Freitag, 4. März 2011

go Goa! - done.

Nach einer kurvenreichen Schaukelpartie durch die Western Ghats erreichten wir am Morgen Goa, wo wir aufgrund müdigkeitsbedingter geistiger Umnachtung leider schon im provinziellen Mapusa ausstiegen, statt mit dem Bus bis ins 30 Kilometer weiter südlich, in Zentralgoa gelegene Margao weiterzufahren. So setzten wir unsere Reise eben bis Panaji im Bus und dann auf einem Scooty fort.. letzteres Transportmittel war sagenhaft, mit Vollgas krochen wir, einen Heidenlärm erzeugend, bergauf bergab über die Küstenstraßen, ab und zu unsere wie gewohnt lächerlichen, ja gar hinderlichen Helme auf den Kopf zurückziehend, die Augen wegen der sengenden Sonne zugekniffen.

Nach schier endlosen Irrfahrten, Dieselzukauf am Wegesrand (goldgelber Kraftstoff wurde in Jim Beam-Flaschen feilgeboten) und mit verbogenem Rückgrat (man bedenke, dass wir mit zwei 60-Liter Rucksäcken sowie einem kleineren Exemplar selbiger Familie auf dem Roller kauerten) erreichten wir gegen 12 Uhr Benaulim Beach, wo wir zuallererst von einem besoffenen Fettsack bzgl. unserer Parkplatzwahl angemault wurden. Glücklicherweise waren wir zu entkräftet, um viel zu erwidern, denn das Dickerchen stellte sich als Besitzer der Cocohuts heraus, den weit und breit einzigen Bambushüttenbungalows, welche wir gerne beziehen wollten. Der Typ war wegen seiner Promillewerte nicht an Kundschaft interessiert, als ich aber auf Hindi zu verhandeln begann, stimmte ihn das wenigstens soweit freundlicher, dass er uns die kleinste Hütte als Bleibe anbot.

Wir frühstückten am Strand (Wassermelonensaft, ein Muss) und dann.. badeten wir im Meer, herrlich! Das einzige Mal auf unserer Reise, dass ich einen Bikini tragen konnte (nur im für seine Freizügigkeit bekannten Goa ist das möglich)! Für ein Weilchen lagen wir in der Sonne, doch merkte ich, wie mir ihre Leuchtkraft zu viel wurde.. eine Stunde später begann sich dann auch ein herrlich krebsroter Sonnenbrand auf Gesicht, Schultern, Brust, Bauch und Beinen zu entwickeln. In unserer wunderschön luftdurchlässigsonnenlichten Bambushütte bemächtigte sich meiner ein ohnmächtigkeitsähnlicher Schlaf. Ich erwachte am frühen Abend mit Kopfschmerzen und brennender Haut. Abhilfe konnte hier nur der kühlende Fahrtwind des Scooty schaffen: Zum Schutz vor weiterer Versengung kleidete ich mich in eines von Sanyats Moot-Court-Hemden und dann düsten wir die ganzen 20 Kilometer zurück nach Panaji, wo wir das treue Gefährt gegen ein ausgewachsenes Motorrad eintauschten. Auf diesem setzten wir die Reise nach Vaga (oder auch Baga) Beach, dem vermeintlichen Night Life Hot Spot Goas, fort. Wie wir schon des Morgens am Strand bemerkt hatten, ist Goa sehr stark von hauptsächlich britischen Rentnern frequentiert. Das in der Sonne leuchtende Weiß ihrer Haare blendete uns quasi, sobald wir in ein Dorf einfuhren. Auch Vaga erinnerte enttäuschender Weise mehr an einen Kurort als eine Party Location. Wir aßen also recht friedlich zu Abend, direkt auf dem Strand, die Füße im Sand und nur fünf Meter von der Brandung entfernt. Weil es anschließend schon fast zehn Uhr war und der Heimweg lange dauern würde, mieteten wir uns kurzerhand in einem Guest House ein, wo ich die Nacht rotglühend in ein Betttuch gewickelt wie im Koma verschlief.

[morgendliche, überraschend schöne Aussicht von unserem Balkon]

Am nächsten Tag beschauten wir uns Old Goa mit seinen auf engem Raum stehenden Kathedralen, Basiliken und sonstigen Monumenten, welche von den portugiesischen Kolonialherren im 16. und 17. Jahrhundert erbaut wurden. Durch die tropische Vegetation sehen die weißen Gebäude sehr exotisch aus und weil sie im Inneren zwar renoviert, jedoch im Vergleich zum durchschnittlichen katholischen Gotteshaus irgendwie weniger dick vergoldet sind, fand ich selbst das Interieur der Kirchen recht ansprechend. Sanyat meinte sogar, ihm gefalle das besser als die Ausstattung der Hindutempel.

[Sé - Kathedrale]

Mit dem Motorrad fuhren wir danach eine Weile durch die abwechslungsreiche Hügellandschaft und durch enge, von kleinen bunten Häuschen gesäumte Straßen, die einem das Gefühl gaben, in der Toskana zu weilen.

[doch nicht ganz so Toskana-like: die Vorfahrtsregeln beachtende Wasserbüffel]

Um 16 Uhr gaben wir das Motorrad ab und beeilten uns, nach 24 Stunden endlich zu unserem Gepäck und dem heimischen Benaulim-Strand zurückzukehren, da wir annahmen, unseren Zug um 19 Uhr erwischen zu müssen. Glücklicherweise schauten wir am frühen Abend auch mal auf unser Ticket und stellten fest, dass wir noch bis 22.30 Uhr in Goa bleiben durften.. so hatten wir erfreulicherweise Zeit für ein weiteres dekadentbilliges Abendessen am Strand.

