Dienstag, 31. August 2010

Rajasthan High Court

Am Freitag statteten wir dem High Court einen Besuch ab. Schon vor dem Gebäude traf Sanyat eine seiner Tanten, eine Anwältin.. in dieser Familie haben ungelogen 80 % aller Menschen ein LL.B.-Degree! Im Inneren des sehr britisch wirkenden Gebäudes schlängelten wir uns durch Unmengen von Anwälten, die alle gleich aussahen: schwarz gekleidet, mit einer Art rüschenverzierten Kutte dekoriert. Einige grüßten Sanyat wie einen lange verlorenen Sohn (naja..fast).. Wir setzten uns in einen Gerichtssaal, in dem an diesem Morgen die division bench tagte.. ein aus zwei Richtern bestehendes Berufungsgericht in Zivilsachen. Der eine Richter, junior judge, hing gelangweilt in seinem Sessel, während der senior judge die der Reihe nach in ihrer Sache vorsprechenden Anwälte über die basic rules bzgl. der Zulässigkeit und Zuständigkeit in Berufungsverfahren aufklären musste und darüber zunehmend erzürnt war.. nachdem er einige Anwälte regelrecht zurechtgewiesen hatte, konnte sich der eine oder andere Kollege in den Reihen der Wartenden ein schadenfrohes Grinsen nicht verkneifen. Insgesamt war der Besuch leider kein besonders profitables Unterfangen, da hauptsächlich Hindi geredet wurde und auch das Englisch meist von einem so starken indischen Akzent geprägt war, dass ich wenig verstand. So beeindruckte mich neben dem aufsehenerregenden Gewand der Gerichtsdiener (weißes, knielanges Leinenhemd (kurta), weiße payamas, dicker Ledergürtel mit silberner Schnalle, in die die Ashoka-Säule eingeprägt ist (das Nationalsymbol Indiens.. eine Steinsäule, auf der drei Löwen sitzen) und knallroter Turban) vor allem die Kutte der Anwälte: auf dem Rücken hängt ein kleiner schwarzer Sack.. ich konnte mir einfach nicht erklären, wofür der gut sein könnte. Sanyat erklärte mir, dass ein Anwalt idealerweise nicht bezahlt werden sollte und der Klient daher lediglich eine freiwillige Zahlung machen könnte, indem er einen Betrag in das Säckchen wirft.. sehr spaßig, dass trotz der davon abweichenden Praxis alle mit so einem Beutel rumlaufen.

[am Abend besuchten wir ein geniales Restaurant mit angenehm windiger Terrasse und Blick auf den Palast]

2 Kommentare:

Doro hat gesagt…

Puh - bin ich froh, dass Märchen aus 1001 Nacht nur Geschichten sind und nicht Wirklichkeit. Was hätten denn wir wartend Zurückgebliebenen nur gemacht, wenn Vicky einen vermeintlichen Kurzbesuch in einer prächtigen orientalischen Umgebung gemacht hätte und bei ihrer Rückkehr festgestellt hätte, dass sie tatsächlich sieben Jahre lang weg war?
Noch zwei Kommentare:
Erstens - Das mit den Liedern müssen wir noch üben!
Zweitens - Glaube ist eine viel stärkere und verlässlichere Hilfe als der Verlass auf sonst irgendwas (Geld, Macht, Wissen, Intelligenz, Intellekt).

Doro hat gesagt…

Nur, dass ich nicht missverstanden werde: das nachrangig aufgezählte ist auch wichtig und macht stark (wenn auch nicht in der angegebenen Reihenfolge). Aber eben nur nachrangig.