Am nächsten Tag fuhren wir nach Chittorgarh, eine 170 Kilometer von Udaipur gelegene Stadt, die für das mit einer Fläche von 2,8 Quadratkilometern größte Fort Indiens bekannt ist. Das Fort, das auf einem aus der vollkommen flachen Umgebung ragenden, 180 Meter hohen Felsen thront, wurde schon 730 n.Chr. erbaut und diente der Rajputfamilie der Mewars für über 800 Jahre als Hauptstadt ihres Königreichs. Das Fort wurde im Laufe seiner Geschichte viele Male von muslimischen Eroberern, welche sich im nördlich gelegenen Delhi niedergelassen hatten, angegriffen. Die Rajputenherrscher leisteten den Eroberern erbitterten Widerstand, wobei oft die gesamte Bevölkerung des Forts und das ganze Heer der Mewars in Schlachten und durch Belagerungen umkam und nur wenige Angehörige der Herrscherfamilie überlebten, welche das Geschlecht weiterleben ließen.
[in einem Shiva-Tempel im Fort.. eines der lächerlichsten Götterbilder, das ich je gesehen habe]
Der erste Angreifer war der Sultan Alla Uddin Khalji. Der Legende nach begab er sich zum Fort von Chittorgarh, weil er von der Schönheit der dort lebenden Prinzessin Padmini gehört hatte. Zwar wurde ihm Einlass in die Festungsanlage gewährt, jedoch war es ihm nicht erlaubt, Padmini direkt anzusehen, sondern es wurde ihm in einer Vollmondnacht lediglich ihr Spiegelbild gezeigt. Daraufhin verliebte sich Alla Uddin Khalji natürlich unsterblich und beschloss, das Fort einzunehmen. Monatelang lieferten sich die Soldaten beider Seiten schwere Schlachten, wobei die Truppen der Mewars schließlich unterlagen.. die alleine im Fort befindlichen 13000 Frauen der Verstorbenen waren somit den grausamen Eroberern ausgeliefert. Um ihrem sicheren Schicksal zu entgehen, beschloss Padmini, sich umzubringen und so verbrannte sie sich gemeinsam mit ihren 13000 Leidensgenossinnen in einem großen Feuer. Unfassbar gruselige Geschichte.. noch schockierender ist, dass diese Praxis sich im Laufe der Geschichte dreimal (nach Belagerungen durch verschiedene Angreifer) wiederholt haben soll. Bei Ausgrabungen vor einigen Jahren wurde scheinbar auch eine riesige Ansammlung von Asche gefunden, welche die Überreste des Scheiterhaufens darstellen könnte.
[der 37 Meter hohe Siegesturm, der anlässlich der erfolgreichen Rückeroberung des Forts von Sultan Khalji um 1460 erbaut wurde.. sehr verwunderlich, dass dieser 9stöckige Hindutempel nicht von den späteren muslimischen Angreifern zerstört wurde]
Der letzte Angreifer war im Jahre 1565 der Mogul Akbar, welcher das Königreich Mewar seinem nordindischen Imperium einverleiben wollte. Konfrontiert mit der Übermacht der feindlichen Truppen beschloss der damalige König von Mewar, Rana Sangram Singh, seinen Sohn und Erben Udai Singh durch eine List vor dem sicheren Tod zu retten. Obwohl Sangram Singh dafür von seinen Zeitgenossen zunächst als Feigling kritisiert wurde, sollte sich seine Entscheidung später als sehr klug erweisen.. Udai Singhs Amme legte ihren eigenen Sohn in das Bett des Prinzen, wo er von den feindlichen Soldaten getötet wurde, und schmuggelte den Thronfolger in einem Wäschekorb in Sicherheit. Der Prinz wuchs mit den wenigen Überlebenden des Angriffs Akbars in den Bergen des heutigen Udaipurs auf.
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