Der mittlerweile ausgenüchterte Hüttenbesitzer kommentierte unsere Rückkehr übrigens nur mit einem „very far?“ und ließ uns dann – was doch wieder Zweifel an seinem Geisteszustand aufkommen ließ – nur für eine Nacht zahlen. Nach einer wahren Hetzjagd zum Bahnhof verspeisten wir am Bahnsteig sitzend zum Nachtisch die erste (komplette) Ananas unserer Reise.. so unfassbar saftig, goldgelb, süß.. !

Pune walla Moot Court

Am 18. Februar erreichten wir Pune. Um 1 Uhr nachts kamen wir am Bahnhof an, wo wir von einem der student convenors abgeholt wurden. Zeitgleich mit uns war das Team von der National Law School (NLS) Cochin angekommen.. diese NLS-Universitäten sind staatliche Institutionen, die fünfjährige Jurastudiengänge anbieten (ein integrierter Abschluss, durch welchen man ein Bachelor of Arts sowie ein LL.B. Degree erhält) und als Crème de la Crème in Sachen Studium der Rechtswissenschaft gelten. Es gibt nur neun dieser Unis in ganz Indien und die Aufnahmeprüfungen sind sehr hart.. Die Cochin-Menschen machten dann auch einen entsprechend selbstsicheren Eindruck und verunsicherten uns staubige Zweiteklassereisenden ein klein bisschen.

Unter einem Moot Court versteht man übrigens die Simulation einer Prozesses, im Rahmen welcher jeweils zwei Vertreter der Kläger und der Beklagten vor zwei (leibhaftigen) Anwälten einen Fall verhandeln. Der an diesem Wochenende stattfindene Surana and Surana International Technology Law Moot Court hatte dieses Jahr Net Neutrality in der imaginären Republic of Diphia zum Thema.. durch einen Vermerk am Ende des fact sheets waren die Bearbeiter des Falles angewiesen, indisches Recht auf die diphianischen Verhältnisse anzuwenden.

Gegen 2 Uhr nachts wurden wir in dem exklusiv von der Moot Society angemieteten Hotel abgesetzt. Nach wenigen Stunden Schlaf trafen am Morgen Sanyats Co-Mooter Anish und Shreya ein. Wir gammelten auf unserem Ehebett herum und nahmen erst gegen 12 Uhr ein herrliches Frühstück bestehend aus Mosambi Juice, Grill Sandwich, Lassi, Dosa und Kaffee ein. Danach latschten Sanyat und ich durch die Gegend (welche übrigens nahe der Universität und des international renommierten Fergusson Colleges gelegen war, weswegen sie von coolen (und billigen) Restaurants und Studenten jeglicher Nationalität wimmelte), um ein Hotelzimmer zu organisieren, da ich als überflüssiges und auch nichtsnutziges Teammitglied eine gemeinsame Niederlassung auf dem in unserem Zimmer vorhandenen Ehebett unmöglich machte. Die meisten Hotels waren entweder voll oder hatten die altbekannten Probleme mit mit Indern reisenden Ausländerinnen.. Anscheinend hatte die Regierung kürzlich eine Bestimmung erlassen, wonach für foreign tourists ganz strenge Auflagen gelten.. wenn ein Nichtinder ein Zimmer nehmen möchte, so muss der Hotelier ein Video vom Zimmerbezug machen und die entsprechende DVD an eine indische Behörde senden. Ist das zu glauben? Naja, schließlich fanden wir doch noch ein leicht zwielichtiges Guest House, welches uns ein Zimmer offerierte. Dass man sich dabei meiner Nichtindischkeit bewusst war, sah ich an den schuldbewusst gemiedenem Blickkontakt der Angestellten..

Den Nachmittag mussten die bemitleidenswerten Moot-Menschen in einem briefing zubringen. Ich hingegen wanderte ein wenig durch die Altstadt Punes. Die Stadt weist ein im Vergleich zu Mumbai sehr angenehmes Klima auf, ihre Lage in den Western Ghats und die daraus resultierende dichtere Vegetation sorgen für kühlere, frischere Luft. In der Sonne war es dann aber doch relativ unerträglich, weswegen ich zunächst durch den in der Mittagszeit wie ausgestorbenen Mahatma Phule Market streunte..

Anschließend besorgte ich, wie es meiner Rolle als designiertem Logistics Manager gerecht wurde, weiße Hemden und eine schwarze Krawatte für Sanyat.

[auch eine Rasur war für ein anwaltsgerechtes Auftreten dringend von Nöten!]

Und weil Monsieur nicht nur garderobenmäßig wenig vorbereitet war, verbrachte das Team (samt Logisitc Manager) anschließend den Abend und die halbe Nacht mit der Ausarbeitung von Argumenten, der Formulierung von speeches, teaminterner Strukturabstimmung und der Präparation von Kompendien und Memos. Gegen 3 Uhr sanken wir in einen kurzen, unruhigen Schlaf.

