


Gestern begab ich mit Amélie und Sanyat bei ungewöhnlich kühlem Wetter (am Morgen hatte es stark geregnet und auf 25 Grad abgekühlt, herrlich! es war nicht mal mehr schwül.. im Laufe des Nachmittags war es dann aber doch wieder dampfigdiesig) zum Safdarjang Tomb. Dabei handelt es sich um ein 1753 für den Mogulherrscher Safdar Jang errichtetes zweistöckiges Mausoleum. Der Kuppelbau mit arabischen Stuckverzierungen ist ein Beispiel der typischen Mogularchitektur. Das Gebäude wirkte kunstvoll aber zugleich schlicht, weil es ganz in Rot- und Weißtönen gehalten ist und die Räume schmucklos und leer sind (ob das so gehört oder ob da früher was drin war..?). Sanyat erklärte uns, dass solche Grabbauten oft einen Terrassenunterbau haben, weil sie durch die Erhöhung schön luftig sind – tatsächlich wehte eine angenehme Brise durch die Räume. Außerdem verfügten solche Gebäude schon über eine Art Klimaanlage.. ein Schachtsystem durchzieht die ganze Struktur, so dass der Wind in jedes Zimmer wehen kann. Vielleicht wurden die gleichen Kanäle im Winter ja zum Heizen genutzt..?
Aber..waren solche Mausoleen überhaupt jemals bewohnt, bzw. wer hat sich da denn aufgehalten? Naja.. noch interessanter als das Gebäude an sich war der umgebende weitläufige Park mit angeschlossener (halbverfallener) Moschee. Wir liefen lange zwischen den unbekannten, tropfenden Bäumen herum – irgendwie gibt es nichts, was Sanyat nicht zu wissen scheint, er kannte sogar die lateinischen Namen von Mangobaum und indischer Rose (dank der installierten Plaketten konnten wir sein Wissen auch verifizieren..). Ich hab ein Granatapfelgewächs gesehen (siehe Foto)! Und einen riesigen, schreienden Pfau, der einen mindestens zwei Meter langen Schweif hatte und wie ein Drache in einen Baum geflogen ist, als wir uns genähert haben. Außerdem haben wir die größten Ameisen der Welt entdeckt und lustige Stelzvögel. Auch war alles ungestört ruhig, weil wir fast die einzigen Besucher waren – abgesehen von wenigen indischen Pärchen, die unverschämt zutraulich händchenhaltend herumspazierten oder gar umarmt auf Parkbänken saßen! Unglaublich :) ..naja, wenigstens kann man sowas in so einem netten Garten nachvollziehen, viele andere Verliebte suchen ein bisschen Zweisamkeit etwa auch in halbschattigen Metrostationen, sehr unromantisch.




2 Kommentare:
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Die Leute waren früher halt auch nicht auf den Kopf gefallen. Wahrscheinlich ist diese Art der Klimatisierung von Räumen nicht nur ohne jeglichen Stromverbrauch sondern noch dazu gesünder.
Dass in einem Mausoleum jemals jemand gewohnt hat kann ich mir aber nicht vorstellen.
Die Blüte sieht aber doch wie Hibiskus aus. Wie groß ist denn der Käfer da drauf? Ähnlich gibt es bei uns auch, die sind aber nur max 8 mm lang.
Das Foto von dir ist sehr nett!
Die Blüten sind schön, sehen gar nicht so exotisch üppig aus, wie man sich das in solch warmem Klime vorstellt.
Die Mama hat Recht, Mausoleen sind normalerweise nicht bewohnt, sondern Gedenkstätten.
Ich täte auch gerne mal in Indien in Kultur machen. viele Grüße Caddi
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