Nach unserer Wanderung verspeisten wir in einem gemütlichen Speisesaal mit schweren arm chairs und plüschigem Teppichboden ein Mittagessen, das einzig für uns (wir waren die einzigen Gäste) zubereitet wurde! Ich weiß wirklich nicht, ob ich mich in Deutschland wieder an mein Ottonormalbürgerleben gewöhnen können werde.. Anschließend setzten wir gegen 17 Uhr unsere Reise fort. Eine Stunde lang kurvten wir bergabwärts, um in das Tal des Flusses Sutlej hinabzusteigen. An den Ufern des Sutlej angekommen, folgte unser weiterer Weg flussaufwärts den Windungen des klaren Wassers.. langsam legte sich die Dunkelheit über die uns umgebenden Berge und das enge Tal und bald waren die Straßen fast menschenleer, kaum ein Gefährt begegnete uns, während Surinder-Bhaiya unseren Toyota unermüdlich um zahllose Biegungen steuerte. Im kleinen Ort Rampur machten wir einen Stopp, um den rest room eines Restaurants zu beehren. Dabei entdeckten wir zufällig, dass hier Cocktails für 100 Rupien (1,50 Euro) im Angebot waren.. etwas randomly beschlossen wir kurzerhand, hier zu Abend zu essen. Sinnlos kichernd bestiegen Aakashi, Sanyat und ich anschließend das Auto, the whitest boy alive sorgte für ein angenehmes Ambiente und weiter schwebten wir durch diese absolute Dunkelheit, die einem fast das Gefühl gab, man sei blind. Wenig später stellte sich heraus, dass unsere Entscheidung, zu Abend zu essen, die richtige gewesen war: Uns war auf einer unbefestigten, sehr staubigen und steilen Schotterpiste die Weiterfahrt durch einen steckengebliebenen Jeep versperrt. Dass wir mitten im Nirgendwo eine Stunde ausharren mussten, war aber nicht mehr schlimm, nachdem wir aus dem Auto ausgestiegen waren: Aufgrund der intensiven Schwärze der uns umgebenden Nacht war der Sternenhimmel berauschend schön!! Sowas hab ich wirklich noch nie gesehen! Das Firmament war gesprenkelt mit einer unendlichen Anzahl an weißen Pünktchen.. man konnte sogar die Milchstraße sehen.. oder vermutlich eine Ausbuchtung derselben, ein peripherer Milchstraßen-Beutel.. jedenfalls sah es genauso aus!! Awesome. Darüber vergaßen wir beinah die für indische Verhältnisse schockierend eisige Kälte, die durch unsere lommeligen Baumwollpullis kroch.. Nach einer Weile, nachdem das Pannenfahrzeug von einigen Traktoren freigeschleppt worden war, setzten wir unsere Fahrt fort. Nachdem wir uns den Weg durch zwei entgegenkommende Schafherden gebahnt hatten (was sehr gruselig war, weil die Tiere im grellen Scheinwerferlicht sehr dämonisch aussahen), erreichten wir gegen 22 Uhr und damit für Bergverhältnisse in tiefschlafender Nacht das PWD Guest House Sarahan. Wir weckten den ahnungslos schlafenden keeper, welcher uns Einlass in unsere Gemächer verschaffte.. Zitat Sanyat: „a real forest officer’s home!“ Versteckt und halb erstickt von massiven Decken begaben wir uns zu Bett.

Am nächsten Morgen, als wir schläfrig unseren soeben servierten heißen Chai schlürften und verstrubbelt vor die Tür unseres Zimmers traten, bot sich uns ein atemberaubender Anblick über ein weites Tal, welches rundum von schneebedeckten Gipfeln eingerahmt wurde. Zugleich wuchsen auf der Terrasse des Guest Houses aber auch Rosen und andere farbenprächtige Blüten tragende Pflanzen.. merkwürdige klimatische Bedingungen.

Erneut stand eine ziemlich lange Autofahrt bevor. Das enger werdende Setluj-Tal entlang krochen wir tiefer und tiefer in die Berge hinein. Immer gen Osten, der indo-chinesischen Grenze entgegen.


[roadside-dhaba at its finest.. in diesem Fass ist der (nicht ganz traditionell gestaltete) Tandoor-Ofen, der aus gebranntem Lehm besteht.. in diesem wird Brot zubereitet, indem Teigfladen an die Lehmwände geklatscht und in der Hitze gebacken werden.. auffällig ist in den Bergen, dass Tee-Stände, Garküchen und ähnliche Kleinstunternehmen auch von Frauen betrieben werden, wohingegen das im restlichen Indien absolut unüblich ist..]
Zunächst wurde die Aussicht eine ganze Weile lang von den Bauarbeiten eines gigantischen Dammprojekts (1000 MW Karcham Wangtoo Hydroelectric Project) verschandelt. Irgendwann war das Tal jedoch für jegliche Installationen zu schmal, und stundenlang durchquerten wir nicht einmal richtige Dörfer. Die weißen Gipfel, welche die Grenze mit China verkörpern, rückten in fast greifbare Nähe, das Manövrieren unseres Fahrzeugs auf abschüssigen Pisten und an entgegenkommenden 10-Tonner-Lastwagen vorbei gestaltete sich als zunehmend kompliziert. Endlich öffnete sich dann mit einem Mal das Tal und gab den Blick frei auf den (in den Steluj mündenden) Fluss Baspa, der in dieser Höhe nur ein kleiner, eisblauer Bach ist und friedlich durch grünes, mit Apfelbäumen bestandenes Schwemmland mäandert: das Sangla-Valley.

4 Kommentare:
Beeindruckend!
Wie kalt war es denn tags und nachts? Was gibt es außer äpfeln und schafen noch? Wovon leben die leute hier, nur landwirtschaft?
Fantastisch! Viele Grüße
P.S.: Bernd hat sich soooo über Deinen lommeligen Pulli gefreut!
Herrlich, Vicky! Du bist zu beneiden um diese Reisen.
Aber wenn da gerade ein Staudamm gebaut wird - welches Tal füllt denn das gestaute Wasser, wieviele Dörfer versinken da dann in den Fluten. Ist dann das Verhältnis zwischen Energiebedarf (bzw. unstillbarem Energiehunger der Industriedistrikte und ihrer Bevölkerung)und der Zerstörung von Natur und vielleicht von biblisch altem Weltkulturerbe (wie im Zweistromland durch einen Staudamm geschehen)noch zu vertreten oder von unverantwortlichem Ausmaß?
Wie hoch sind diese Berge? Sind das die Ausläufer des Himalaya? Man sieht keinen immerwährenden Schnee. Weißt Du übrigens, dass für die Überschwemmungen in Pakistan nicht nur verstärkter Monunregen verantwortlich gemacht wird, sondern auch das verstärkte Abschmelzen der Himalayagletscher? Und wenn diese Gletscher sich nicht durch verstärkte Schneefälle wieder aufbauen, dann bedeutet das auch in Indien Klimaveränderung und vor allem Veränderung des Wasserhaushaltes! Vielleicht kannst Du mit Deinen indischen Freunden einmal über dieses Thema diskutieren?
Viele liebe Grüße Caddi
nicceee
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