schlafzimmern gibt, hat sich das große, hellere gekrallt und ich bin in ein ehemaliges Dienstbotenzimmer ohne Fenster, mit lila Wänden und einem kleinen, nicht besonders schönem Bad verwiesen. Macht mir eigentlich nicht so viel..aber ihr Zimmer ist schon schöner und bei einer Aufenthaltsdauer von einem Jahr .. sollte ich, so sehen es Amélie und ich, schon auf dem Zimmer bestehen, das mir zusteht.. oder so. naja, war dann etwas doof, das auch Helen zu sagen.. irgendwie… ach keine Ahnung, naja, sie hat sowieso angeboten, sich nach einer anderen Wohnmöglichkeit umzusehen.. bis dahin bleibt sie im großen (grünen) Zimmer und ich im kleinen (lilanen). Ungut an der Wohnung: sie ist ebenso leer wie groß.. es gibt nur in der Küche Einbauschränke und in den großen Schlafzimmern einen Wandschrank, in meinem Zimmer steht nur ein Bett (ein Brett mit einer Matratze drauf..aber schon bequem). Daher werden in der nächsten Zeit Ausgaben für Möbel und vor allem die nervenaufreibende Suche nach ebensolchen auf uns zukommen.. gedacht ich vorerst mal an einen Tisch und Stühle. Naja, war jedenfalls.. irgendwie ein komisches Gefühl, in so einer leeren.. Halle zu hocken. War dann mit Amélie erstmal Putzeimer, Spülmittel, Teller, Löffel, Becher, Messer, Bananen und Wasser einkaufen, damit man.. irgendwie leben kann. Es gibt auch sonst viel zu organisieren.. wir haben nur einen Schlüssel für die Haus- und zwei für die Wohnungstür.. bei drei Bewohnern definitiv unpraktisch. Wir brauchen einen Kühlschrank (kommt vielleicht morgen?) und ein Wasserreinigungsgerät (damit wir aus dem Leitungs- Trinkwasser gewinnen können). Wir müssen irgendwie an eine Maid kommen, die zweimal in der Woche den Boden putzt und die Klamotten wäscht.. scheinbar ist es üblich, so eine Haushaltshilfe zu haben. Und es würde uns vermutlich stark entlasten, weil man beim hiesigen Schwitzverhalten sehr sehr oft (von Hand) waschen muss. Es ist richtig heiß, heute 36°.. aber die Hitze ist wenigstens besser auszuhalten als das, was Heidelberg zur Zeit zu bieten hat, da der Himmel bewölkt ist und die Sonne einen so wenigstens nicht röstet. Einen tollen Balkon haben wir übrigens auch.. naja jedenfalls.. klingen diese ganzen noch anstehenden Organisationserfordernisse aus europäischer Sicht vielleicht halb so wild, hier funktioniert aber alles sooo langsam und man muss sich erst zurechtfinden.. allein das mit den Schlüsseln zieht sich scheinbar schon über eine Woche. Und dann diese ganze Bürokratiekleinkariertheit! Morgen muss (will? ich weiß eigentlich gar nicht, was ich muss) ich mich am Foreign Students Registration Bureau melden.. dafür braucht man natürlich Kopien von Reisepass und Visum in doppelter Ausführung. Fürs Unterschreiben des Wohnungsvertrags musste ich vorhin erstmal Passbilder machen lassen.. kam aber sowieso gelegen, weil ich danach noch eins brauchte, um eine indische SIM-Karte zu beantragen. gnaaaa. dann hab ich mir gleich noch einen Pen Stick für dauerhaften Internetzugang über Satellit geholt.. nur um in unserer Wohnung festzustellen, dass die Verbindung zieeemlich low ist und die dauerhafte Nutzung von Internetcafés vielleicht rentabler gewesen wäre.. naja, nach fünf Minuten fiel der Strom dann sowieso auch aus und ich saß einigermaßen verloren in meinem lila Loch (dessen Lilafarbigkeit mir in diesem Moment natürlich wenig bewusst war). naja.. ich bin zugegebenermaßen gerade sehr entmutigt, zwischenzeitlich war ich aber auch sehr gut gelaunt. das Essen in einem nahegelegenen Tandoori-Restaurant (Palak Paneer, Roti) war lecker.. und bisher bin ich noch nicht krank :D die Gegend gefällt mir, unsre Wohnung wird noch gemütlich, sobald wir Sofas, Sitzkissen und nen Tisch haben.. Amélie ist richtig nett.. haben uns von Anfang an voll gut unterhalten.. und zur Uni sind es nur fünf Minuten mit der Riksha, was sehr praktisch ist.. und da werde ich hoffentlich viele Leute treffen.. bisher komm ich mir nämlich noch so.. verloren vor, hier. so allein.. in dieser leeren Wohnung, die inmitten der Vollgestopftheit Delhis wie ein unwirkliches, totes Vakuum wirkt.
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3 Kommentare:
Hallo Vicky, das wird schon! Wenn du erst mal an der Uni die Formalitäten erledigt hast, dich ausgeschlafen hast, dann sieht die Welt sicher gleich wieder besser aus.
Bin schon gespannt auf die ersten Fotos.
Grüße und ein dicker Schmatz von deiner MAMA
Liebe Vicky!
Jetzt kann man schon sagen: Wie jedesmal, wenn Du frisch in Indien angekommen bist - es ist herzzerreißend, und man fragt sich: warum musste sie auch dahin gehen, keiner wollte es von ihr haben! Aber jetzt, wo du schon mal dort bist, schließe ich mich deiner Mama an und sage: das packst Du natürlich, denn Du hältst ja Deine Ohren steif! Viel Glück, deine DE
Hallo Vicky,
Oma Eschach liest mit!
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