Sonntag, 1. August 2010

Bangla Sahib Gurdwara / Akshardam-Temple



Am Donnerstag hab ich mir zusammen mit Amélie die Bangla Sahib Gurdwara angeschaut.. nachdem Anasuya empfohlen hatte, dass wir uns diesen ruhigen und angenehmen Ort anschauen sollten. Tatsächlich war der Besuch wieder sehr nett.. die Sikhs sind einfach so freundlich. Am Eingang wurden wir überschwänglich begrüßt und es wurde erklärt, dass wir uns die Füße und Hände waschen sollten und man sei erfreut und bedankte sich, dass wir hier seien. Auf dem eigentlichen Gurdwara-Gelände hatten wir alle Ruhe, keine aufdringlichen Menschen, die uns fotografierten, keine Verschleierungsvorschriften, die der Demütigung von Ausländern dienen. Wir wanderten um den großen Brunnen im Hof des Tempels herum, in dem sich die Gläubigen baden können (das Wasser sah allerdings sehr schlammig aus) und setzten uns anschließend für 20 Minuten in das wie immer mit flauschigdicken Teppichen ausgelegte Innere der Gurdwara, wo wir angenehmer Tabla-Musik und dem meditativem Gesang einiger Mönche (falls man sie so bezeichnet?) lauschten. Die Atmosphäre war ruhig und durch die Brise, die durch die großen Fenster hereinzog sehr angenehm. Beim Verlassen des Gebäudes wurde uns wie allen Gläubigen eine Süßigkeit in die Hand gedrückt und als wir unsere Sandalen am Eingang abholten, bedankte man sich erneut für unser Interesse. Von der Bangla Sahib Gurdwara begaben wir uns zum nahegelegenen Connaught Place, wo wir im Statesman House (einem der ältesten, von den Engländern erbauten Gebäude der Gegend) mit den anderen zum Tee verabredet waren. Ziemlich gute Erfindung: Ein Buchladen mit angeschlossener Teebar, man kann sich einfach ein Buch nehmen, einen Tee bestellen und sich in ruhiger Umgebung entspannen.

Einen Tag später besuchten wir gemeinsam mit Sanyat den Akshardhamtempel, den größten hinduistischen Tempel Delhis, der erst 2005 fertiggestellt und eröffnet wurde. Der Besuch war eher enttäuschend.. vor dem Tempel findet sich zunächst ein mindestens drei Hektar großer Parkplatz für PKW und Reisebusse, die Pilger herankarren. Hat man diese überquet, durchläuft man zig Sicherheitsschleusen, muss schließlich jede noch so kleine Handtasche an einem Schalter aufgeben.. dafür gilt es ein Formular auszufüllen, welches Auskunft über den Inhalt der Tasche gibt. Es wird ein Foto von Taschenbesitzer und Tasche gemacht. Handys und Kameras müssen gesondert (nicht als Inhalt der Tasche) abgegeben werden. Einzig der Geldbeutel darf mit ins Tempelinnere genommen werden – immerhin soll dem Gläubigen die kostenpflichtige Bootstour, der Besuch diverser Ausstellungen und die Benutzung von Erfrischungsständen ermöglicht werden. Zwar ist der Tempel mit seinen Sandsteinskulpturen und 145 lebensgroßen Steinelefanten sehr nett anzusehen.. jedoch war nichts von der spirituellen Stimmung der Gurdwara zu spüren. Die Pilger wälzten sich als drängelnder Strom durch das Innere der Marmorhallen, die durch die übertriebene marmorne Sterilität und das Glänzen der vergoldeten Gottheiten irgendwie unwirklich und abgehoben wirkte. Obligatorisch wurden Geldscheine in Opferbüchsen gesteckt (die üblicherweise dargebrachten Bananen und Süßigkeiten waren wegen der strengen Sicherheitskontrollen nicht vorzufinden) und das war’s dann auch. Für so einen 10minütigen Besuch pilgern Hindus in schlecht klimatisierten Reisebussen aus Südindien nach Delhi! Naja, immerhin klappern sie auf solch einer Tour noch andere heilige Stätten ab.. Einigermaßen ermüdet saßen Sanyat, Amélie und ich danach in einem Torgang, zu Fuß der großen Elefanten, und unterhielten uns über die Verkrustetheit der hinduistischen Religion, die heute hauptsächlich aus hohlen Riten besteht, deren Bedeutung weitestgehend verlorengegangen ist. Die meisten Gläubigen verehren Lakshmi (Göttin des Reichtums), Ganesh (Gott des Glücks) oder Sarasvati (Göttin der Bildung).. von den ursprünglich zentralen Gestalten – Vishnu, dem Erhalter; Shiva, dem Zerstörer und Erneuerer; Brahma, dem im Hintergrund stehenden, in alle vier Himmelsrichtungen zugleich schauenden Schöpfer – und den grundlegenden Ideen der Veden haben viele Hindus heute gar keine Ahnung. Dann wurden wir von irgendeinem garnichtsahnenden Wächter auch noch vertrieben (ja, klar, sitzen ist verboten).. und liefen dann ein bisschen lustlos durch die weitläufigen, geleckten Parkanlagen. Alles in allem nicht sehr mitreißend.

3 Kommentare:

die Mama hat gesagt…

Die Sicherheitsvorkehrungen sind vielleicht nicht ohne grund! gab es dort vielleicht auch schon terroranschläge? wenn es so riesenmengen menschen dort gibt.

Alexander hat gesagt…

Was ich interessant finde: Überall diese Bürokratie. Woher das nur kommen mag? Religiöser oder kolonialer Zusammenhang? Von der Uni bis zum Tempel gibt es Formulare - finde ich kurios und hätte ich nicht erwartet.

Laura hat gesagt…

hihi, habt ihr auch hinter dem ganzen flaum und flausch die Computer gesehen?

es ist faszinierend irgendwie, dass in dieser riesigen stadt du und ich nun ganz sicher schon einmal an genau dem selben Fleck waren :)