[erst im Licht des folgenden Tages nahmen wir die ganze Pracht des ehemaligen Forts wahr]
Am nächsten Morgen besichtigen wir das Meherangarh Fort in Jodhpur, wobei die die Festungsanlage umgebende Altstadt mit ihren verwinkelten Gässchen und den blau gestrichenen Gebäuden wie immer Bewunderung hervorrief. Auch die Besichtigung des Forts selbst war interessant, Elefantensattel, Schwerter und aus Glas und Gold gearbeitete Sänften kann man sich immer wieder anschauen.
Am Nachmittag spazierten wir durch die Altstadt, die nach wie vor eine der interessantesten und schönsten ist, die ich in Indien bisher gesehen habe. Auch Mama und Leonard gefielen die engen Straßen, in denen man kaum mit der schieren Überflutung an Reizen und Eindrücken aller Art umzugehen weiß.. an jeder Ecke gibt es etwas anderes zu sehen. In kleinen Werkstätten, kaum aus einem einzelnen, halbhohen Raum bestehend, gehen Männer den verschiedensten Handwerken nach.. aus Süßigkeitenläden strömen verlockende, süßsäuerliche Milchdämpfe durch die Gassen.. ab und zu muss man zur Seite springen, wenn eine aufdringlich hupende Riksha oder ein rücksichtslos heizendes Motorrad an einem vorbeidrängt.. dabei muss Rücksicht genommen werden auf Straßenhunde und Passanten, die große verschnürte Pakete auf ihren Köpfen balancieren.. und auf die an beiden Straßenseiten verlaufenden offenen Kanäle sollte man aufpassen, in denen sich Müll und Betelnussspucke angesammelt hat und aus denen hin und wieder eine Ratte neugierig hervorlugt.. der Ausflug führt vorbei an halb verfallenen, orientalisch verzierten Altbauten, in deren Erdgeschoss sich ein Handyladen angesiedelt hat.. an Gemüsehändlern, die auf ihren Handkarren Blumenkohl und Kürbisse anbieten.. an kleinen Tempeln, die sich unter die dicken Luftwurzeln eines 20 Meter hohen, jahrhundertealten Banyan-Baum ducken, welcher seine schweren Äste über die umliegenden Gassen reckt..
[ein Ghee-verschmierter, glubschäugiger Weggefährte Ganeshas.. gesehen an einem roadside Tempel von der Größe eines Kühlschranks in einer der Altstadtgassen]
Ich hätte die Entdeckungstour noch stundenlang fortsetzen können, doch da es langsam dämmerte und unsere Magen grummelten, wechselten wir um 18 Uhr kurzerhand die Welten und fanden uns bald in einem noblen Restaurant wieder, wo wir von einem angenehm beheizten Saal aus in den von Lichtern beleuchteten, regennassen Garten schauen konnten. Begleitet von melodiösen Sitar- und Tabla-Klängen speisten wir eine von den Moguln eingeführte und damit muslimische Spezialität: Kabab. Diese indische Variante des Barbecue besteht ursprünglich aus rot mariniertem Fleisch oder, in der vegetarischen Form, aus gewürzten Gemüse- und Käsestückchen, die auf Spießen im Tandoor, dem traditionellen Lehmofen, gebacken werden. Dazu isst man grünes Minzchutney, rohe Zwiebeln und Brot.. sooo gut. Nach diesem sehr zufriedenstellenden Abendessen wurden wir netterweise auch noch in unser entlegenes Edelfort zurückgefahren. Damit endete ein wahrhaft royaler Tag :)
1 Kommentar:
Der Tag in Jodhpur war wirklich schön, das Fort beeindruckend und die Altstadt auch sehr sehenswert. Leider war irgendwann das Licht zu schwach, um noch mehr Fotos zu machen.
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