Dass alle Teams notwendigerweise schon um 8.30 Uhr im Symbiosis College anwesend sein mussten, machte mich sehr ärgerlich. Viele Mooter sollten erst in der für 11.30 Uhr beginnenden (und später gar auf 12.30 Uhr verschobenen) zweiten Runde aktiv werden und saßen in ihren schwarzen Anzügen schwitzend nutzlos und augenringbelastet herum. Die erste Verhandlung gegen ein paar Lachnummern (schon die Lektüre des vorgelegten Memos hatte uns in der Nacht einiges Vergnügen bereitet) lief relativ glimpflich, wenngleich die vorbereiteten pleadings aufgrund der gesteigerten Aggressivität des Richters und seiner unablässlichen Fragerei leider nicht vorgebracht werden konnten. Nach dem Mittagessen und zweistündiger, erneut sinnloser Warterei auf einen Fotografen und anschließendem eineinhalbstündigem Warten in der Aula (zum Glück hatte ich was zum Lesen dabei) begann gegen 17.15 Uhr dann Runde 2 des Wettbewerbs (ehemals anberaumt auf 14.30 Uhr). Ein weiterer klarer Sieg für das Team Law Fac, Delhi University.. nachdem dann zwei Stunden lang die Punkte ausgezählt wurden, stand gegen 20 Uhr fest, dass Sanyat, Anish und Shreya ins Achtelfinale einzogen. Ein weiteres Mal wurde der Fall verhandelt, diesmal gegen NLS Jodhpur und vor einem sehr kompetenten, wenngleich etwas bissigen und aufgrund seiner Glatze gar gefährlich wirkendem Richter. Dieser stellte so viele und schwierige Fragen, dass sich die Vertreter beider Seiten, der Kläger als auch der Beklagten, ziemlich verhedderten.. ein sehr anspruchsvolles Verfahren, das so spannend war, dass ich trotz hämmernder Kopfschmerzen, tränender Augen und ziemlichem Überdruss bzgl. des Themas Net Neutrality gut zuhören konnte. Nach einiger Verzögerung wurde schließlich das Ergebnis der Achtelfinale verkündet: das Team der Delhi University hatte von den acht verbleibenden Teams zwar die zweithöchste Punktzahl, war jedoch von NLS Jodhpur besiegt und damit ausgeknockt worden und zog damit nicht ins Halbfinale ein. Ich war ehrlichgesagt sehr froh über diese Botschaft, da ich endlich schlafen durfte.

[Shreya, Anish und Sanyat.. die vermeintliche Aura der Überlegenheit wird größtenteils durch das beerdigungsgerechte Auftreten ausgemacht]

Am Sonntag schliefen wir lange, frühstückten erneut sehr dekadent (Obstsalat mit Eis, baked beans on toast, Wassermelonensaft und Fussili Carbonara) und hörten uns gegen 14 Uhr das Finale zwischen NLS Jodhpur und NLS Cochin an. Es wurde vor waschechten High Court Judges ausgefochten, welche durch Schläfrigkeit und mangelnder Vertrautheit mit den Fakten des Falles glänzten. Beide waren zwischen 60 und 70 Jahre alt und ich fragte mich ernsthaft, ob sie überhaupt mit dieser Errungenschaft des Internets vertraut seien. Einer der beiden versuchte, ganz jugendlich zu sein und unterbrach die Unterbreitungen der Kläger mehrmals, um lustige Cricket-Match-Analogien vorzubringen oder zu erzählen, wie er seinem Nachbar gerne ein gutes Glas Scotch eingießt. Der andere, sehr weggetreten wirkende Greis sprach während der gesamten Verhandlung kein Wort, bis er auf einmal die Verteidigung des Beklagten unterbrach: „You are making one basic mistake.. you are constantly referring to India.. but in this case, we are in Diphia.“ Mhh, ja, wir kennen das Prinzip eines Moot Courts.

Nach der Urkunden- und Preisverleihung (Sanyat wurde überraschend zum drittbesten „Anwalt“ gekürt) machten wir uns so schnell es ging aus dem Staub. Nach sentimentalem Abschied von Anish, der uns, da er nach Delhi zurückzukehren hatte, bat, ihm wenigstens einen Sack Bananenchips aus Kerala mitzubringen, begaben Sanyat und ich uns zum Bahnhof, wo wir ein Bett im Nachtbus nach Goa buchten. Anschließend gerieten wir mehr zufällig – eigentlich befanden wir uns auf der Suche nach einer legendären German Bakery – in eine recht gruselige Gegend. Im sehr schnieken Stadtteil Koregaon Park, wo sich edle Villen hinter feindseligen Gartenmauern verstecken und die dunklen, von langbärtigen Banyan Trees bestandenen Straßen menschenleer sind, kamen wir am berüchtigten Osha Ashram vorbei.. ich hatte von dieser Glaubensrichtung (die aus einer jainisitischen Sekte entstand) eigentlich noch nicht wirklich was gehört und dachte, das wäre eine hippiemäßige Gruppierung, die besonders im Westen viele Anhänger hat und für sexuelle Befreiung kämpft. Als wir dann aber am Hauptsitz der spirituellen Gemeinschaft vorbeikamen, passte dieser gar nicht in mein Bild: eine schwarz gestrichene Bambusfestung, moderne Betonarchitektur, dicke Wagen mit verspiegelten Scheiben.. ich hatte nicht wirklich Lust, mich näher mit dieser Lehre auseinanderzusetzen..aber allem Anschein nach geht es darum, die Realität durch Meditation zu erfahren, indem man sich allen Aspekten des Lebens öffnet und sich auf sie einlässt, um dadurch zu verstehen, dass alles eins und gleichgültig und irrelevant ist.. was weiß ich, jedenfalls ist Sex ziemlich hilfreich (der Ashram vermietet Hütten zum Zwecke des Geschlechtsverkehrs) und materielle Ziele sind weder schlechter noch besser als andere (weswegen Guru Osho einen Hut mit diamantbesetzter Kordel trug, oder so).. relativ lustig sahen auch die zahlreichen westlichen Anhänger der spirituellen Bewegung aus, die in ein wallendes Gewand, welches farblich an die Kutten der buddhistischen Mönche erinnerte,gehüllt und mit hippiemäßigen Umhängetaschen und Wandersandalen bestückt geschäftig im Ashram ein- und ausgingen.

