Am nächsten Tag besuchten wir die in der Altstadt Jaisalmers gelegene Singh ki Haveli. Haveli heißt möglicherweise in etwa sowas wie „luftiges Haus“ (von hava: Luft, Wind) und zwar aufgrund der Höhe des Gebäudes und der durch die aufwändigen Verzierungen quasi perforierten Wände. Im Internet steht aber auch, dass das Wort persischen Ursprungs ist und "umschlossener Ort" bedeutet..
Die Haveli wurde um 1815 von Salim Singh, dem damaligen Premierminister des Staates Jaisalmer erbaut. Der ehrgeizige Politiker wollte durch den ausgeklügelten Bau und sehr feinen Steinschnitzereien seine Macht architektonisch darstellen. Um seinen Einflussreichtum und seine Nähe zum im Fort lebenden Maharaja sichtbar zu manifestieren, plante er, eine Brücke vom obersten Stockwerk seines Hauses zu den auf gleicher Höhe doch einige hundert Meter entfernt befindlichen Fortmauern konstruieren zu lassen. Diese Pläne gefielen dem Maharaja natürlich wenig, weswegen er die oberen zwei Stockwerke des Gebäudes einreißen ließ. Dadurch blieb die Festungsanlage die höchste Erhebung in der Umgebung.
Die Besichtigung der Haveli war sehr interessant, weil der Führer allerhand über die Lebensweise ihrer früheren Bewohner zu erzählen hatte. So wurde zum Beispiel Wasser, welches in Jaisalmer natürlich knapp bemessen war, fünf Mal (oder noch öfter?) benutzt – zunächst für das Waschen des Körpers, der Wäsche, des Geschirrs, des Bodens, für die Toilette und schließlich zum Gießen und Düngen der Pflanzen (soweit ich mich erinnere). Überraschend war auch die Innenausstattung des obersten Zimmers, dessen Wände komplett mit aus Belgien importierten Spiegeln und Christbaumkugeln ausgeschmückt ist.
Beeindruckend ist, dass das Haus nach dem Baukastenprinzip erbaut ist. Die einzelnen Steinplatten und Säulen, Geländer und Arkaden sind alle ineinandergesteckt wie Puzzleteile und mit Eisenbolzen gesichert. Das Gebäude kann daher – das wurde uns auch vorgeführt – komplett auseinandergenommen und an anderer Stelle wiedererrichtet werden. Der Vorteil dieser Technik ist, dass sie die Errichtung der Haveli ermöglichte, ohne dass dafür ein einziger Tropfen Wasser (etwa für Mörtel) benötigt wurde.
3 Kommentare:
Besonders interessant war auch, dass das Gebäude mit steinernen Blüten, eine neben der anderen, verziert ist, die je nach Jahreszeit auch noch austauschbar sind, da per steinernem Schraubgewinde befestigt. Die ganze Stadt scheint aus dem goldfarbenen Stein zu bestehen. Jaisalmer war für mich einer der schönsten Orte der Reise. Bis auf die erbärmliche Kälte abends in der Wüste bei der Jeepsafari.
Hallo Vicky, das wäre ja dann die erste Plattenbauweise - interessant.
Wie ist denn eigentlich das Wetter z. Zeit, z. B. in Dehli? Eure Informationen bestehen im Moment in Frierbotschaften!? Ist dort jetzt auch "Winter"? Ist nicht die Monsunzeit die Winterszeit? Und da werden die Temperaturen so kalt bzw. kühl? Und dann ohne Heizungen? Gruß Caddi
Sehr interessant! Wie, "das wurde euch auch vorgeführt"? Haben sie mal kurz das Haus woanders aufgebaut, oder was ?! ;)
Und erwähnenswert:
der ausgesprochen gut aussehende Leonard auf dem Bild !!!
Schöne Grüße von Annette
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