Donnerstag, 20. Januar 2011

ein Elefantenritt durch den Jangal





Am nächsten Morgen begaben wir uns von 9 bis 11 Uhr auf einen Elefantenritt durch die umliegenden Wälder. Der elephant driver oder mahut, Joginder Singh, unterhielt sich sehr nett mit mir, ich erfuhr dass der Elefant namens „Mädchen“ 40 Jahre alt und drei Tonnen schwer war und am liebsten Bananen, Rotis und Blätter aß. Im Corbett National Park gibt es fast 500 wilde Elefanten, die nach Herzenslust in dem 520 Quadratkilometer großen Areal herumstreifen und dabei beachtliche Spuren hinterlassen: umgeknickte Bäume zum Beispiel. Übrigens fressen Tiger auch Elefantenbabys, aber für ausgewachsene Exemplare sind sie nicht gefährlich. Unser Elefant war außerdem kein wirklicher Wildelefant, sondern aus dem etwas südlich gelegenen Bundesstaat Bihar importiert. Er darf nie mit den Wildelefanten interagieren, weil diese ihn vermutlich als Eindringling in ihr Revier attackieren würden. Der Ritt war sehr angenehm, Elefanten laufen zwar gemächlich und bedächtig und sehr vorsichtig, sodass man als Reiter kaum durchgeschüttelt wird, aber sie haben schon eine ganz schöne Geschwindigkeit drauf. Der Vorteil über eine Jeepsafari liegt definitiv darin, dass sich Elefanten sehr elegant und überraschend leise selbst im dichten Unterholz bewegen können und außerdem von anderen Waldbewohnern als Teil des Interieurs angesehen werden. So konnten wir von unserem gemütlichen, hohen Aussichtspunkt friedlich grasende Sambar-Hirsche und andere Paarhufer in einer Entfernung von nur zwei Metern beobachten! Beeindruckend war, was für geschulte Augen der Mahut hatte – nicht nur war er es, der jedes einzelne Rotwildexemplar entdeckte, sondern er fand auch Eulen, Spechte und andere Vögel (der Nationalpark ist international für seine mehr als 500 Vogelarten bekannt). Außerdem sah er ein abgeworfenes Geweih auf dem Boden.. und dirigierte den Elefanten durch leichtes Drücken seiner nackten Füße hinter die Ohren des Elefanten, dieses mit seinem Rüssel aufzuheben und ihm zu überreichen.. ein tolles Souvenir, ein von Elefantensabber benetztes Geweih!

Der Nationalpark wurde übrigens nach dem britischen "Jäger und Naturschützer"Jim Corbett benannt. Ich hatte irgendwo gehört, dass er ein Großwildjäger war und hatte ein ziemlich schlechtes Bild von ihm, aber eigentlich liest sich seine Biographie etwas differenzierter.. er wurde 1875 als achtes Kind eines britischen Postbeamten in Nainital, einem Ort in der Nähe des Nationalparks, geboren und streifte schon in seiner Kindheit mit Vorliebe durch die Natur, lernte Spurenlesen und das identifizieren verschiedener Vogelrufe.. mit 18 brach er die Schule ab und arbeitete zunächst als Bahnangestellter mit der indischen Eisenbahn, dann wurde er Frachtführer an einem Umladebahnhof in Punjab.angestellt. Zwischen 1907 und 1938 tötete er insgesamt 33 menschenfressende Tiger und Leoparden (darunter Tiere mit Namen wie Champawat Tiger und den Panar Leopard), welche zusammengenommen mehr als 1200 Menschen getötet haben sollen.. in den 20er Jahren kaufte er sich eine Filmkamera und begann, die Tiere in ihrer natürlichen Umgebung zu filmen.. mehr und mehr setzte er sich für ihren Schutz und den Erhalt ihres Lebensraums ein und schrieb auch Bücher über die faszinierenden Katzen. Man kann ihn somit also nicht eindimensional lediglich als Großwildjäger abstempeln.

2 Kommentare:

die Mama hat gesagt…

Ja, das war wirklich interessant, wie überaus vorsichtig sich der Elefant bei Unebenheiten bewegte, wirklich genau prüfte, wo er seinen Fuß hinsetzen konnte, ohne uns zu sehr durchzuschütteln. Außerdem lernten wir, dass Elefanten etwa 18 Stunden am Tag mit Fressen und Schlafen beschäftigt sind.
Und durchstochene Ohren für Schmuck an Festtagen hatte "Mädchen" auch. Die Haut fühlt sich auch seltsam an. Muss sehr dick sein, und doch spüren die Elefanten wohl auch leichte Berührungen.
Die zwei Stunden waren definitiv zu schnell vorbei.

Laura hat gesagt…

oooh, der Elefant sieht so unglaublich gelassen und freundlich aus... war er das auch?