[ein gespenstischer Banyan-Tree]

Das Abendessen nahmen wir gemeinsam mit Vishal, einem ehemaligen Kommilitonen Sanyats, in einem iranischen Restaurant ein. Auf niedrigen Sofas ausgestreckt, über uns hingen bunte Perserteppiche, lagen wir auf der Dachterrasse und genossen Hookah und Kabab. Gegen 22 Uhr bestiegen wir schließlich unseren Bus, der uns rumpelnd und hoppelnd die gut 500 Kilometer nach Goa transportieren würde.

Mumbai Streets

Die folgenden zwei Tage standen unter einem wahrhaften Müdigkeits-spell, trotz nächtlich annähernd zehn Stunden Schlaf hatten wir morgens Schwierigkeiten, unsere verklebten Augen (ein weiteres Indiz für eine unfassbar hohe Luftverschmutzung) zu öffnen. Eine weitere typische Eigenschaft Mumbais, die uns zu jeder Zeit das Leben schwer zu machen versuchte, ist die Verstopfung der öffentlichen Verkehrsmittel, welche, in Kombination mit den überraschend großen Distanzen zwischen den verschiedenen Stadtteilen, für lange Reisezeiten sorgte. So kam es dann auch mal vor, dass Mitglieder unserer Reisegemeinschaft in Bussen und Vorortzügen mit offenem Mund einnickten.

Von solchen Widrigkeiten ließen wir uns selbstverständlich nicht unterkriegen, voll Tatendrang erkundeten wir die Stadt. Am 15. Februar genossen wir unseren Morgentee in einer herrlichen, von Arbeitern und Rikshafahrern frequentierten Chai-Dhaba (sozusagen). Nach eineinhalbstunden Zugfahrt erreichte wir Colaba, wo wir im Café Gaylord mit Sanyats Cousin Shivi eine Art spätes Frühlingsrollenfrühstück (sog. Frührollen? Frühlingsstück?) zu uns nahmen. Anschließend wollten wir eigentlich nach Elephanta übersetzen, landeten jedoch versehentlich in einem lediglich langweilige Hafenrundfahrten unternehmenden Kahn, auf welchem wir die enttäuschendste Bootstour meines Lebens hinter uns brachten. Durch den Konsum spottbilliger und schmackhafter street food items, für welche Mumbai bekannt ist – wie konnte ich 4 Monate hier leben, ohne sie probiert zu haben?! – hielten wir uns jedoch erfolgreich bei Laune. Mumbai Street Sandwhich, Bhel Puri.. man kann echt davon leben (und das für weniger als zwei Euro am Tag).

[alles, was man fuer ein Mumbai Street Sandwich benoetigt.. alles, was das Herz begehrt..]

[Sugar Cane Juice.. eiskalt und süß, für sieben Rupien das Glas]

[Mumbai University]

Als nächstes Ziel unserer Sightseeing Tour liefen wir den von den Briten gegründeten Obst- und Gemüsemarkt Crawford Market an, wo wir uns fünf (im Vergleich zum heimischen Garten jedoch geschmacklich enttäuschende) Erdbeeren und Litchi-Jellys gönnten. Das Abendessen bestehend aus Pakodas, Masala Dosa, Dahi Vada und Chickoo-Milkshake kostete uns läppische zwei Euro.. Mumbai ist so viel billiger als Delhi!

[Crawford Market]

[neben verführerischen Orangen, Erdbeeren und Trauben bester Qualität begegneten wir auf dem Gemüsemarkt auch roten Bananen und den berühmten Alphonso-Mangos (aktueller Preis: circa 60 Euro pro Kilo!)]

Am nächsten Tag frühstückten wir erneut beim chai walla unseres Vertrauens (Chai und khaari biscuits), inhalierten auf dem Weg zur Innenstadt das eine oder andere Street Sandwich und schipperten dann endlich gen Elephanta. In bester Ausflugslaune genossen wir die grandiose Sicht auf die Bucht, Mumbais Skyline und den Industriehafen sowie allerhand Tanker, vermutete Bohrinseln und Fischerboote, die unseren Weg kreuzten.

[Kapitän (rechts) und bärtiger Matrose]

Die Höhlentempel mit ihren kunstvollen Skulpturen beeindruckten nicht nur Sanyat, der die Insel zum ersten Mal besuchte, sondern auch mich, die ich schon einige Male hier war. Nach Besichtigung der Höhlen kletterten wir auf den höchsten Punkt Elephantas, wo einige massive Kanonen von der britischen Besatzung zeugten. Scheinbar war die Insel ein strategisch wichtiger Punkt, von wo aus man die gesamte Bucht und den wichtigen Handelshafen, den Mumbai für die Kolonialherren darstellte, zu beschützen gedachte. Beim Abstieg begegneten wir einem gutgelaunten, dickbäuchigen Mann, der unsere händchenhaltende Erscheinung mit einem feixenden „kismat connection“ (kismat heißt Glück) quittierte.

