Montag, 24. Januar 2011

eine sonntägliche Radtour

[ich cruise durch die ruhige, ja ausgestorbene, für Delhi ungewöhnlich liebliche Gegend um das Supreme Court]

Mitte Januar, die Höchsttemperatur hatte gerade ein wenig zu steigen begonnen, unternahmen Sanyat und ich einen kleinen Sonntagsausflug.. wir fuhren frühmorgens 15 Kilometer in den Süden zur Indraprastha Metro Station, wo wir uns eines der Delhi-weit 40 metroeigenen Mietfahrräder ausliehen. Auch wenn die Zahl bei täglich mehr als 1,5 Millionen Metronutzern verschwindend gering erscheint, braucht man sich nicht sorgen, zu kurz zu kommen.. die staubigen Gefährte verbleiben so gut wie immer in den kleinen Fahrradschuppen, neben welchem ein Plastikstuhl deponiert ist, auf dem die Person mit dem langweiligsten Beruf der Welt die Zeit totschlägt. Wagemutig liehen wir uns je ein grünes Vehikel und traten schon bald voller Elan in die Pedale.. da es Sonntagmorgen war und die Gegend von Verwaltungs- und Gerichtsgebäuden, kulturellen Zentren und Firmenzentralen dominiert ist, kamen wir auf den breiten, tadellos in Stand gehaltenen und nun am Wochenende wie leergefegten Straßen ganz gut voran.. vorbei an Asiens größtem Busdepot und dem gigantischen Akshardam-Tempel fuhren wir gen Westen, überquerten die sich schwarz und stinkend dahinwälzende Yamuna und passierten das Jawaharlal Nehru-Stadium. Wie ich das Gefühl eines Sonntagmorgens liebe.. Männer spielten auf staubigen Brachflächen Cricket und selbst die Rikshafahrer (zumindest in dieser am Wochenende recht ausgestorbenen Gegend) schienen sich ein bisschen Zeit freizunehmen und scherzten, auf dem Bordstein vor ihrer behelfsmäßigen Zeltunterkunft sitzend, mit ihren Kindern herum.. Und mit dem Fahrrad kann man seine Umgebung einfach so viel flexibelspontanschneller erkunden. Delhi zeigte sich von einer ganz neuen Seite.. bei einem Preis von 10 Rupien für die ersten vier Stunden, quasi unbegrenztem Fahrradvorrat und momentan recht angenehmen klimatischen Bedingungen bietet sich eine Wiederholung dieses gänzlich unindischen Zeitvertreibs durchaus an :)

[die Yamuna mit der dahinterliegenden Indraprastha Power Station]

2 Kommentare:

Doro hat gesagt…

Wo du sagst, wie sehr Du solche frühen Sonntagmorgenunternehmungen liebst, kommt Deine Lebensfreude und Energie zum Ausdruck. So warst Du schon als kleines Mädchen. Schön. Es war für Dich schon immer eine Zeitvergeudung, Sonntagmorgende zu verschlafen (ist das wirklich der Plural von Morgen? Ich glaube ja, klingt aber seltsam, gell?!) LG

PAPA hat gesagt…

Ich sehe immer mehr, dass wir uns so ähnlich sind. Wäre gern dabei gewesen und hätte gern auch früher in Graz mit dir mehr Touren per Rad oder zu Fuss durch die Berge unternommen. Oft saß ich Sonntags morgens um 8 schon auf dem Schlossberg mit einem Buch und habe den sich lichtenden Morgennebel genossen und erlebt, wie die Stadt erwachte. Bei einem Cafe auf der Murinsel und einem Croissant die einsame Zeit doch irgendwie gelebt und doch nicht das gehabt, was ich mir wünschte. Ewige Unzufriedenheit. Mit was? warum? Ich wünsche Dir, dass es Dir gut geht.