Gegen halb acht befanden wir uns endlich am Busbahnhof und machten uns auf die Weiterfahrt nach Bharatpur, welches wir gegen zehn erreichten. Bharatpur liegt in Rajasthan, was uns auch dadurch deutlich wurde, dass die auf den Straßen zu sehenden Fuhrwerke plötzlich nicht mehr von Ochsen oder Pferden gezogen wurden, sondern von Kamelen.. die für diese Aufgabe irgendwie zu groß und schlaksig wirken. Eigentlich wollten wir uns im Keoladeo-Nationalpark, dem Ziel unserer (viel zu zeitaufwendigen) Reise, mit einigen französischen Bekannten Amélies treffen. Diese hatten sich aber am Tag zuvor durch den Verzehr eines Straßen-Samosas (leichtsinnig?!) eine Lebensmittelvergiftung zugezogen und schliefen noch. Wir besuchten sie an ihrem Krankenlager und es wurde Trost gespendet (allerdings nicht von mir, da ich mich, aufgrund der ausschließlichen Verwendung eines zu schnellen Französisch, außer Lage sah, mit irgendjemandem zu kommunizieren)… und so kam es, dass Amélie und ich erst gegen halb eins am Nationalpark waren. Dort diskutierten wir an der Kasse so lange herum, bis wir als Studenten der Delhi University für 20 statt 200 Rupien durchgelassen wurden. Wir entliehen zwei Fahrräder, wimmelten jegliche government-approved-bird-guides ab und traten dann endlich in die Pedale. Das Wetter war ideal, windig-wolkig und durch vorangegangene Regenfälle schön abgekühlt. Wir radelten auf Feldwegen durch die Savannen- und Sumpflandschaft.. und durch ein Meer aus Schmetterlingen, die rund um uns von den Pflanzen und den Kuhfladen aufstoben :) Im Zentrum des 30 Quadratkilometer großen Parks befindet sich eine ..Wasserlache, die um 1730 vom damaligen Herrscher Bharatpurs, Suraj Mal, als Reservoir angelegt wurde. 1899 ließ der von britischen Möglichkeiten des Zeitvertreibs begeisterte Prinz Harbhanji das Gebiet in eine Entenjagd umwandeln und den See vergrößern. In der Folgezeit lockte das Feuchtgebiet immer mehr Vögel, auch Zugvögel aus Europa und Russland, an – heute beherbergt er mehr als 140 Arten an Wasservögeln und gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe. Amélie und ich sahen auf unserer Safari vor allem riesige Pfauen (die bei unserem Anblick auf plumpe Weise von bodennahen Ästen hüpften, um mit einem dumpfen Aufprall im hohen Gras zu verschwinden), nervende Affen, Kühe und grunzende Wasserbüffel, erschreckend große Sambar-Hirsche und allerlei blau und schwarz und weiß leuchtende Vögel, wie z.B. Bulbuls (Nachtigallen). Besonders toll war auch das Rudel Hyänen-Babies.. Zum Glück nicht zu Gesicht bekamen wie die indische Kobra, Phytons und sonstige Vipern.
Sonntag, 22. August 2010
Keoladeo National Park, Bharatpur
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4 Kommentare:
Hallo Vicky
Antwort auf Deine Mail: ich Dich auch!
Bernd und ich haben heute nacht beide Geschichten von Vicky geträumt wie aus 1001 Nacht. Mit einer solchen Geschichte sehen wir Dich eventuell für die nächsten Tage in Jodphur konfrontiert. Wir wünschen Dir interessante Erlebnisse mit der Gastfreundschaft einer vornehmen indischen Familie und sind schon auf Deine nächsten Berichte gespannt. Dieser Bericht hier vom Nationalpark ist auch sehr interessant! Es grüßen Dich herzlich Bernd und Doro
Hallo Vicky, die Wolken über Eurem Nationalpark sehen aus wie bei uns. Sind das denn nun Monuswolken oder "normale"? Wenn das Monsunwolken sind, dann hieße das, daß bei uns in Europa monsunähnliche Wolken über den Himmel toben?
Bekommt Ihr eigentlich von der Überschwemmungskatastrophe in Pakistan etwas mit? Ist dieses Naturextrem wirklich so schlimm - oder wird das von der pakistanischen Politik und unseren Medien aufgebauscht? So kommt man ja vielleicht leichter an Spendengelder und fällt nicht anderen Gruppierungen anheim??? Wäre doch auch mal interessant zu wissen. Wünsch Euch noch viele interessante Eindrücke. Tausende Grüße Caddi
Hallo liebes Töchterlein,
Deine Beschreibungen sind so lebendig und begeisternd. Ich fühle mich, als wenn ich dabei wäre. Vielen Dank für diesen Genuß. Wäre gern auch dort.
Liebe Grüße von PAPA
hallo allesamt, danke fuer eure anteilnahme :) befinde mich nun zur zeit tatsaechlich in jodhpur und habe.. one hell of a journey :) teilweise 1001-nacht-like.. teilweise auch nicht.. und die gastfreundschaft ist echt unermesslich! weiteres folgt dann..nach meiner rueckkehr nach delhi..falls ich je zurueckkehre ;) was die fragen betrifft.. pakistan scheint die zahl der flutopfer tatsaechlich etwas verfaelscht zu haben,das berichten jedenfalls indische medien..die sind aber total anti-pakistan biased..also auch nicht vertrauenswuerdig. die regenwolken ueber dem nationalpark sind tatsaechlich monsunwolken.. zur zeit regnet es in nordindien immens, in delhi ist diese woche teilweise die uni ausgefallen (gut fuer uns da wir ja eh schwaenzen) und selbst die wueste rund um rajasthan ist ganz gruen..
bis bald bald!
vicky
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