[Shiva und Parvati]

Im Abendrot setzten wir zum Festland über und fuhren dabei mit unserem Kahn direkt auf die in leuchtendem Orange gefärbte Sonne zu, die hinter einigen Wolkenkratzern versank. Mit Shivi aßen wir zu Abend und schauten uns danach einen der schlechtesten Filme aller Zeiten im Kino an.. immerhin war es aber doch recht nett, vor Filmbeginn mal wieder stehenderweise die Nationalhymne zu singen, wie es sich in Maharasthra gehört.

[Verschlingen von Bhel Puri]
[Sanyat und Shivi vor dem Chhatrapati Shivaji oder Victoria Terminus]

Am letzten Tag unseres Aufenthalts in Mumbai lungerten wir in Kulwants Wohnung herum, da Sanyat am Moot zu arbeiten gedachte. Aufgrund ausgeprägter Faulheit musste dieses Vorhaben jedoch in den Wind geschlagen werden. Gegen 16 Uhr machten wir uns mit unserem Gepäck in einem glücklicherweise noch nicht allzu verstopften Vorortzug auf zum Bahnhof Dadar, wo wir unsere Rucksäcke im cloak room aufgaben. Weiter commuteten wir zur Haltestelle Santa Cruz, wie wir wegen dichter werdendem Gedränge und ausgeprägtem Nahrungsmangel recht ausgelaugt ankamen. Um 19 Uhr erreichten wir einen von Mumbais legendären, für seine angenehm laue abendliche Brise und sein hervorragendes Snack-Angebot bekannten abendlichen Hot Spots: Juhu Beach. Endlich war es uns nach drei Tagen gelungen, den Strand trotz widriger Verkehrsverhältnisse zu erreichen. Irgendwie begeisterte der unbeleuchtete Küstenabschnitt mit seinen aufdringlich rufenden Souvenir- und Imbiss-Walas dann aber nicht so richtig..

[unglückseliger Pav Bhaji-Wala]

Als einer der Garkücheninhaber dann auch noch die Sauce des von Sanyat bestellten Pav Bhajis zu guten Teilen auf mein weißes T-Shirt spritzte und alle in der Umgebung befindlichen Menschen auf meine panische Frage nach Seife nur „yes m’am, ice-cream, yes, have a look, juice, Pizza..“ erwiderten, war ich einem Nervenzusammenbruch nahe. Irgendwie war das allgemeine Aggressionsniveau hoch, so dass es zu einer kleinen Szene kam, in deren Verlauf Sanyat sein kaum angerührtes Mahl in eine Ecke sowie das Geld auf den Tresen knallte und wir von Dannen rannten. Nachdem wir uns einigermaßen beruhigt hatten, entschlossen wir uns, dass wir trotz allem etwas essen mussten und stillten unseren Hunger ein wenig verzagt an der von der Stelle dieser Schmach am weitesten entfernten Imbissstand. Anschließend ließen wir uns von Mumbais Mengen zum Bahnhof Dadar zurückschwemmen, wo wir um 21 Uhr unseren Zug nach Pune bestiegen. Indem sie uns der extremen Gewalt ihrer Menschenmassen aussetzte, bereitete uns die Stadt so einen beeindruckenden Abschied.

maine Mumbai ko salaam kiyaa

Der Morgen des Valentinstags markierte den Beginn unser grossangelegten Suedindienreise (oh, das Wort sieht auf den ersten Blick aus wie Studienreise..weitere Ähnlichkeiten sind rein zufällig und eigentlich ausgeschlossen). Geschickt hatten wir diese rund um den dreitaegigen Moot Court angelegt, den Sanyat in Pune besuchen wuerde.. und damit einen auch elterntauglichen Vorwand gefunden, warum nun, mitten im Semester, unbedingt ein kleiner Trip unternommen werden muesse. Meine Anwesenheit wurde damit erklaert, dass ich als Austauschstudent doch keinesfalls die Chance verpassen sollte, eine solche Prozedur mitzuerleben, ganz abgesehen von der Auseinandersetzung mit dem Recht.. und so.

