Montag, 28. März 2011

Alappuzha mit Dil & Daughter - Thumpoli Beach

[Frühstück am Busbahnhof Kochi.. Appam - leicht wabbelige Reiskuchen, die teils an Omelettes erinnern, teils an rohe Qualle]

Aufgrund unserer nur mittelmäßigen Begeisterung für Kochi reisten wir schon am nächsten Tag ab in Richtung des 60 Kilometer südlich gelegenen Alappuzha, auch genannt Alleppey.

Dort versuchten wir gleich nach Ankunft am Busbahnhof, uns ein Hausboot klar zu machen. Wir diskutierten mit einigen skrupellosen Anbietern, die für eine 22-Stunden-Tour schamlos Preise um die 90 Euro verlangten. Schließlich entschlossen wir uns für den Service der staatlichen Kerala Tourism Development Corporation (KTDC), nachdem wir den Preis auf annehmbare 60 Euro heruntergehandelt hatten. Vom ganzen Gefeilsche relativ ermüdet ließen wir uns anschließend auf eine sehr günstige Homestay-Unterkunft mit Namen „Dil and Daughter“ ein, die uns der Besitzer Dil mittels seiner kniestigen Visitenkarten anpries. Diese Entscheidung brachte sowohl einige unschätzbare Einblicke in das Alltagsleben in den Backwaters als auch etwas gruselige Erfahrungen mit Dil und seinen anderen Gästen mit sich.. Bei unserer Ankunft stellte sich Dils Anwesen als ein etwas in Mitleidenschaft gezogenes Holzhäuschen heraus, an welches eine halbfertige Betonbaracke geklatscht worden war. Statt Gartenzwergen dekorierten leere Kingfisher-Bierflaschen die Terrasse, unser Zimmer bestand in einem fensterlosen Loch, welches bis auf ein mit benutzten Bettlaken bezogenes Bett leer war. Dils Daughter war übrigens nirgendwo zu sehen und bald fanden wir heraus, dass sie 10 Jahre alt und bei Dils von ihm geschiedener Ehefrau im 600 Kilometer entfernten Hyderabad lebte. Generell hatten wir nicht unbedingt das Gefühl, länger mit Dil im Garten sitzen zu wollen und so ließen wir uns den Weg zum nahegelegenen Strand erklären und machten uns auf den Weg. Die Entfernung von zehn Minuten Fußmarsch entpuppte sich schließlich als eine Strecke von etwa vier Kilometern, die wir aber dank der interessanten Einblicke in Vorgärten, Strohhütten und Kirchen völlig ohne Klagen zurücklegten. Schließlich erblickten wir von uns einen der schönsten und einsamsten Strände, die ich je gesehen habe: Thumpoly Beach, eine etwa 200 Meter lange Bucht, welche bis auf einige im Schatten der Palmen Karten spielende Fischer vollkommen menschenleer war!

[zunächst kletterten wir in eines der im Schatten der Palmen liegenden Fischerboote und spielten Karten, belächelt von den unweit von uns Fiesta haltendenen Fischern]

[rieeesige Muscheln!!]

[Matrose Sanyat lässt auf Anweisung von Kaptan Singh das Boot zu Wasser]

Nach ein paar Stunden spazierten wir dann zurück zu Dils Häuschen, wobei der Sand zwischen unseren Zehen und die klitschnass an uns klebenden Tshirts ein wahres Badeurlaub-Feeling aufkommen ließen. Dil fanden wir mit zwei etwa 50jährigen französischen Homestay-Gästen im Vorgarten sitzend vor, wo die drei gemütlich kifften. Irgendwie machte die Bude einen immer schäbigeren Eindruck..

Zum Abendessen fuhren wir nach Alappuzha City. Das Städtchen wirkte relativ provinziell und der Strand war gegen 20 Uhr schon stockdunkel und menschenleer, so dass wir ungestört dem Wellenrauschen lauschen konnten. Wir philosophierten über den Lebenssinn einiger großer Krebse, die, sobald das Wasser sich nach dem Brechen einer Welle etwas zurückzog, aus ihren Löchern heraushüpften und in einem Affenzahn zu einem anderen, nahegelegenen Loch rasten, welches es zu erreichen galt, bevor die nächste Flut sie erfassen konnte. Einleuchtende Einsichten waren uns leider nicht vergönnt. Nach einem kleineren Obstsalat mit Eis war es dann an der Zeit, zu Dils Anwesen und in unser müffeliges Zimmer mit dem wenig vielversprechenden Muffelbettlaken zurückzukehren. Das Zubettgehen zögerten wir noch ein wenig heraus, indem wir im Garten in der Hängematte lagen, wo wir uns stundenlang unterhielten, über uns einige Palmenblätter und der dunkle Sternenhimmel. Gestört wurden wir dabei einzig von einer wahrhaft überdimensionalen Ratte von der Größe eines Stallhasens, welche sich mit lautem Geraschel aus einem nahegelegenen Busch freikämpfte und dann seelenruhig quasi unter unseren in der Luft hängenden Popos hindurchschlenderte. Später bereitete uns auch der relativ berauschte, rotäugig an uns vorbeischlurfende Dil eine Gänsehaut, der als immer wieder verschwindender Schatten im Garten sein Unwesen trieb..

2 Kommentare:

Doro hat gesagt…

Gelesen und für nicht sehr ansprechend befunden, außer vielleicht die Strandgeschichte. Diese kniestigen Unterkünfte sind wohl der Preis für Euer "illegitimes" Liebesverhältnis? Gruss

PAPA hat gesagt…

JA, hört sich gut an, was ihr gemacht habt, aber überschattet von Eurem schlechten Gefühl zur Behausung. Du reagierst darauf so sensibel wie ich, wo Du das nur her hast? Ich habe es doch noch. Wäre trotzdem auch gern dort gewesen. Zimmer erst ansehen, dann zustimmen.