Ehrenwerte Leserschaft!
Wieder einmal ist mein Kopf angefüllt mit den verschiedenartigsten Eindrücken und wiedereinmal bleibt wenig Zeit, diese zu ordnen und niederzuschreiben.. hier dennoch der Versuch, die fabelhafte All India Pilgrimage, auf welche ich mich gemeinsam mit Reisegefährtin Henrike F. begeben habe, umfassend darzustellen.
Am Freitag, den 17. September, starteten wir um 17.30 Uhr unsere Pilgerfahrt – mit dem Zug verließen wir Delhi in Richtung Westen. Aufgrund meines in Indien stark hervortretenden Mangels an Organisation hatten wir erst drei Tage zuvor unsere Tickets gebucht und so für diesen ersten Zug nur waitinglist-Plätze ergattern können. Ich hatte darüber im Trubel der Reisevorbereitungen gar nicht weiter nachgedacht.. erst am Tag unserer Abfahrt wurde mir diese Tatsache wieder ins Gedächtnis gerufen, als Sanyat sagte „by the way, the tickets for tonight are confirmed..“ , meine Reaktion: „Oh really..? cool..“ Nach ein paar Minuten wandte ich mich nochmal an ihn und meinte „and.. how do you know the tickets have been confirmed?” – “I checked them out yesterday and as they hadn’t been confirmed by then, I arranged for it by calling my uncle..” “..oh..” “behind your names it will be written HO.. but I don’t think there will be any problems, nobody will ask you about it..” “ok.. and.. what does HO mean?” “it stands for Railway Head Office” – unsere Sitzplätze verdankten wir der für hochrangige Railway Employees zurückgehaltenen Sitzplatzquote!
Die Reise war entsprechend angenehm, wenngleich auch ein in unserem Abteil ansässiger ruvenartiger Inder mit überlangen Fußnägeln die ganze Nacht sehr rücksichtslos laut parlierte.. morgens setzten wir uns auf die Schwelle der offenen Waggontür und bestaunten die an uns vorbeiziehende Steppenlandschaft. Wir spürten die im Vergleich zu Delhi unglaublich trockene Hitze und ein permanentes Stechen auf der Haut – das leicht unangenehme Prickeln des aufgewirbelten Wüstensandes.
Um 13 Uhr erreichten wir das 600 Kilometer von Delhi entfernt gelegene Jaisalmer, wo wir am Bahnhof von einem Railway Officer abgeholt und zum Railway Officer Rest House geführt wurden. Dort waren wir von dieser spacious accomodation (gigantisches Ebenholzehebett, weitläufiges Bad, drawing room, gemütliches Sofa..) geplättet.. und ein weißbärtiger Bediensteter, der leider das Konzept der Privatsphäre nicht so ernst nahm, servierte Chai, Kekse und Chips. Da vor dem Fenster etwa 10 Männer warteten, die allesamt allein für unser Wohl herbeordert schienen, duschten wir in Rekordzeit und verschlangen in einem unbeobachteten Moment auf recht undamenhafte Weise sämtliche gereichten Snacks, um anschließend mitsamt eines einheimischen Railway Officers in einem klimatisierten Wagen in die Stadt kutschiert zu werden.