Wir begaben uns also am Montagmorgen von Delhi nach Mumbai. Zum ersten Mal bestieg ich einen domestic flight, welcher innerhalb von nur zwei Stunden die Distanz von 1500 Kilometern zuruecklegte. Zwischen den beiden Metropolen besteht ein Unterschied, welcher ganz deutlich zu spueren ist. Schon als wir die Flughafenhalle gegen 13 Uhr verliessen und mit einem Mumbai Street Sandwich (lecker! doch in den folgenden Tagen wuerden die von Roadside Snacks hervorgerufenen Geschmacksexplosionen und der damit zusammenhaengende Speichelfluss noch grandioser werden!) endlich ein Fruehstueck einnahmen, wirkte alles so viel besser.. so luftig, offen, mediterran, mondaen. Statt grimmig starrender Sardarjis liefen uns in weisse Safari Suits gekleidete Suedinder entgegen, um uns in ihre Rikshaws zu lotsen, welche im Gegensatz zur Sitte in Delhi bereitwillig mit Meter fuhren.. Palmen beugten sich freundlich in der vom nahegelegenen Meer kuendenden Brise und sorgten damit fuer eine freundlichere Atmosphaere als die staubiggrauen blattlosen Baeume, die in Delhi das Stadtbild praegen. An unseren mit Kartoffel und Gemuese belegten Toasts kauend (viel besser als die frittierten Brothaelften, die man in Delhi angeboten bekommt), zuckelten wir stadteinwaerts. Bald erreichten wir das zuvor auserkorene Hotel, welches sogar einen ganz annehmbaren Eindruck machte. Doch ueberraschenderweise wurden wir trotz freier Zimmer abgewiesen – scheinbar mangelte es an fuer die Anmeldung von auslaendischen Gaesten benoetigten Formulare. Sowas hab ich auf all meinen Reisen noch nicht erlebt.. und ganz besonders in einer Grossstadt und Touristenhochburg wie Mumbai wuerde soetwas ja keiner erwarten! Der Rikshawalla und seine Rikshawallafreunde erklaerten uns daraufhin, dass wir auch bei anderen Hotels wohl kein Glueck haben wuerden, da an gemischte Paerchen keine Zimmer vergeben wuerden.. nach und nach erzaehlten sie dann noch Broeckchen einer Anekdote, laut welcher vor kurzer Zeit eine Auslaenderin in einem Hotel vergewaltigt wurde.. bla.. ja, aha, und da einer Inderin sowas nicht passieren kann.. aeh was? Naja, logischerweise kannte dann einer einen, der einen kennt..der ein Hotel hat und der ganz cool und locker und understanding und risikobereit ist und der uns ein Zimmer geben wuerde. Wir schauten uns die Bude sogar an, mussten wegen des unguenstigen Preisleistungsverhaeltnisses jedoch ablehnen. So begaben wir uns schiesslich auf eine nicht enden wollende Rikshafahrt ins im Nordosten der Stadt befindliche Povai. Der in den Auslaeufern der Western Ghats und einem kleinen lieblichen See gelegene Stadtteil besteht hauptsaechlich aus zehn bis fuenfzehn Stockwerke hohen Wohnhaeusern und internationalen IT-Companies. Dort bezogen wir vollkommen unkompliziert das Zimmer eines ehemaligen Mitstudenten Sanyats (Kulwant), welcher mit fuenf anderen IT-Ingenieuren in einer fuer diesen Fachbereich sehr typischen WG wohnt: bis auf Kleiderschraenke und einen Schreibtischstuhl keine Moebel (Matratzen auf dem Boden), Kueche bis auf einen Wasserkocher und ein paar Teller ebenfalls komplett leer, dafuer aber mehr Laptops als Bewohner.

[Ausblick aus Kulwant's WG auf den Stadtteil Povai]

Nach nur einer Stunde der Erholung begaben wir uns furchtlos wieder auf die Strasse, in Hitze, Staub und unfassbarem Smog (die Luft ist so viel grausamer als in Delhi! keine Ahnung wie das trotz des von der Kueste her stetig wehenden Windes moeglich ist) und legten in einer Riksha erneut ungezaehlte Kilometer zurueck. Es war mittlerweile die Zeit der allabendlichen Rush Hour und bald ging fast gar nichts mehr, so dass wire s fuer klueger befanden, auf die Local Trains umzusteigen. In einem vollgestopften, typisch braungelb-betelnussspucke-verfaerbten Waggon erreichten wir schliesslich Kandivali, Charkop, Sector 1, Opposite Bus Depot – ich besuchte die Sharmas! Es war ein tolles Gefuehl, die so wohlbekannte Wohnung, in der ich mich immer so wohlgefuehlt hatte, nach eineinhalb Jahren wieder zu betreten! Ich gruesste Indu auf angemessene Weise, indem ich mich vor ihr verbeugte und zum Zeichen des Respekts ihre Fuesse beruehrte. Aayu und Dev haben sich aeusserlich kaum veraendert, sind aber doch etwas ruhiger geworden.. Priti war wie immer hektisch damit beschaeftigt, alles fuer den Anstehenden Besuch einer marriage reception vorzubereiten. Ausserdem anwesend war Eva Maria, eine Medizinstudentin aus Koeln, die in Mumbai ein achtwoechiges Praktikum absolviert und bei den Sharmas, welche mit ihrer Mutter befreundet sind, wohnt. Gegen 20 Uhr brachen wir nach Andheri auf.. zu diesem Zeitpunkt war mein Hirn aufgrund Schlafmangels, fehlender Energie (einzig einen halben Toast hatte ich bis dahin gegessen) und vierstundenlangem Inhalieren von Abgasen aller Art dermassen unbrauchbar, dass ich mich fuehlte, als muesse ich sterben.. dennoch versuchte ich, einen einigermassen sinnvollen Small Talk zu betreiben (soweit man das ueberhaupt sinnvoll nennen kann). Eine Stunde spaeter kamen wir auf dem marriage ground an, er war ueberdimensional und in feenhaften Farben durchgestyled. Um zum eigentlichen Festgelaende zu gelangen, durchquerten wir eine Art Zauberwald mit violetten und gruenen Haengelampen..

