Was die Vorlesungen betrifft, unterliegen sie großen Qualitätsschwankungen. Manche Dozenten, vor allem die älteren, versteh ich schlecht wegen ihres starken indischen Akzents. Zum Glück wird nicht mal die Hälfte der Vorlesungen (irgendwie ist es mehr wie Unterricht.. findet in Kleinklassen statt und man benutzt die Tafel, es wird zu Beginn der Stunde durch Aufrufen der „Schüler“ die Anwesenheit kontrolliert) von wirklichen Professoren gehalten (denn die sind oft älter und haben damit ein schwer zu verstehendes Englisch).. die meisten Stunden werden von älteren (LL.M.-)Studenten gehalten, die man besser versteht. Aber dafür verstehen die teilweise die Materie oder das Unterrichten nicht.. naja, habe mir jetzt einen ganz netten Stundenplan zusammengestellt. Und wenn ich keine Lust hab, kann ich ja auch einfach schwänzen, denn: keine Roll Number, keine attendance. Man weigert sich, meinen Namen einfach so mit auf die Klassenlisten zu setzen. Na gut, dann eben nicht. Meine Fächerwahl umfasst aktuell die Vorlesungen Environmental Law, Jurisprudence (Rechtsphilosophie), Criminal Law I, Constitutional Law und Family Law (Hindu & Muslim Marriage Acts etc., stell ich mir toll vor.. der Lehrer, ein gewisser Mister C. (wir vermuten er ist „Mister Cool“) sollte dann ab nächster Woche auch mal aufkreuzen). Ab und zu, wenn ich Freistunden hab, guck ich mir mal ne Stunde Torts oder Contract Law an, glaub ich. Solange ich interessiert bin ;)
Allgemein ist der Campus der Law Faculty der abgeranzteste, den ich bisher gesehen hab. Die anderen Fakultäten (im Bild etwa die Faculty of Arts) haben nette Parks mit Skulpturen und Pfauen und Mensa-Gebäuden.. unserer besteht aus einer großen schlammigen Fläche und einigen Bäumen, unter denen Stühle und Bänke herumstehen, ab und zu liegt auch mal ein Perserteppich unter einem Busch (??) und wir haben nur einen lausigen Kaffee-Kiosk. Das soll alles modernisiert werden, sobald die Fakultät nächstes Jahr auf einen neuen Campus zieht.. aber ich werd das wohl nicht mehr erleben. Auch in den Klassenzimmern sind die Bedingungen verbesserungswürdig: Die Tische und Bänke sind dreckig und mit komischen Werbestickern vergangener Hochschulwahlen verklebt, die Fenster teilweise eingeworfen (ganz nett, wenn dann der Monsun aufs Heft prasselt). Wir haben keine Klimaanlage, nur Ventilatoren, die öfters mal ausfallen, gestern z.B. hatten wir den ganzen Vormittag keinen Strom – ich hab selten so geschwitzt! Aber trotz allem macht es doch (noch) Spaß, hier zu studieren. Die Lehrkörper kreuzen so oft nicht auf, dass man dauernd Freizeit hat und am nahegelegenen Campus-Saftstand (siehe Foto) abhängen oder kurzerhand per Riksha zum Lunch fahren kann. Auf dem Bild ist beispielsweise die Kantine des St. Stephen’s College zu sehen (dort studiert Amélie) und einige Mädchen aus dem 1st term, mit denen ich mich gut verstehe: Anasuya, Iti und Sadakshi (mmh.. wie man das auch schreiben mag).
Gestern hat der Chief Justice des Delhi High Courts, Deepak Misral, unsere Fakultät besucht und eine Rede über Jura und das Jurastudium gehalten.. klang alles ganz ähnlich wie das, was uns in Deutschland erzählt wird. Dass die Beziehung zwischen dem gemeinen Jurastudent und seinem Fach eine Art romance sein muss.. dass er sein ganzes Leben nicht auslernt und sich für Jura begeistern muss, dass von ihm erwartet wird, dass er an uncommon form of common sense entwickelt.. und dass es vier verschiedene juristische Professionen gibt: Anwalt, Unternehmensberater, eine Tätigkeit im Staatsdienst.. und Taxifahrer. Ha. Ha… Ha. Global beliebter Spruch, scheint es.
2 Kommentare:
Moment Mal, das mit dem Taxifahren, das waren doch wir Politikwissenschaftler ;)?
Caddi sagt:
Also, ich hab den Eindruck, irgendwie muß man da halt so durch? Hoffentlich kannst Du Dir das Ganze so weit organisieren, daß Du am Ende des Jahres der Meinung bist, Du hast dem ganzen Unternehmen Sinn und Inhalt geben können und kannst ein vorzeigbares Ergebnis mit nach Hause nehmen. Oder willst Du vielleicht Taxifahrerin werden????
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