Zunächst besichtigten wir das Fort. Es ist im Vergleich zum Fort von Jodhpur viel kleiner, verfügt aber ebenfalls über eine angenehm luftige Lage sowie verwinkelte Gänge, die an 1001 Nacht erinnern. Besonders gefallen hat uns die äußerst tragische Legende von Prinz Mehendra von Jaisalmer. Als dieser nämlich eines Tages hörte, dass in einem benachbarten Königreich eine außergewöhnlich hübsche Prinzessin lebte, ritt er, neugierig geworden, eines Nachts auf seinem treuen Kamel zum Palast jener Prinzessin. Zwar wurden die beiden Königreiche von einem reißenden Strom getrennt, doch war das Kamel des Prinzen so überdurchschnittlich kräftig, dass es den Fluss zu durschwimmen vermochte. So gelangte der Prinz zur Prinzessin und – natürlich – verliebten sich die beiden auf den ersten Blick. Von da an schlich Mehendra häufig des Nachts aus dem Fort seines Vaters und besuchte Lunda, die Prinzessin. Stets kehrte, damit seine Ausflüge unbemerkt blieben, vor Sonnenaufgang nach Hause zurück. Nach einiger Zeit bemerkte jedoch sein alter blinder Vater, dass Mehendra ungewöhnlich müde war und morgens oft nasse Haare hatte. Unauffällig streifte er bei nächster Gelegenheit einige Tropfen Wasser vom Haar des Prinzen ab und rieb sie sich in seine blinden Augen – woraufhin urplötzlich seine Sehkraft zurückkehrte. Dem König war sofort klar, dass es sich nur um das Wasser des heiligen Flusses handeln konnte, der sein Reich vom benachbarten trennte. Die Gründe für seines Sohnes nächtliche Ausflüge durchschauend befahl er seinen Bediensteten, das Kamel des Prinzen durch ein anderes, lahmes auszuwechseln. Damit gedachte er, Mehendra von weiteren Ausritten abzuhalten. Im benachbarten Königreich hatte Lundra unterdessen ihrer Schwester von ihrem nächtlichen Besucher erzählt. Diese war daraufhin neugierig geworden und wollte den Prinzen selbst sehen. So überredete sie ihre Schwester, sie im Prinzessinnengemach zu verstecken, wenn der Prinz das nächste Mal komme. Sie werde sich als Sänger verkleiden, damit der Prinz – sollte er sie entdecken – nicht glaube, die Königsfamilie schöpfe Verdacht. Als Mehendra nun beim nächsten Mal aufbrach, um Lunda zu besuchen, kam er wegen seines lahmenden Kamels nur sehr langsam voran. Auch war der ordinäre Paarhufer nicht in der Lage, den heiligen doch reißenden Fluss zu durchqueren, wodurch der Prinz sich gezwungen sah, einen Umweg zu einer ins Nachbarkönigreich führenden Brücke zu nehmen. Deswegen kam Mehendra erst sehr viel später als gewöhnlich bei Lundras Palast an. Und welch ein Anblick bot sich ihm, als er durch das Fenster ihrer Gemächer schaute!? Seine Prinzessin schlief in ihrem Bett – in den Armen eines ihm unbekannten Sängers! Aufgrund seiner Verspätung hatten nämlich Lundra und ihre Schwester das Warten auf Mehendra aufgegeben und waren Arm in Arm eingeschlafen. Dem Prinzen stellte sich die Szenerie natürlich gänzlich anders dar und heartbroken kehrte er auf seinem alten Kamel nach Hause zurück. Fortan blieb er des Nachts im heimischen Palast und auf die Briefe, in denen sich Lundra nach seinem Verbleiben erkundigte, antwortete er lediglich, es sei ihm unmöglich, an ihre Treue zu glauben. Da Lundra jedoch unablässig und durch zahlreiche Briefe ihre Aufrichtigkeit beteuerte, schenkte er ihr schlussendlich doch sein Vertrauen wieder. Er machte sich ein weiteres Mal auf, sie zu besuchen – doch als sein Kamel ihren Palast erreichte, war Lundra, deren Herz ob der Tragik dieser Liebesgeschichte mittlerweile ebenfalls gebrochen war, bereits gestorben.
Nachdem wir das Fort besichtigt hatten, fuhren wir in die am Fuße des selbigen gelegene Altstadt Jaisalmers, wo wir die pompösen Wohn- und Geschäftshäuser der reichen Karawanen-Kaufleute anschauten, welche Havelis genannt werden.
2 Kommentare:
Subbr, juhuu, endlich amol wieder a Nochrichd von dr vicky! Sodde Märchen gibbds bei de Gebrüder Grimm au, wissed'r's no?
Ist ja einfach unglaublich, das alles. Gut, dass du von so viel Vitamin B profitieren kannst!!
Kommentar veröffentlichen