Wegen meines unmenschlichen Hungers ueberwand ich nach einigen Minuten des Wartens, waehrend derer wir alle planlos vor der fuer den Empfang vorgesehenen Buehne herumsassen, meine Scham und fragte, ob ich mich mal eben schon mal dem etwa zwei Fussballfelder umfassenden Buffet zuwenden duerfe. Gluecklicherweise wurde daraufhin beschlossen, dass man erstmal essen koenne.. und ich durfte mich austoben! Es gab einfach ALLES! Schwarzwaelderkirschtorte, Gnocchi, Falaffel, Parathas, Idli Sambar, Sushi, Obstsalat, Tomatencremesuppe, Kaesekuchen, Kababs, Halwa, Saefte, Biryani, Chole Culche, Pizza, Eis.. einzigartig! Leider war ich mehr mit essen als mit Konversationen beschaeftigt und ueberhaupt hatte ich das Gefuehl,dass auch auf meine verzweifelten Versuche hin nicht wirklich eine gute Unterhaltung zustande kam. Glueckicherweise war das Event recht schnell vorueber: Gegen 23 Uhr liessen wir uns ganz unverbindlich mit dem Brautpaar ablichten und dann begaben wir uns auch schon gen Ausgang. Sanyat hatte in der Zwischenzeit seinen Abend mit zwei weiteren Stunden im verstopften oeffentlichen Personennahverkehr verbracht (Rueckkehr nach Povai) und stand nun aber puenktlich auf die Minute vor dem marriage ground bereit, um mich abzuholen – auf einem von Kulwant entliehenen Motorrad! So cool! Ohne Helm rasten wir durch die Stadt und ueber weite Highways, durch im Gegensatz zum unheimlichen naechtlichen Delhi noch lebendige und vollkommen ungefaehrlich wirkende Strassen, die frische Nachtluft geniessend.. um die 25 Kilometer mussten wir zuruecklegen, bis wir unser Heim in Povai erreichten, wo wir erschoepft zusammenbrachen. Mumbai hatte sich mir an diesem ersten Tag unseres Aufenthalts von einer ganz anderen Seite gezeigt, als ich es in Erinnerung hatte.. oder vermutlich hat sich meine Einschaetzung dieser Stadt nur sehr veraendert, seit ich Delhi kennengelernt habe. Mumbai wirkt im Vergleich zur Hauptstadt einfach so viel freundlicher, offener, mediterran.. Delhi kann man da nur als alten Drachen, als verbitterte Hexe bezeichnen.. als abweisend. Das macht schon der Stil deutlich, in welchem die Wohnhaeuser gebaut sind: Waehrend man in Delhi wenige bis keine Fenster in den Wohnungen findet, ist in Mumbai alles offen, voller Licht und luftdurchlaessig. Eine Erklaerung sind natuerlich die in Delhi herrschenden extremen Temperaturen.. und die grosse Feuchtigkeit, mit der Mumbaikars im Sommer umzugehen haben und welche bei fensterloser Bauweise die Wohnung starkem Schimmelbefall aussetzen wuerde. Mumbai wirkte so aktiv, die in den Strassen treibenden Menschenmassen machten einen so geschaeftigen Eindruck, dass das Gedraenge weniger aggressiv erschien als das, was man aus Delhi gewohnt ist. Aber vielleicht spielte bei solchen Vergleichen auch meine Ferienlaune und Urlaubsstimmung eine grosse Rolle, die einen die Bedingungen etwas entspannter analysieren lassen. Selbst die Menschen mit ihren meist suedindisch-offenen Gesichtern kamen mir huebscher vor als der durchschnittliche Delhiite. Aber naja, wie viel an diesen ganzen quasi-empirischen Erkenntnissen dran ist, bleibt zweifelhaft. Das dauernde Vergleiche-Anstellen war jedenfalls auf Dauer relativ ermüdend, aber ich konnte es irgendwie nicht abstellen..

Land Titling Bill - Criticism einer Ahnungslosen

Anfang Februar nahmen Isha und ich durch Shalini, eine 40jährige Klassenkameradin, die die letzten zwei Jahrzehnte in Kalifornien gelebt hat, Kontakt mit einer Art NGO auf, die sich auf den Schutz und die Stärkung der Bodenrechte der bäuerlichen Landbevölkerung konzentriert. Beim ersten Treffen machten die beiden anwesenden Gründer der neuen NGO, welche unter sich mehrere Duzend seit Langem in der Angelegenheit tätige NGOs aus ganz Indien vereinen zu sucht, den Eindruck, radikal (kommunistisch, oder wenigstens sozialistisch) angehaucht und extrem unorganisiert zu sein. Ohne dass man uns überhaupt nach unserer Meinung fragte, wurden wir zu Mitgliedern ernannt und man vertraute uns, dem Thema vollkommen fremden Erstsemestern, Rechercheaufgaben an. Smita, in meinen Augen die Obergenossin, hatte es sich zum Ziel gemacht, einen offenen Brief an die indische Regierung zu schreiben, in welchem alle möglichen mit Bodenrecht in Verbindung stehenden Gesetze, Gesetzesentwürfe und Verwaltungsangelegenheiten zu kritisieren. Sich auf ihren Lehrauftrag als Professorin an der (anerkanntermaßen sehr linksgerichteten) Jawaharlal Nehru University (JNU) Delhi berufend, zog sie Isha, mich und Sneha (Studentin der social sciences) heran, eine einseitige Kritik zu einem Thema unserer Wahl zu verfassen.. ich ergatterte das Thema Land Titling.

