Donnerstag, 22. Juli 2010

New Delhi / F.R.R.O.



Schon am Dienstag habe ich mich des Morgens aufgemacht zum F.R.R.O., dem foreign residents registry office. Um dort hinzugelangen musste ich mit der Metro weit in den Süden Delhis fahren.. hier nun ein Foto von der Metro, so leer wie es zum Zeitpunkt der Aufnahme war, ist es allerdings sehr selten.. aber dennoch.. erstaunlich! Bis 2021 soll Delhi durchzogen sein von U-Bahn-Linien. Und bis zu den Commonwealth Games im Oktober soll eine weitere Linie fertiggestellt werden. Ob das gelingt, bleibt abzuwarten. In South Delhi hab ich bei meiner Weiterreise per Riksha einen ersten Eindruck von der Weitläufigkeit der Avenues im Regierungs- und Verwaltungsviertel gewonnen. Am F.R.R.O. angekommen war ich dann erstmal ebenso geplättet von der Anzahl der Wartenden.. eine ellenlange Schlange zog sich durch die Flure. Ich stellte mich als Nummer 85 ganz hinten an und war einerseits stark genervt, andererseits gefiel es mir, dieses bürokratische Prozedere wieder mal unter Menschen aus aller Welt zu durchlaufen.. hinter mir stand eine Äthiopierin, vor mir eine Familie aus Vietnam und davor wieder mal um die 20 buddhistischen Mönche aus Myanmar. Ich wartete über zwei Stunden (stehenderweise), bis ich zu einem ersten desk kam. Dort sollte ich meine Dokumente (in triplicate, versteht sich) vorlegen.. der Inder, dessen Willkür ich vollkommen ausgeliefert war, vermisste eine Kopie meines Mietvertrags. Es half nicht, dass ich ihn überzeugen wollte, dass auf meinem University Admission Letter auch meine Adresse bestätigt wurde.. ich wurde herzlos abgewiesen. Ich musste mich so über meine eigene Dämlichkeit (warum hatte ich nicht genauer nach den Erfordernissen gefragt?) ärgern, dass ich vor Verzweiflung und Fassungslosigkeit auch noch weinte :) naja.. hab dann das Gebäude verlassen und bin im strömenden Monsunregen mit meinem roten Regenschirm durch die Leere New Delhis gewandert. Vorbei an der Lok Sabha (dem Unterhaus – siehe Foto) und den von dort schnurgerade zum India Gate (erinnert an das Gateway of India in Mumbai) führenden Rajpath entlang. Dabei musste ich mich leider ein zweites Mal über mich selbst ärgern.. hab meine Kamera fallenlassen, das Display ist gesprungen. In dem Moment hätte ich mich wirklich am liebsten in den Schlamm daneben geschmissen.. grr. Naja.. was lustig war: auf dem Rajpath kam mir eine Riksha entgegen, der Wallah fragte „India Gate? 20 Rupees only“ und ich sagte „no, thanks, I’ll walk“. ich lief weiter.. nach einer Weile kam mir derselbe Fahrer wieder entgegen „Riksha? now only 10 Rupees, very cheap price“ und ich verneinte wieder. als ich dann direkt vor dem India Gate stand, hielt er wieder neben mir und sagte grinsend „1 Rupee now..?!“ :) Ansonsten wirkt die Gegend sehr unindisch, man bemerkt den Einfluss der Briten, die diese ganzen Avenues und Prachtstraßen angelegt und auch den Großteil der Gebäude errichtet haben, als sie Delhi im Jahre 1911 zur ihrer Hauptstadt machten und dafür das Regierungsviertel New Delhi aus dem Boden stampften.

Heute bin ich, mitsamt Kopie des Mietvertrags, notariell beurkundet, ein weiteres Mal zum F.R.R.O. getingelt.. diesmal stand hinter mir ein Amerikaner, der für die Presseagentur AP arbeitet (er ist zuständig für ganz Südasien!). Er war ganz nett und hatte viel Insiderwissen über die bürokratischen Vorgänge.. für die Verlängerung seines besonderen Auflagen unterliegenden Journalistenvisums hatte er auch nen ordentlichen Stapel an Dokumenten dabei. Ich unterhielt mich lange mit ihm und einer Französin namens Charlotte, die drei Jahre in Afghanistan für eine NGO gearbeitet hat und jetzt durch Asien reist. Sie meinte, kein anderes Land, das sie bisher bereist hat, sei so kompliziert und so wahnsinnig bürokratisch wie Indien. Es war ganz cool, mit diesen vielgereisten Leuten zu reden, die dabei so vollkommen unterschiedlich waren. Der Amerikaner war ziemlich arrogant und schaute, obwohl er seit Jahren in Delhi lebt, irgendwie auf die Inder herab..merkte man an jeder ironisch-sarkastischen Bemerkung. Ich fragte die beiden, ob sie wüssten, warum es ausgerechnet für afghanische foreign residents einen eigenen Schalter gäbe (alle anderen Nationalitäten wurden gemischt an den anderen Schaltern abgefertigt.. bzw.. nicht abgefertigt..).. hätte das eher für den Staatsfeind Nummer Eins, Pakistan, erwartet. Die Antwort überraschte mich sehr positiv: Weil aus Afghanistan, das sich mit Indien außenpolitisch gemeinsam gegen Pakistan stellt, immer noch viele Verwundete nach Indien reisen, werden diese gesondert und bevorzugt behandelt. Hab mir die Leute in der Afghan Section genauer angeschaut.. erstens waren die Leute alle ..überdurchschnittlich hübsch, die hatten irgendwie beeindruckende Gesichter.. und zweitens waren viele an Krücken, einer musste sogar gestützt werden. Das war ziemlich beeindruckend.. plötzlich fühlte ich mich in diesem Winkel der Welt viel näher dran an einem Geschehen, von dem man sonst nur so entfernt aus den Medien erfährt, so dass alles.. unwirklich bleibt.



4 Kommentare:

die Mama hat gesagt…

Hallo Vicky,
scheinbar fühlst du dich jetzt doch ganz wohl, gell? Die Metro sieht ja schön sauber aus und auch sonst macht es auf den fotos doch einen einigermaßen ordentlichen Eindruck alles.
Mist mit dem neuen fotoapparat! Band zum umhängen wäre wohl nicht so schlecht gewesen.
Wie sieht es mit den finanzen aus?
Hast du das Annahmeformular bereits gemailt an den richtigen Empfänger und hat es jetzt mit Einrichtung der speziellen Emailadresse funktioniert?

Alexander hat gesagt…

Erinnerst du dich an Peter Licht und die Bullaugen, vor denen wir sitzen, und hinausschauen in die weite Welt? So fühle ich mich gerade :). Vielen Dank für deine neuesten Berichte. Ich musste meinen Stundenplan für September in Paris jetzt schon zusammenstellen, da läuft das wohl anders als in Delhi^^.
Liebe Grüße aus Heidelberg! Alexander

Michael hat gesagt…

Sehr schöner Bericht, Vicky :) Leider auch mit traurigen Stellen

Vicky hat gesagt…

ich hatte ein band zum rumhängen..aber sowas ist doch unpraktisch.außerdem wollte ich das teil grade einpacken und hab es statt in den rucksack zu stecken daneben..losgelassen..sozusagen. sehr doof. aber war heute bei nem lustigen straßenhändler und die können da vllt für um die 300 rupien was drehn.. wohingegen es beim canon-dealer meines vertrauens um die 2000 kosten würde..
finanzen im allgemeinen: mau, sehr mau. sehne das monatsende herbei..
annahmeerklärung ist versandt.