Freitag, 4. März 2011

go Goa! - done.

Nach einer kurvenreichen Schaukelpartie durch die Western Ghats erreichten wir am Morgen Goa, wo wir aufgrund müdigkeitsbedingter geistiger Umnachtung leider schon im provinziellen Mapusa ausstiegen, statt mit dem Bus bis ins 30 Kilometer weiter südlich, in Zentralgoa gelegene Margao weiterzufahren. So setzten wir unsere Reise eben bis Panaji im Bus und dann auf einem Scooty fort.. letzteres Transportmittel war sagenhaft, mit Vollgas krochen wir, einen Heidenlärm erzeugend, bergauf bergab über die Küstenstraßen, ab und zu unsere wie gewohnt lächerlichen, ja gar hinderlichen Helme auf den Kopf zurückziehend, die Augen wegen der sengenden Sonne zugekniffen.

Nach schier endlosen Irrfahrten, Dieselzukauf am Wegesrand (goldgelber Kraftstoff wurde in Jim Beam-Flaschen feilgeboten) und mit verbogenem Rückgrat (man bedenke, dass wir mit zwei 60-Liter Rucksäcken sowie einem kleineren Exemplar selbiger Familie auf dem Roller kauerten) erreichten wir gegen 12 Uhr Benaulim Beach, wo wir zuallererst von einem besoffenen Fettsack bzgl. unserer Parkplatzwahl angemault wurden. Glücklicherweise waren wir zu entkräftet, um viel zu erwidern, denn das Dickerchen stellte sich als Besitzer der Cocohuts heraus, den weit und breit einzigen Bambushüttenbungalows, welche wir gerne beziehen wollten. Der Typ war wegen seiner Promillewerte nicht an Kundschaft interessiert, als ich aber auf Hindi zu verhandeln begann, stimmte ihn das wenigstens soweit freundlicher, dass er uns die kleinste Hütte als Bleibe anbot.

Wir frühstückten am Strand (Wassermelonensaft, ein Muss) und dann.. badeten wir im Meer, herrlich! Das einzige Mal auf unserer Reise, dass ich einen Bikini tragen konnte (nur im für seine Freizügigkeit bekannten Goa ist das möglich)! Für ein Weilchen lagen wir in der Sonne, doch merkte ich, wie mir ihre Leuchtkraft zu viel wurde.. eine Stunde später begann sich dann auch ein herrlich krebsroter Sonnenbrand auf Gesicht, Schultern, Brust, Bauch und Beinen zu entwickeln. In unserer wunderschön luftdurchlässigsonnenlichten Bambushütte bemächtigte sich meiner ein ohnmächtigkeitsähnlicher Schlaf. Ich erwachte am frühen Abend mit Kopfschmerzen und brennender Haut. Abhilfe konnte hier nur der kühlende Fahrtwind des Scooty schaffen: Zum Schutz vor weiterer Versengung kleidete ich mich in eines von Sanyats Moot-Court-Hemden und dann düsten wir die ganzen 20 Kilometer zurück nach Panaji, wo wir das treue Gefährt gegen ein ausgewachsenes Motorrad eintauschten. Auf diesem setzten wir die Reise nach Vaga (oder auch Baga) Beach, dem vermeintlichen Night Life Hot Spot Goas, fort. Wie wir schon des Morgens am Strand bemerkt hatten, ist Goa sehr stark von hauptsächlich britischen Rentnern frequentiert. Das in der Sonne leuchtende Weiß ihrer Haare blendete uns quasi, sobald wir in ein Dorf einfuhren. Auch Vaga erinnerte enttäuschender Weise mehr an einen Kurort als eine Party Location. Wir aßen also recht friedlich zu Abend, direkt auf dem Strand, die Füße im Sand und nur fünf Meter von der Brandung entfernt. Weil es anschließend schon fast zehn Uhr war und der Heimweg lange dauern würde, mieteten wir uns kurzerhand in einem Guest House ein, wo ich die Nacht rotglühend in ein Betttuch gewickelt wie im Koma verschlief.

[morgendliche, überraschend schöne Aussicht von unserem Balkon]

Am nächsten Tag beschauten wir uns Old Goa mit seinen auf engem Raum stehenden Kathedralen, Basiliken und sonstigen Monumenten, welche von den portugiesischen Kolonialherren im 16. und 17. Jahrhundert erbaut wurden. Durch die tropische Vegetation sehen die weißen Gebäude sehr exotisch aus und weil sie im Inneren zwar renoviert, jedoch im Vergleich zum durchschnittlichen katholischen Gotteshaus irgendwie weniger dick vergoldet sind, fand ich selbst das Interieur der Kirchen recht ansprechend. Sanyat meinte sogar, ihm gefalle das besser als die Ausstattung der Hindutempel.

[Sé - Kathedrale]

Mit dem Motorrad fuhren wir danach eine Weile durch die abwechslungsreiche Hügellandschaft und durch enge, von kleinen bunten Häuschen gesäumte Straßen, die einem das Gefühl gaben, in der Toskana zu weilen.

[doch nicht ganz so Toskana-like: die Vorfahrtsregeln beachtende Wasserbüffel]

Um 16 Uhr gaben wir das Motorrad ab und beeilten uns, nach 24 Stunden endlich zu unserem Gepäck und dem heimischen Benaulim-Strand zurückzukehren, da wir annahmen, unseren Zug um 19 Uhr erwischen zu müssen. Glücklicherweise schauten wir am frühen Abend auch mal auf unser Ticket und stellten fest, dass wir noch bis 22.30 Uhr in Goa bleiben durften.. so hatten wir erfreulicherweise Zeit für ein weiteres dekadentbilliges Abendessen am Strand.

Der mittlerweile ausgenüchterte Hüttenbesitzer kommentierte unsere Rückkehr übrigens nur mit einem „very far?“ und ließ uns dann – was doch wieder Zweifel an seinem Geisteszustand aufkommen ließ – nur für eine Nacht zahlen. Nach einer wahren Hetzjagd zum Bahnhof verspeisten wir am Bahnsteig sitzend zum Nachtisch die erste (komplette) Ananas unserer Reise.. so unfassbar saftig, goldgelb, süß.. !

3 Kommentare:

die mama hat gesagt…

Beschreibungen blumig wie immer, wirklich sehr gut zu lesen. Bin die ganze Zeit am schmunzeln.
Sonnenbrand - das hättest du aber wissen können!

Claire hat gesagt…

Huhu Vicky,
ich habe heute im Portugiesischunterricht gelernt, dass Goa eine portugiesische Kolonie war und Leute dort heute tatsächlich auch noch portugiesisch sprechen. Hast du irgendwas davon mitbekommen?
Grüße aus Brasilien

Laura hat gesagt…

ohhh, so ein schönes Blumenbild, das erinnert mich an eine Blumenpostkarte die ich neulich in Freiburg gefunden hab und voll schön fand und als ich sie umdrehte, sah ich, dass sie aus ladakh war :)