Am Abend des 25. Dezember brachen Mama, Leonard und ich zu einem ausgedehnten Rajasthan-cum-Agra-cum-Haridwar-Nordindientrip auf. Zunächst fuhren wir mit unseren aufgrund großer Packdichte schwer auf uns lastenden Rucksäcken in einer zur schönsten rush hour-Zeit ebenso dicht bepackten Metro zum Busbahnhof Bikaner House, welchen wir einigermaßen komprimiert und zerfleddert erreichten (da ich mit meinem Gepäck zwischen einigen streitenden Sardarjis steckenblieb, gelang mir das Aussteigen nur aufgrund des geistesgegenwärtigen Zugreifens eines Passanten, der mich an den Armen aus dem Getümmel auf den Bahnsteig zog). Im uns von unserer Pushkar-Reise wohlvertrauten VOLVO verließen wir Delhi gen Westen.. die Reise war leider nicht ganz so luxuriös, da wir uns aufgrund der cineastischen Vorlieben einiger Mitreisender dem auf voller Lautstärke spielenden Abschaum der indischen Filmlandschaft ausgesetzt sahen (Golmaal 3.. der Film ist dermaßen schlecht, dass ich das Kino nach 20 Minuten verließ, als ich den Versuch unternahm, ihn mir anzuschauen.. glücklicherweise in einem von Riksha-Wallas frequentiertes Uraltkino mit wackeligen Holzsitzen und Ticketpreisen um die 30-50 Cent, da kann man so ein riskantes Unterfangen schon mal wagen). Sanyat reiste im selben Bus wie wir, stieg aber am nächsten Morgen gegen 6 Uhr in Jodhpur aus (Mission Heimaturlaub), wohingegen wir noch gute fünf Stunden weiterfuhren.. nach Jaisalmer.
Dort mieteten wir uns im mir schon seit Jahren bekannten Hotel Shahi Palace ein (wollte dort eigentlich schon 2008 wohnen, musste dann aber meine Reise nach Jaisalmer wegen der geographischen Nähe zu Pakistan und der daraus resultierenden vermeintlichen Terrorgefahr absagen). Am Nachmittag begaben wir uns auf eine Jeepsafari, wobei uns Dauer, Umfang und Destination selbiger aufgrund Sprachblockade unbekannt waren und jeder Zwischenstopp eine Überraschung darstellte.
[Leonard und Mama in der uns unverständlichen Grabmalanlage]
Zunächst besichtigten wir ominöse Grabstätten (Cenotaph?) und einen einigermaßen langweiligen Jain Temple.. dann bretterte der Fahrer stundenlang mit atemberaubenden Karracho durch die Wüste, um uns endlich an einem Wüstencamp abzusetzen. Dort bestiegen wir fröhlich (und wieder vollkommen ahnungslos) ein paar Kamele, welche ungerührt mit uns in Richtung einer massiven Sanddüne davontrotteten. Dort wurden wir von den camel drivers ab-, vielmehr ausgesetzt: In zwei Stunden würden die Führer mit ihren Kamelen zurückkommen und uns aufsammeln. Mit diesem knappen Hinweis wandten sie uns den Rücken und galoppierten von Dannen.
[Leonard hing wie ein nasser Sack auf seinem Kamel, das irgendwie eingegangen und wie eine Nummer zu klein aussieht..]
Wir spazierten also durch die schön anzuschauende Landschaft und bewunderten die Formen des Sandes, Pillendreherkäfer, Erdwurmlöcher und Wüstenbüsche. Nachdem wir den Sonnenuntergang (irgendwie unspektakulär) abgewartet hatten, transportierten uns die Kamele zum Camp zurück, wo wir stunden in der Kälte ausharrten, um ein kulturelles Abendprogramm dargeboten zu bekommen.. dem Kältetod nahe sahen wir uns an, wie ein Mädchen traditionelle rajasthanische Tänze vorführte, wobei sie ziemlich lustlos wirkte (kein Wunder, wenn man jeden Abend ohne Grund einfach so vor einer Gruppe halbherzig Interessierter herumspringen muss). Die Tatsache, dass sie barfuß auf dem kalten Betonboden herumwirbelte, verstärkte meine Gänsehaut noch erheblich.. Nach dem Abendessen (der eigentliche Grund für unser Warten), welches eine lustige grasartige, sehr sauer schmeckende Wüstenbohnenart beinhaltete, rasten wir mit dem Jeep ins Hotel zurück.. dabei schlief ich dauernd für Zeitspannen von einigen Sekunden ein, obwohl wir aufgrund der wieder recht ansehnlichen Geschwindigkeit ab und zu von unseren Sitzen abhoben.. als wir ausstiegen und uns ins Hotel begaben, fragte Leonard: „Hast du dem jetzt Trinkgeld gegeben?“ „Nee.. die Safari war ja teuer genug und der wird hier bestimmt gut bezahlt.. wieso denn überhaupt?“ „Hm, ich glaub.. dass er die ganze Zeit erzählt hat, wie hart er arbeiten muss und dass viele Gäste im deswegen was extra geben, war ein Wink mit dem Zaunpfahl..“ „Was? Hat der sowas gesagt..?“ „Äh.. ja. Und du hast auch drauf geantwortet..?“ Muss ich irgendwie verpennt haben :)
2 Kommentare:
"Bhagwan", so klein war das Kamel aber sicher nicht, liegt wohl an der Perspektive, da du von oben runter fotografiert hast. ;-o
Ich hing ja wohl noch viel schlimmer drauf. Konnte mich mit dem Geschaukele nicht wirklich anfreunden und der Sattelknopf zum festhalten war so klein.
Hoffentlich habt Ihr jetzt bald genug davon, auf geschundenen Kamelen durch entweder gnadenlos heiße oder erbarmungslos kalte Wüsten zu reiten! Und was liegt da eigentlich überhaupt für ein Prügel rum? Werden damit die Kamele durch diese Wüsteneien geprügelt - oder ist das gar ein Knochen von einem, das diese Schindereien nicht überlebt hat????
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