Aufgrund meiner Faulheit im letzten Heidelberger Semester in Sachen Landrechten gänzlich unbewandert und hinsichtlich der rechtlichen Situation im common law system schon gleich vollkommen ohne Ahnung kam ich mir doch leicht überfordert vor mit dieser Aufgabe. Ich verstand noch nicht einmal, was an Land Titling denn so neu sein soll.. in der kommenden session der Lok Sabha soll nämlich ein Gesetzesentwurf diskutiert werden, welcher vorsieht, in Indien ein System von durchnummeriertem Grundbesitz einzuführen. Der Käufer einer Parzelle muss den Eigentumsübergang für dessen Wirksamkeit von öffentlicher Seite registrieren lassen.. das Prozedere gleicht damit dem in Deutschland üblichen Erfassung von Eigentums- und Besitzverhältnissen im Grundbuch. Sobald ich das verstanden hatte, wurde mir bewusst, dass folglich in Indien bisher ein anderes System vorherrschen müsse. Indeed. Es ist das Deed System. Wer vor einem indischen Gericht nachweisen möchte, dass er der Eigentümer eines Grundstücks ist, kann sich nicht auf ein offizielles Register oder eine Eigentumsurkunde berufen, sondern als Nachweis sind nur sog. deeds zugelassen – Dokumente, die mit einem Eigentumsübergang verbunden sind und einen solchen vermuten lassen können, sozusagen. Das können Kaufverträge sein, oder Hypotheken und solche Sachen (ganz genau versteh ich’s auch nicht..). Das deed system hat den Nachteil, dass Eigentümerschaft mit einer solchen Urkunde nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden kann und um seine Rechtsposition ausreichend klar zu machen ist es deswegen oft nötig, eine ganze Kette von Eigentumsübergängen vor Gericht aufzuzeigen, um die Wirksamkeit des eigenen Kaufes glaubhaft zu machen. Das führt dazu, dass der Eigentumsnachweis kompliziert und langwierig ist – weswegen in Indien 80% der vor der niederen Justiz anhängigen Klagen in Verbindung mit Eigentumsstreitigkeiten stehen. Das Prozedere geht übrigens auf die britischen Kolonialherren zurück: In der Anfangszeit der East India Company reichte es zum Eigentumsnachweis aus, ein vom britischen Monarchen unterzeichnetes Dokument vorzuweisen, in welchem einem das umstrittene Stück Land vom König zum Geschenk gemacht wurde. Um das umständliche und überkommene System zu reformieren, sollen fünf verschiedene Behörden eingerichtet werden, die mit Registration, Land Evaluation und Ähnlichem befasst sind. Die Umstellung wird schätzungsweise zehn Jahre dauern.

[die Treffen der NGO fanden im Gebäude einer lustigen Behörde statt]

It is unquestioned that the need for a reform of the Indian land rights system will be satisfied by the enactment of the Land Titling Bill, 2010 through replacement of the overcome deeds system with a system of conclusive land titles, providing ownership security, thereby reducing the prevalence of land disputes which currently constitute approximately 80% of suits before the lower Indian judiciary. While improving the access to information about land and thus facilitating transfer of property, a factor which will primarily benefit the economically strong sections of society, the Bill, however, completely fails to address the rights and interests of the disadvantaged, mostly poor rural population (amongst them 90 million tribal people) who live in communities whose traditional concept of land use and land occupancy is to a large extent incompatible with the system of conclusive titles to be introduced. The survival of these groups of society is strongly based on the availability of communal property which they have been using since time immemorial, relying on customary patterns.

As laid down in the Village Panchayat Acts of the States, property which belongs to or is administered for the villagers in common shall vest in the panchayat and be administered by it for the benefit of the villagers. As held in Jagpal Singh v. State of Punjab (decided by the Supreme Court in January 2011), “the vesting of the property with the State does not mean that the common rights of villagers are lost by such vesting”.

According to the Theory of Public Trust, the State holds public resources as a trustee for the public and it can alienate or dispose of such property only in a way which is in execution of and consistent with the nature of such trust. When the State has to balance two or more conflicting interests, it has to “make a distinction between its general obligation to act for the public benefit, and the special, more demanding obligation which it may have as a trustee of certain public resources” as was referred to in Intellectuals Forum, Thirupati v. State of Andhra Pradesh and Ors. The State must hence predominantly protect the rights of the people for whose benefit it administers a public resource and prefer their interest over that of the society at large. In the case of the marginalized rural population this doctrine becomes all the more sensible as peasants often have to rely on their village land to sustain themselves and will not profit from any industrial or commercial project set up in its place, although any such development might serve the purpose of industrialization and as such be in the interest of society at large.

When contemplating the management of communal property, the principle of sustainable development with its elements of intra- as well as inter-generational equity has to be considered. Not only do the rights of the rural population have to be protected against the interest of those belonging to economically more developed groups, but also do the needs and prospects of future generations to be kept in mind: Children and grand-children of those who have been relying on communal property will otherwise be deprived of any means of livelihood.

However, the Bill does not provide for a differentiation in title between general government property and state property to be administered for and kept available to villagers. The Supreme Court has in the Jagpal Singh case issued directions to all State Governments to prepare schemes for eviction of unauthorized occupants of Gram Sabha/Gram Panchayat/Poramboke/Shamlat Land and to restore the same for the common use of villagers of the village. In keeping with this directive, the communal properties should be permanently marked and declared as such, with an appropriate and distinct title to avoid future dissolving of such holdings into common state owned land.

It is furthermore imperative to strengthen the rights of occupants of land who do not have any deeds on the same despite inhabiting and cultivating them for years and even several generations. Their rights must not get lost in the process of registration and land titling. In the current scenario, people who have been continually possessing land without permission of the lawful owner can after 12 years claim title on basis of adverse possession. Under such circumstances, the formerly lawful owner loses his rights of ownership due to limitation. Provisions should be introduced into the Land Titling Bill, 2010, for these occupants to likewise obtain ownership titles in the course of the registration process – in the present draft of the Bill, only s. 19 (5) (iv) vaguely refers to “customary rights” when laying down which details can be presented before the Authority for the purpose of claiming a title. To secure that the occupants’ rights are respected, the Bill should be altered and the claim of adverse possession should be explicitly mentioned as a means of obtaining an ownership title.