Montag, 2. August 2010

Attitude Bar – ein erster Ausflug ins Nachtleben Delhis!


Am Abend wurde für Amélie und mich endlich ein Traum wahr: Wir saßen nicht wie meist üblich ab spätestens 21 Uhr daheim, sondern erhaschten einen ersten Einblick in das nächtliche Treiben Delhis! Per Riksha und Bus fuhren wir über 20 km in den Süden der Stadt nach Gurgaon. Das ist eigentlich die im Bundesstaat Haryana gelegene Nachbargemeinde Delhis, sie wurde aus Verwaltungsgründen aber teil-eingemeindet. Die Fahrt dorthin plättete uns ziemlich.. breite Highways und verknotete Flyovers, von denen aus man mal Sicht auf eine Anhäufung hingewürfelter kleiner Flachbauten hatte, die meiste Zeit aber auf grell erleuchtete Hochhäuser international bekannter Unternehmen schaute .. Shanghai Impressions! In rasantem, für Busse typischem Tempo bretterten wir immer weiter in den Süden, auf dem Standstreifen schlängelte sich eine Anzahl orangefarben gekleideter Pilger entlang, in der Ferne leuchtete der Indira Gandhi International Airport (Henni!!!). Nach über einer Stunde Fahrt erreichten wir schließlich Gurgaon, das überwiegend aus bunt leuchtenden Bürogebäuden (Ericsson, Ray Ban, Airtel, IBM..) und fast genauso vielen Mega Malls besteht – 17 Stück nämlich! alle inklusive integriertem Kino, das oberste Stockwerk besteht nur aus Imbissen und Restaurants und man findet jede nur erdenkliche Marke, von Hugo Boss über Esprit bis Burberry. Von der Bushaltestelle aus ging es in einem bisher unbekannten Transportmittel weiter: dem Tempo. Das ist eine Art überdimensionale Autoriksha, in der vermutlich bis zu 10 Leute Platz finden. Amélie, Sanyat und ich saßen auf einer oberhalb der Anhängekupplung befestigten Rückbank, quasi im Kofferraum, unsere Füße baumelten den dicht auffahrenden Motorradgängstern entgegen, während das Tempo in halsbrecherischer Zickzackfahrweise unter den Flyovern herumkurvte. Schließlich erreichten wir unser Ziel, wo Sanyat mit ein paar Freunden verabredet war: die Attitude Bar, in der die indische Rockband parikrama performte. Grandioses Gefühl, endlich mal wieder laute, unindische Musik.. Dunkelheit, bunte Lichter.. Cuba Libre für 300 Rupien!! :) Die Band selbst war ziemlich toll, das meiste waren zwar Led Zeppelin – Cover, aber es gab auch indisch angehauchte Stücke, die eine Tabla und eine Geige integrierten.. im allgemeinen ging es ziemlich ab, auch wenn das indische Publikum erst nach einer ganzen Weile auftaute und lustig anfing zu headbangen :) Wir blieben bis 24 Uhr, eine sehr beeindruckende Uhrzeit.. dann begaben wir uns mit einem sicheren Prepaid-Taxi nach Hause (was lange dauerte, aber gemütlich war.. und wir sahen mitten in der Dunkelheit einen Elefanten auf dem Standstreifen, magic!).

Beeindruckend ist diese Uhrzeit insofern, als man als Mädchen nach 21 Uhr wohl gewöhnlich nicht mehr draußen unterwegs sein sollte. Amélie und ich wurden neulich, als wir uns gegen 22 Uhr zu unserem Broker begaben, von einem unverständliche Dinge flüsternden Pubertierenden verfolgt.. da der Dummkopf sich vor dessen Büro unter einen Baum setzte, um darauf zu warten, dass wir wieder herauskommen würden, alarmierten wir halbkichernd, halbverunsichert Pratik, den Broker. Dieser begab sich nach draußen und verscheuchte den Spinner mit den Worten „you wanna go home or you want a slap?“.. dann erklärte er uns eindringlichst, nach 21 Uhr nicht alleine draußen zu sein. Meine weiblichen Bekanntschaften aus der Uni wohnen alle in Paying Guest Homes, wo sie um 20 Uhr daheim sein müssen (sie nennen diese Beschränkung auch noch curfew! total gefängnisartig).. wenn Amélie und ich abends unterwegs sind, sollen wir dauernd allen möglichen Leuten messages droppen, wenn wir sicher angekommen sind. Scheinbar ist Delhi in dieser Hinsicht schlimmer als andere indische Städte.. uns wurden Geschichten erzählt von Überfällen, die von mit Knüppeln bewaffneten Motorradfahrern ausgeführt werden, die einen hinterrücks niederschlagen und einem die Tasche klauen. Wir konnten das in unserer europäischen Naivität natürlich nicht ganz glauben und dachten an eine Übertreibung.. allerdings hatten wir letzte Woche selbst ein Erlebnis ähnlicher Art. Wir waren (17 Uhr, alles hell, Hauptverkehrsstraße) in einer Autoriksha unterwegs, ich bemerkte rechts von uns, in 10 Metern Entfernung, zwei dämlich glotzende Typen auf einem Motorrad.. Standard, dachte mir nichts weiter. Kurz darauf war das Motorrad links von uns, der hinten sitzende Mensch packte in das Innere der Riksha und wollte Amélie die Handtasche wegreißen.. zum Glück hat sie ziemlich schnell reagiert und ihre Tasche gut festgehalten, sie war sogar noch in der Lage, ein erbostes „Fuck!“ hinter den erschreckt davonrasenden Möchtegernräubern herzuschreien.. einziger Kommentar des Rikshhafahrers: „This is India.“

Naja, man zahlt schon einen hohen Preis fürs abends Weggehen.. zeit- und geldaufwandsmäßig, und man kann nicht bis in die Puppen weg bleiben.. aber das Nachtleben existiert und es gilt, es besser kennenzulernen! Wenn wir nicht unbedingt ans andere Ende Delhis fahren, sondern Bars in unserer Nähe wählen, dann.. steht dem von nun an nichts mehr im Wege.


(haha, nicht schön aber dafür selten: wir auf der Tempo-Rückbank, das hat so Spaß gemacht!! xD )

3 Kommentare:

die Mama hat gesagt…

Hallo Vicky,
also haltet euch bitte unbedingt dran was die Inder euch da raten, abends nach 21 Uhr nicht mehr ohne männlichen Begleitschutz unterwegs zu sein!
Nicht leichtsinnig werden!!

Anonym hat gesagt…

Aber hallo, Euer Drang zum Nachtleben hört sich ja toll an. Seid bloß vorsichtig! Ihr wärt wahrscheinlich nicht die Ersten, die sich plötzlich mit der Nase in der Gosse und ohne Geld und Papiere wiederfinden - und diesen trouble ist das bunteste Nacht-leben nicht wert.
Viele mütterlich-besorgte Tantegrüße Caddi

Doro hat gesagt…

Des schreibd jedzed au oine von dene besorgde Dandene. I moin hald midem Nachdläbe en Heidelberg kennsch de jo weidlich aus, so dass mr moine kennd, s'dirfd dr nix schlechds bassiera. Abbr ema fremda Land fongdsionierd hald a manches andersch (bsonders kochd evenduell s Blued schneller, bei Männle ond Weible) ond do däd sich's fier jonge scheene Fraue scho empfähle, dassse bei aller Lebensfreid au d'Vorsichd ned vergesse däded.
Ben jo selber emmer gern verreisd ond han emmer no a groß's Indresse an fremde Velgr ond Kuldura. Also: emmer hellwach bleiba! An herzlicha Gruass und Kuss!