Gestern war ich erstmals in einen indischen Verkehrsunfall verwickelt. Ich bin mit Dylan in einer Fahrradriksha zur Uni gefahren.. unser Vehikel bremste an einer Kreuzung ein wenig ab, wir wollten rechts abbiegen. Direkt rechts neben uns war eine einen Meter hohe Mauer, an der entlang wir auf die Kreuzung zurollten. Links neben uns war ein großer Bus, der ebenfalls rechts abbiegen wollte.. und auch schon einlenkte.. und damit unsere Riksha zwischen sich und der Mauer einkeilte. Der Bus schwenkte immer mehr nach rechts und kam damit uns immer näher.. obwohl das ganze ausweglos schien, dachte ich noch „naja, irgendwie bekommen die das ja doch immer hin..“ da knirschte es auch schon und das stählerne Himmeldachgestänge der Fahrradriksha begann sich zu verbiegen und brach sogar auseinander, als der dicke fette rostige Bus uns unerbittlich zu zermalmen versuchte. Ich wäre vor lauter Schreck fast auf Dylans Schoß gesprungen, der von der Situation auch recht überfordert war. Und der Rikshawallah schrie nur mit den Händen fuchtelnd auf die uns wie eine zerbeulte gelbe Wand überragende Busflanke ein :) naja, wir konnten dann rückwärts aus dieser Falle entkommen, das Gestänge wurde innerhalb weniger Sekunden mit einer Art Handtuch fixiert und wir fuhren weiter, so dass ich sogar pünktlich zur ersten Stunde an der Law Faculty war :)
Am Dienstag haben Amélie und ich mal wieder einen kleinen Ausflug nach Old Delhi unternommen. Irgendwie war er wenig erfreulich, weil wir in eine ziemlich ungute Gegend gerieten, wo man uns total anstarrte und doof anlaberte.. einmal verfolgte uns ein verwirrt aussehender Mensch mit krausem Bart, in der Hand eine übergroße goldene Schere, der war ziemlich gruselig! Wir taten das einzig richtige und nahmen eine Riksha zur nächstbesten Metro-Station. Von dieser Sitzfläche aus und mit erhöhter Geschwindigkeit reisend waren wir dann wenigstens in der Lage, die Umgebung relativ unbehelligt anzuschauen. Ich mag Old Delhi, das ist Leben noch richtig indisch, man kann duch Fenster in kleine bunte Zimmer schauen und es gibt an jeder Ecke neues zu entdecken. Das Problem ist, dass in diesen ärmlichen, größtenteils muslimischen Vierteln kaum Frauen allein unterwegs sind und ich verstehe durchaus, warum. Man fühlt sich wirklich nicht wohl. Ich hab allerdings festgestellt, dass ein Schal um den Hals schon irgendwie einen Unterschied macht, man fühlt sich – so dämlich das beim Gedanken an ein dünnes Stückchen Stoff klingt – irgendwie verkleidet und geschützt. Ich glaube, ich werde ab jetzt nur noch im Salwar Kameez nach Old Delhi gehen.
Gestern Abend waren wir auf der in einem Chinarestaurant stattfindenden Geburtstagsparty eines Kommilitonen von Amélie, er heißt Bharat. Es war.. sehr komisch. Er und seine Freunde haben eine Band, die indischen Rock macht. Sie waren ganz nett aber irgendwie auch.. ein bisschen pseudo.. und wollten, dass wir mit ihnen Bier auf dem Dach ihres Tonstudios trinken. Wir wollten aber lieber heim.. vor allem, da wir die einzigen weiblichen Gäste waren und ich diese Menschen gerade seit zwei Stunden kannte. Also haben sie uns heimgefahren, das war ganz nett. Während des Abendessens und auch während der gesamten Heimfahrt hatte ich Chikki in meiner Hand, ein kleines Babyeichhörnchen, das in Bharats Rucksack lebt.. dabei ist es noch so winzig! Scheinbar zieht er es mit Milch auf.. keine Ahnung. War aber sehr goldig und hat lustige zwitschernde Geräusche gemacht. Und der Kellner im einigermaßen noblen Restaurant (die Rechnung beglich der Jubilar) hat mich nicht mal schief angeguckt, wie ich da mit so einem Nagetier in der Hand meine Pekingsuppe löffelte, sondern meinte „very sweet“ oder so :) will auch so eins haben!