Mittwoch, 19. Januar 2011

Udaipur


[am Morgen, als ich in meinem Bett direkt am Fenster unseres Seeblick-Zimmers erwachte, hatte ich eine unfassbar gute Aussicht auf das im Morgennebel gelegene Udaipur]

In Udaipur verbrachten wir den folgenden Tag damit, uns den märchenhaft am Pichola-See gelegenen City Palace anzuschauen. Den Grundstein des Palastes legte im Jahr 1580 der aus Chittorgarh gerettete Udai Singh, seine Nachfolger erweiterten den Palast im Laufe der nächsten 300 Jahre, sodass das heutige Gebäude eine Verschachtelung von mehr als elf Einzelpalästen darstellt (wie man die gezählt hat, ist mir unklar). Meine Vermutung, dass das Hollywood-Far-East-Fiction-Märchen „The Fall“ hier gedreht worden sein könnte, bestätigte sich nicht.. stattdessen lernten wir aber, dass der Palast als Kulisse für „James Bond – Octopussy“ gedient hatte, weswegen diese 007-Episode in mehreren Restaurants der Stadt allabendlich gezeigt wird!

[der City Palace vom Pichola-See aus]

Das Palastmuseum war recht staubig, stellte aber auf vielen lustigen grundschulwasserfarbenartigen Bildern Anekdoten aus dem Hause Mewar dar.. besonders tragisch ist die Geschichte von Chetak, dem Pferd von Maharana Pratap, Udai Singhs Enkel. Maharana Pratap nämlich beschloss, das Fort von Chittorgarh von Akbar zurückzuerobern. Die Armeen der beiden Herrscher stießen auf dem unterhalb der Felserhebung von Chittor gelegenen Haldighat (einer großen Ebene) zusammen, wo sie sich eine stundenlange Schlacht lieferten. Maharana Pratap persönlich versuchte, den Offizier Akbars Truppen, den mit den Muslimen kooperierenden Raja Man Singh aus Jaipur, mit seiner Lanze zu töten. Man Singh duckte sich geschickt, so dass die Lanze Prataps sich stattdessen in den Kopf des Kriegselefanten bohrte, auf welchem Man Singh ritt. Zu derlei Heldentaten waren die Mewar-Streiter in der Lage, doch die Soldaten Prataps waren den Moguln zahlenmäßig stark unterlegen, so dass eine Niederlage unausweichlich schien. Als Pratap sich von feindlichen Soldaten umringt sah, schlug die große Stunde seines stolzen Hengsts Chetak: Das Pferd preschte durch die feindliche Linie, wobei es tödlich verwundet wurde – es gelang ihm noch mit letzter Kraft, seinen Reiter in die dicht bewaldete Wildnis der Aravalli-Berge zu tragen, wo es dann einen heldenhaften Tod starb. Dem Schlachtross sind in Udaipur einige Standbilder gewidmet, die allesamt einen recht merkwürdigen Eindruck machen.. das reiterlose Pferd sieht fast aus, als wäre das Monument nicht fertig gestellt worden.

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