Das Drachensteigenlassen auf dem Dach des Gebäudes war lustig.. fast vier Stunden standen wir dort oben, es war angenehm windig. Der ungeübte Europäer könnte meinen, Drachensteigen wäre relativ langweilig – aaaber der Trick bei der Sache ist, andere Drachen zu „cutten“.. dh sie so zu kapern, dass man sie durch die eigene Leine mitkontrollieren (und vielleicht sogar einholen?) kann. So standen wir ewig dort oben, ließen uns von einer dicken Anlage mit der indischen Nationalhymne, Céline Dyon, Enrique Iglesias und Metallica beschallen und genossen die Zeit. Wir fragten dann mal nach, wie die Nachbarn in den Wohnungen neben der "Musikschule" eigentlich auf den Krach reagieren.. Antwort: da sich das Gebäude offiziell nicht in einer residential area befindet, haben die Anwohner keinen Anspruch auf Lärmschutz. So einfach ist das.
Dienstag, 17. August 2010
Vande Mataram – Happy Indipendenceday! :)
Am Sonntag, den 15. August, haben wir den 62. Jahrestag der indischen Unabhängigkeit gefeiert. Uns war im Voraus angekündigt worden, JEDER lasse am Nationalfeiertag Drachen steigen und verbringe den ganzen Tag auf dem Dach seines Hauses.. welche Ausmaße diese kindliche Form der Zelebration annehmen würde, konnten wir uns aber nicht im Entferntesten vorstellen! Erst als wir am Sonntag mit der Metro nach Westdelhi fuhren und dort die Schwärme bunter Papierdrachen über den Häusern sahen und die Menschengruppen, die sich tatsächlich auf jedem Dach versammelt hatten, verstanden wir. Amélie und ich waren von Bharat und den anderen Mitgliedern der Band „Radix“ in deren Jamming-Studio eingeladen worden.. als wir dort eintrafen, waren wir erstmal ziemlich überrascht. Statt schalldicht isolierter Wände fanden wir eine normale Wohnung in einem Mehrfamilienhaus in einer dicht besiedelten Gegend vor. In den drei Zimmern übten einige Menschen Gitarre und Schlagzeug.. scheinbar ohne sich dabei gegenseitig aus dem Takt zu bringen.. ist bestimmt gut für die Ausbildung eines unbeirrbaren Rhythmusgefühls. Die Radix-Bandmitglieder betreiben in dieser Wohnung auch eine Art Musikschule.. irgendwie beeindruckt mich das, wie eigentlich jeder hier neben der Ausbildung noch etwas anderes macht. Die Radix-Menschen investieren ihr komplettes Geld in Ibanez-Gitarren und Keyboards, um darauf zu unterrichten. Die meisten Menschen aus meiner „Klasse“ betreiben nachmittags entweder ein Zweitstudium oder besuchen Vorbereitungskurse für die Aufnahmeprüfung in den gehobenen Staatsdienst (genannt „Civils“, scheinbar versuchen sich darin jährlich 400.000 Inder und nur 50 werden eingestellt.. womit dieser Test der weltweit zweithärteste nach der Aufnahmeprüfung für Harvard ist oder so.. meinte jedenfalls so ein Typ, der sich auch darauf vorbereitet :)). Auch ganz gewöhnlich und vermutlich fast schon obligatorisch für den Jurastudenten, spätestens ab dem 2. Semester nachmittags bei einem Anwalt zu „internen“ (also äh.. ein Praktikum zu machen).. diese Praktika sind auf die Dauer des gesamten Studiums ausgerichtet und machen den Student mit der Praxis vertraut. Man übernimmt zunächst niedrige Papierarbeiten (ich bin überzeugt, dass es da einiges zu erledigen gibt) und später auch anspruchsvollere Recherchen..und wird dafür auch (eher schlecht als recht) bezahlt. Alternativ oder ergänzend bietet sich auch ein Nebenjob als Gerichtsdiener an, um einen Blick hinter die Kulissen werfen zu können.. also jedenfalls.. hab ich den Eindruck, dass die indische Jugend tatsächlich fleißiger ist als die deutsche.. und irgendwie versucht, ihre Zeit bestmöglich zu investieren.
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1 Kommentar:
Wie in dem Buch/Film Drachenläufer von Khalid ... aus Afghanistan!
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